Die Suche nach einem geeigneten Wohnraum für Menschen mit Behinderungen gestaltet sich oft als herausfordernd. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Fall von Jean-Louis Justamond, einem 69-jährigen Mann, der nach einem tragischen Scooter-Unfall in Nizza mit den Folgen einer Amputation kämpft. Der Vorfall ereignete sich am 27. November 2023, als eine Autofahrerin ihn übersehen und auf ihn aufgefahren ist. Seitdem ist sein Leben von physischen sowie psychischen Beschwerden geprägt, die durch sein unzureichendes Wohnumfeld noch verstärkt werden. Laut Nicematin lebt Justamond in einer nicht barrierefreien Wohnung im dritten Stock eines HLM im Vallon-des-Fleurs, wo die Aufzüge häufig defekt sind und die umliegenden Wege für Rollstuhlfahrer kaum zugänglich scheinen.

Die Probleme für Justamond enden nicht bei der physischen Barrierefreiheit. Er hat keine Familie, die ihn unterstützen könnte, und sieht sich oft mit den Schwierigkeiten konfrontiert, seine Einkäufe selbst zu erledigen. Teure Lieferdienste kann er sich nicht leisten, und die Blockade des Zugangs zu seinem Rollstuhl durch Nachbarn verschärft seine Situation zusätzlich. Trotz zweimaliger Anfragen für eine Umsiedlung in eine geeignete, barrierefreie Wohnung bleibt er ohne Perspektive, da es in Nizza mehr als 24.000 Anfragen für lediglich 950 verfügbare Wohnungen pro Jahr gibt. Manfred Smadja, Direktor von Côte d’Azur habitat, verdeutlicht, dass die Wohnlage aus den 1960er Jahren stammt und nicht den PMR-Normen entspricht.

Herausforderungen bei der Wohnungssuche

Die Realität des Zugangs zu sozialem Wohnraum für Menschen mit Behinderungen wird von CDC Habitat als oft unzulänglich eingeschätzt. Während gesetzliche Bestimmungen wie die Loi 3DS vom 21. Februar 2022 das Recht auf einen angepassten Wohnraum für Menschen mit Behinderungen anerkennen, steht die praktische Umsetzung häufig auf der Kippe. Die Initiative zur Bereitstellung von Wohnraum basiert auf der Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht auf ein angepasstes und sicheres Zuhause hat.

Die schwierige Wohnungssituation wird zusätzlich durch den überlasteten Wohnungsmarkt verstärkt, denn in Deutschland fehlen laut bpb aktuell rund 700.000 Wohnungen. Insbesondere barrierefreie Wohnungen, die an öffentliche Verkehrsanbindungen gut angebunden sind, sind rar gesät. Auch die lange Warteschleife für eine Umsiedlung – durchschnittlich 31 Monate – ist ein weiteres Hindernis, das viele Menschen mit Behinderungen zurückhält.

Dennoch gibt es Hoffnungen auf Besserung. Geplante Renovierungsarbeiten in Justamonds Wohnanlage sollen 2026 beginnen, um die Zugänglichkeit zu verbessern. Côte d’Azur habitat hat sich verpflichtet, bis 2032 insgesamt 330 Millionen Euro in die Renovierung des Bestands zu investieren, mit dem Ziel, bis 2026 mindestens 1.000 Wohnungen anzupassen.

Gesetzliche Grundlagen und Unterstützung

Die Rechte von Menschen mit Behinderungen sind nicht nur in Frankreich, sondern auch international verankert. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK), das Deutschland bereits 2009 ratifiziert hat, garantiert das Recht auf selbstbestimmtes Wohnen. Artikel 19 spricht sich dafür aus, dass Menschen ihren Wohnort nach ihren Wünschen selbst wählen können, ohne auf spezielle Wohnformen angewiesen zu sein. Die Umsetzung der UN-BRK erfolgt in Deutschland durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG), das eine Trennung von sozialen Teilhabeleistungen und den Kosten für Unterkunft vorsieht.

Die Herausforderungen, vor denen Menschen mit Behinderungen stehen, sind also vielfältig. Die Suche nach einem angemessenen, barrierefreien Wohnraum ist oft mit vielen Hürden verbunden. Der Fall von Jean-Louis Justamond ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie wichtig es ist, diese Barrieren abzubauen und Menschen in ähnlichen Situationen die benötigte Unterstützung zukommen zu lassen. Die Stimmen und Bedürfnisse dieser Menschen müssen in der Wohnungspolitik Gehör finden, damit ein inklusives Wohnen in der Gesellschaft Realität werden kann.