In der aktuellen Diskussion um die Gaspreise in Deutschland gibt es einige positive Nachrichten. EWE-Chef Stefan Dohler äußerte sich optimistisch und rechnet vorerst nicht mit steigenden Gaspreisen für Verbraucher, auch wenn die Weltmarktpreise gestiegen sind. Insbesondere hat EWE bereits Gasmengen für ihre Kunden beschafft und einen hohen Anteil an Festpreisverträgen abgeschlossen, die die Preise für ein Jahr garantieren. In der Grundversorgung sei keine kurzfristig notwendige Preiserhöhung zu erwarten. EWE versorgt fast eine halbe Million Kunden mit Erdgas-Lieferverträgen. Trotz der angespannten Situation aufgrund des Iran-Kriegs, der den Transport von Flüssiggas aus dem Persischen Golf beeinträchtigt hat, sieht die Lage in Deutschland stabil aus. Der Gaspreis lag zuletzt bei rund 65 Euro pro Megawattstunde, vor dem Konflikt betrug er noch 30 Euro. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Preissituation entwickelt, sollte der Konflikt längere Zeit andauern. Höhere Preise müssten dann zeitversetzt an die Kunden weitergegeben werden.
Aktuell gibt es in Deutschland keine Mangellage bei der Gasversorgung. Flüssigerdgas wird hauptsächlich aus den USA bezogen, während Pipelinegas aus Norwegen kommt. Doch EWE-Chef Dohler äußert Besorgnis über die Befüllung der Gasspeicher bis zum nächsten Winter. Deutsche Gasspeicher haben mit etwa 20 Prozent den niedrigsten Füllstand seit 15 Jahren erreicht, was die Befüllung der Speicher in den Sommermonaten erschwert. Normalerweise sinken die Gaspreise im Sommer, was die Einspeicherung erleichtert, aber die derzeit hohen Preise wirken dem entgegen. Um dem entgegenzuwirken, wurde ein Vorschlag für eine strategische Gasreserve zur Krisenvorsorge unterbreitet, die einen Ausfall norwegischer Gaspipelines für 90 Tage überbrücken könnte. Ob diese Reserve tatsächlich eingerichtet wird, bleibt unklar, da die aktuellen Regelungen zu den Mindestfüllständen im kommenden Jahr auslaufen. Die Regierungskoalition plant, geeignete Instrumente für eine sichere und kostengünstige Befüllung der Speicher zu entwickeln [Quelle].
Stabilität und politische Maßnahmen
In einem weiteren Schritt zur Stabilität der Gasversorgung hat die Bundesregierung die Alarmstufe im Notfallplan Gas von Stufe 2 auf Stufe 1 (Frühwarnstufe) herabgesetzt. Diese Entscheidung wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Bestätigung für die stabilisierte Versorgungslage eingestuft. EWE bewertet diese Maßnahme als wichtigen politischen Schritt und als Bestätigung ihrer eigenen Investitionen in die Versorgungssicherheit. Im Jahr 2023 hat EWE mit der „Zukunftsleitung“ die Voraussetzungen geschaffen, um LNG aus Wilhelmshaven ins deutsche Gasnetz zu transportieren. EWE-Chef Dohler betont, dass die Versorgungssicherheit das Ergebnis politischer Entschlossenheit und entsprechender Investitionen ist.
Zusätzlich bereitet EWE die Infrastruktur für den Transport von grünem Wasserstoff vor, was einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Energieversorgung darstellt. Die Gasspeicher von EWE sind derzeit zu etwa 50 Prozent gefüllt, jedoch gibt es Herausforderungen bei der Speicherbefüllung, da die Marktmechanismen, insbesondere der Sommer-Winter-Spread, momentan keine ausreichenden Anreize zur Einspeicherung von Gas bieten. Dohler warnt davor, dass die Speicher vor dem kommenden Winter möglicherweise nicht ausreichend gefüllt sein könnten, wenn keine wirtschaftlichen Anreize bestehen [Quelle].
Die Lage der Gasspeicher
Die aktuelle Situation der Gasspeicher in Deutschland bleibt angespannt. Laut den neuesten Daten liegt der Füllstand der deutschen Gasspeicher bei 22 Prozent (Stand: 09.03.2026), was etwa 20 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 liegt. Mit einer Gesamtkapazität von 250 Terawattstunden sind die Gasspeicher entscheidend für die Deckung des zusätzlichen Winterverbrauchs. Angesichts des geringen Füllstands besteht die Gefahr, dass die Gasspeicher im Winter 2026 deutlich leerer sind als üblich. Dies ist besonders problematisch, da weniger Erdgas im Sommer 2025 eingelagert wurde, was auf geänderte Vorschriften zurückzuführen ist. Die durchschnittlichen wöchentlichen Gasimporte im Jahr 2024 lagen bei 16,5 Terawattstunden, was zeigt, dass die Importe aus Norwegen und den Niederlanden sinken, während die Eigenförderung in den Niederlanden ebenfalls zurückgeht [Quelle].
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um die Gasspeicher für den Winter vorzubereiten und die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Maßnahmen und Investitionen in die Infrastruktur die angespannte Lage entschärfen können.




