Einen erschütternden Fall von sexueller Gewalt untersucht derzeit das Gericht in Dordogne. Ein Paar, das in Saint-Vincent-de-Connezac lebt, steht unter Anklage wegen schwerer Vergehen gegen eine 19-jährige Frau, die sie zuvor bei sich aufgenommen hatten. Der Vorfall, der sich zwischen dem 19. Januar und dem 2. Februar 2018 ereignete, hat nicht nur für Aufsehen gesorgt, sondern wirft auch Licht auf die weitreichenden und alarmierenden Statistiken zu sexueller Gewalt in Frankreich.
Die Umstände, unter denen die 19-Jährige in die Obhut des Paares kam, sind leider nicht unüblich. Kurz vor den Vorfällen war sie von ihrer Mutter auf die Straße gesetzt worden. In einem verzweifelten Versuch, Unterstützung zu finden, wandte sie sich an den Hauptangeklagten, einen Mann, den sie zuvor in Périgueux getroffen hatte. Dies war der Beginn eines albtraumhaften Kapitels in ihrem Leben, geprägt durch Misshandlungen und sexuelle Übergriffe, die über 15 Tage andauerten, oft während beide Angeklagten unter dem Einfluss von Medikamenten standen. Die Klägerin, die einen „geistigen Rückstand“ hat und seit Ende 2018 rechtlich betreut wird, fühlte sich während dieser Zeit in ihrer Hilflosigkeit gefangen.
Die Anklage und ihre Hintergründe
Die Vorwürfe gegen das Paar sind schwerwiegend: Vergewaltigung in Gemeinschaft und an einer verletzlichen Person. Die Taten wurden mit einem besonderen Grauen begangen, unter anderem durch den Einsatz eines Dildos und Fesselungen. Der Angeklagte hat weiterhin Kontakt zur Klägerin gesucht, während sie in einer Pflegefamilie untergebracht war, und sogar „Sextos“ an sie gesendet, was die besorgniserregende Dynamik der Situation unterstreicht. Während das Paar in Polizeigewahrsam sitzt, behauptet es, dass die Handlungen der jungen Frau einvernehmlich waren.
Psychologische Gutachten haben den Mann als jemand beschrieben, der Schwierigkeiten hat, Grenzen zu erkennen, und eine Neigung zu problematischen sexuellen Handlungen zeigt. Die Frau hingegen wird als eine „Kind in einem Frauenkörper“ beschrieben, mit eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten, bei der die sexuelle Frage eine zentrale Rolle spielt. Solche Berichte legen einen düsteren Schatten über das Bild von Opfern sexueller Gewalt und die Komplexität der Täter-Opfer-Dynamik.
Ein weites Problem: Gewalt gegen Frauen
Diese erschütternden Vorfälle sind nicht nur Einzelfälle. Die Präfektur von La Réunion berichtete von einem alarmierenden Anstieg von sexueller Gewalt in den letzten Jahren. So stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von sexueller Gewalt um erschreckende 67,7 % im Jahr 2022, was das Département zum viertgewalttätigsten für Frauen in Frankreich macht. Etwa 15 % der Frauen in La Réunion sind Opfer von häuslicher Gewalt – das ist dreimal mehr als im gesamten französischen Festland. Im Vergleich zu einem nationalen Durchschnitt von 1,26 betroffenen Frauen pro 1000, liegt die Quote in La Réunion bei 1,61 pro 1000.
Einen weiteren Einblick gibt die Tatsache, dass 70 % der dort verzeichneten Gewaltfälle häusliche Gewalt sind. Ein weiteres alarmierendes Detail sind die Statistiken über Femizide: Im Jahr 2022 wurden zwei Femizide und ein versuchter Femizid registriert, während im familiären Umfeld neun versuchte Tötungen stattfanden. All diese Entwicklungen erfordern mehr als nur Aufmerksamkeit; sie benötigen Lösungen und eine griffige Politik.
Auf den Straßen von La Réunion sind nicht nur die Fälle sexueller Gewalt ansteigend, sondern auch die Täter haben sich oft einer brutaleren Gewalt verschrieben, was sich auch in den Statistiken zur häuslichen Gewalt widerspiegelt. Die Effizienz der Polizeiarbeit wird durch die Ausbildung von 1.200 Polizisten und Gendarmen zur Unterstützung von Gewaltopfern hervorgehoben und unterstreicht den Ernst des Problems.
Die Komplexität und emotionalen Auswirkungen solcher Taten angerissen, bleibt der Fall des Paares in Dordogne ein weiteres Beispiel dafür, wie weitreichend und komplex das Thema sexuelle Gewalt ist. Jedes einzelne dieser Fälle veranschaulicht nicht nur die drängenden Herausforderungen, mit denen Opfer konfrontiert sind, sondern auch die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ein Handeln erfordern. Die Hoffnung liegt nun darauf, dass dieses schockierende Geschehen als Weckruf dienen kann, um den Kampf gegen Gewalt in all ihren Facetten entschlossener zu führen.