Im Landkreis Osterholz tut sich etwas Positives für Kinder und Jugendliche, die unter Gewalt leiden. Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck hat die Einrichtung einer Gewaltschutzberatungsstelle angekündigt. Diese wird sich speziell auf die Bedürfnisse von jungen Menschen konzentrieren und einen besonderen Schwerpunkt auf sexualisierte Gewalt legen. Das Angebot ist besonders wichtig, da seit dem Rückzug des SOS-Kinderdorfvereins Worpswede im Juni 2022 eine erhebliche Angebotslücke im Landkreis besteht. Damit sind Kinder, Jugendliche, Angehörige und Fachkräfte auf externe Anbieter angewiesen, wenn sie Hilfe benötigen. Die Kreisbehörde hat die Trägersuche bereits im Herbst 2025 öffentlich ausgeschrieben und der Diakonie den Auftrag erteilt, was als eine wichtige Entscheidung angesehen wird, um die Situation der Betroffenen zu verbessern.
Die geplante Beratungsstelle wird mit zwei Mitarbeiterinnen besetzt, von denen eine bereits am 1. März 2023 ihre Tätigkeit aufgenommen hat und die zweite am 1. Mai 2023 beginnen wird. Ein Pressetermin im Mai 2023 wird weitere Details wie die Namen der Mitarbeiterinnen, den Eröffnungstermin, den Bürostandort, die Kontaktdaten und die genauen Öffnungszeiten bekanntgeben. Die Diakonie hat zudem angekündigt, dass die Räume der Beratungsstelle so gestaltet werden, dass sich Kinder und Jugendliche wohl und sicher fühlen. Finanziell wird die Einrichtung der Beratungsstelle durch den Landkreis Osterholz mit jährlich 60.000 Euro für Personal- und Sachkosten unterstützt, zusätzlich erhält sie 44.000 Euro vom Land Niedersachsen. Der Zuschlag für die Beratungsstelle gilt zunächst für ein Jahr, mit der Möglichkeit einer vierjährigen Verlängerung.
Umfangreiche Unterstützung für Betroffene
Das Angebot der Gewaltschutzberatungsstelle wird nicht nur auf sexualisierte Gewalt beschränkt sein. Vielmehr wird sie eine umfassende Beratung und Betreuung für Menschen bieten, die Gewalt im sozialen Nahraum erleben. Diese Gewalt kann körperlicher, psychischer, sexueller oder finanzieller Natur sein und tritt in persönlichen Beziehungen, insbesondere in Partnerschaften, Ex-Partnerschaften und Familien, auf. Es ist wichtig zu betonen, dass Gewalt in allen Altersstufen, Kulturen und sozialen Schichten vorkommen kann, unabhängig von Geschlecht, Bildungsniveau oder Einkommen.
Die Beratungsstelle wird den Betroffenen helfen, Lebensperspektiven zu entwickeln, eigene Grenzen zu erkennen und Lösungen für ihre Probleme zu finden. Bei Bedarf werden die Beraterinnen auch an weitere Netzwerkpartner und Hilfeeinrichtungen vermitteln. Zudem wird die Beratungsstelle über rechtliche Möglichkeiten bei häuslicher Gewalt informieren und Unterstützung bei der Antragstellung im Sinne des Gewaltschutzgesetzes (GewSchG) anbieten, das unter anderem Wohnungsüberlassungen und Schutzanordnungen regelt.
Vertraulichkeit und Erreichbarkeit
Die Beratung erfolgt selbstverständlich unter Schweigepflicht und ist kostenfrei. Beratungs- und Gesprächstermine können individuell vereinbart werden, was besonders für die Betroffenen von großer Bedeutung ist. In akuten Fällen steht zudem ein 24-Stunden Frauen-Notruf für Frauen im Landkreis Osterholz bereit, der unter der Nummer 01525 79 73 290 erreichbar ist. Auch bundesweite Hilfsangebote wie das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 oder das Hilfetelefon für Männer unter 0800 123 99 00 sind verfügbar.
Die Gründung der Gewaltschutzberatungsstelle ist ein vielversprechender Schritt in die richtige Richtung und zeigt das Engagement der Diakonie und der lokalen Behörden, Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu bekämpfen. In einer Welt, in der wir zunehmend auf die Belange der Schwächeren achten, bleibt es essentiell, dass solche Einrichtungen nicht nur entstehen, sondern auch nachhaltig unterstützt und weiterentwickelt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die geplante Beratungsstelle ihren wichtigen Beitrag leisten kann, um die Lebensbedingungen der betroffenen jungen Menschen zu verbessern und ihnen eine Perspektive zu bieten.