Vor zehn Jahren erschütterten die Attentate von Paris und Saint-Denis die Weltgemeinschaft und hinterließen bleibende Wunden, die bis heute spürbar sind. In Syrien, speziell in der Region Baghouz, zeigt sich das Erbe des Islamischen Staates (IS) besonders eindrucksvoll. Der Ort, der 2014 zur Hauptstadt des IS erklärt wurde, fiel im März 2019 nach monatelangem Siege durch die internationale Koalition und die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF). Doch die Reste des einst mächtigen Khalifats haben große Erschütterungen hinterlassen, und Baghouz gleicht einem Trümmerfeld, wo die meisten Infrastrukturen zerstört wurden, wie RFI berichtet.

Die Bewohner von Baghouz sind noch weit von einer Rückkehr zur Normalität entfernt. Viele leben in überfüllten Lagern im Nordosten Syriens und lehnen es ab, ihre Kinder mit den Kindern des IS zu unterrichten. Die Situation im Camp Al-Hol, dem größten der Region, ist dabei erschreckend und katastrophal. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wirkt inmitten dieses Schreckens oft wie ein ferner Traum. Eine ständige Bedrohung bleibt durch die sogenannten „schlafenden Zellen“ des IS, die immer noch aktiv sind und für Unruhe sorgen, als Strife Observatory feststellt.

Der Weg zum Fall des Kalifats

Die Expansion des IS begann rasant im Jahr 2014, wurde jedoch schnell durch militärischen Widerstand gebremst. Eine internationale Koalition unter US-Amerikanischer Führung wurde ins Leben gerufen, um gegen den IS zu kämpfen, während der IS gleichzeitig gegen das Assad-Regime, unterstützt von Russland und Iran, sowie gegen kurdische und syrische Rebellen kämpfte. Diese Kombination an Fronten führte zu einem deutlichen Rückgang der Wirksamkeit des IS, wodurch der Rückzug aus vielen strategisch wichtigen Regionen notwendig wurde, wie erläutert wird.

Im März 2019 fiel Baghouz, der letzte große Rückzugsort des IS. Abschließend lässt sich feststellen, dass während das Kalifat einst über 50.000 bis 80.000 Kämpfer zählte, internationale militärische Interventionen und innergesellschaftliche Konflikte zu einem dramatischen Rückgang dieser Zahl führten. Nach dem Fall von Baghouz wurden die verbliebenen Kämpfer dispersiert, während Tausende getötet, gefangen genommen oder sich ergaben.

Die düstere Realität der Überlebenden

Die Stadt, die einst voller Leben war, ist jetzt ein Schatten ihrer selbst. Farhan Al Dawod, ein Rückkehrer in die Stadt, berichtet von den verstörenden Entdeckungen, die er gemacht hat. Insgesamt hat er über 5.000 Leichname in der Umgebung gefunden. Dies ist eine bitterte Erinnerung an die Grausamkeiten, die die dort lebenden Menschen durchleiden mussten, als der IS die Macht übernahm. Anfänglich versprochen, gegen die Assad-Dynastie zu kämpfen, wurden die Einwohner stattdessen unterdrückt und ihrer Freiheit beraubt.

Die internationalen Operationen, die noch immer im Gange sind, lassen keinen Raum für Entwarnung. Nachts sind häufig Hubschrauber über der Region zu hören, was auf anhaltende militärische Präsenz hindeutet. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation für die Überlebenden und die Region insgesamt entwickeln wird, während die Schatten des IS weiter auf Baghouz lasten.