Was ist los in Köln? Das, was sich in Frankfurt-Bornheim abspielt, zeigt, dass ein beunruhigender Trend auch hierzulande auffällt. Lange Autoschlangen vor Grundschulen, weil viele Kinder selbst auf kurzen Wegen von nur 500 Metern zum Unterricht gebracht werden, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. In diesem Zusammenhang warnt Stadtplanerin Sina Doukas vor einem drastisch verkleinerten Streifradius von Kindern. Historische Daten belegen, dass sich dieser Bewegungsradius über die Jahrzehnte stark verringert hat: Im Jahr 1919 betrug er noch stolze 9,5 Kilometer, während es 2006 lediglich noch 300 Meter waren. Renate Zimmer, emeritierte Professorin, bestätigt, dass es in Großstädten wahrscheinlich noch enger zugeht. Viele Eltern empfinden den Schulweg als unsicher, greifen auf das „Elterntaxi“ zurück und begleiten ihre Kinder oft zu den Einrichtungen.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Zeit der selbstständigen Erkundung bei Kindern abnimmt. Während sie in der Vergangenheit oft allein auf Abenteuertour gingen, dürfen sie heutzutage seltener unbeaufsichtigt draußen spielen. Eine Studie aus England belegt, dass insbesondere Stadtkinder in naturnahen Umgebungen weniger Freiraum genießen. Dabei haben viele Kinder und auch ihre Eltern den Wunsch, mehr Zeit unbeaufsichtigt in der Natur zu verbringen. Das zeigt sich auch in Komplimenten über die Natur selbst, jedoch wird häufig auf fehlende geeignete Orte verwiesen, die solch ein Spiel ermöglichen könnten. Das Vertrauen der Eltern in die Sicherheit ihrer Kinder ist zwar in Deutschland recht hoch, doch die Realität sieht maßgeblich anders aus.
Weniger Freiheit, weniger Selbstständigkeit
Die Konsequenzen dieser Entwicklung betreffen nicht nur das spielerische Element. Fehlende eigenständige Bewegung kann langfristig zu einem Verlust von Selbstständigkeit und Selbstvertrauen führen, warnen Fachleute. Der Mangel an unbegleiteten Wegen hat zur Folge, dass die Kinder mehr Zeit in Schule, Kita und Sportvereinen verbringen, was als „institutionalisierte Kindheit“ wahrgenommen wird. Diese Sichtweise ist nicht ohne Grund problematisch, da sie die natürlichen Eigenschaften und kreativen Fähigkeiten der Kinder gefährdet. Kinder, die im Freien spielen, erfahren nicht nur Spaß, sondern fördern auch ihre emotionale Stärke und soziale Kompetenzen.
Wie kann man dem entgegenwirken? Stadtplanerin Doukas fordert kinderfreundliche Räume innerhalb der Stadt, um das Erkunden und Draußensein für die Jüngsten attraktiv zu gestalten. Vorschläge wie verkehrsberuhigte Zonen, sichere Querungen und spezielle Schulstraßen sollen helfen, den Streifradius zu erhöhen und somit den Kindern mehr Freiheit zu ermöglichen. In einer Welt, in der Mobilität und Selbstständigkeit für Kinder aus verschiedenen sozioökonomischen Hintergründen unterschiedlich weitgehend wahrgenommen werden, ist es entscheidend, den Dialog zwischen Eltern, Stadtplanern und Bildungseinrichtungen zu fördern. Nur so kann eine nachhaltige Verbesserung erreicht werden, die es unseren Kindern ermöglicht, wieder ihre Umgebung eigenständig zu erkunden.
Die Gedanken sind klar: Ein bisschen mehr Vertrauen in die eigene Sicherheit und ein bisschen mehr Freiheit können dabei helfen, den Kids die Selbstständigkeit zurückzugeben, die sie so dringend benötigen. Lasst uns also den Kindern Spielräume einräumen, um ihre eigenen Abenteuer zu erleben!
fr.de berichtet, dass …
zeit.de ergänzt, dass …