Heute ist der 30.03.2026. Die Lage in der Stahlindustrie ist derzeit alles andere als rosig. Die Salzgitter AG hat jüngst die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 vorgestellt und die geopolitische Situation sowie die hohen Energie- und Rohstoffpreise als besorgniserregend eingestuft. Intensiver internationaler Wettbewerb und eine schwache Nachfrage aus zentralen Abnehmerbranchen haben den Geschäftsverlauf stark geprägt. Absatzmengen und Preise für die meisten Walzstahlprodukte liegen unter dem Vorjahresniveau, was zu hohen Verlusten in den Geschäftsbereichen Stahlerzeugung und Stahlverarbeitung führt. Besonders betroffen ist auch das Mülheimer Werk, die Mannesmann Grobblech GmbH, die eine konjunkturell bedingt schwankende, aber derzeit auskömmliche Auftragslage verzeichnet.
Das Mülheimer Werk kann jedoch auch positive Nachrichten vermelden: So wurde ein Großauftrag für Siemens Gamesa zum Bau von 36 Windtürmen für den größten Windpark Dänemarks erfolgreich abgeschlossen. Die Kompetenz des Mülheimer Werks liegt in der Produktion von Rohr- und Windturmblechen für Onshore- und Offshore-Anwendungen, wobei die Abnehmer hauptsächlich Rohrhersteller, wie auch Zulieferer für Europipe, sind. Salzgitter AG hält 50% an Europipe und plant zudem Investitionen in eine neue Warmrichtmaschine für dicke Bleche, die die Eigenschaften der Bleche verbessern und das Verarbeitungsportfolio erweitern soll. Der Bau der Maschine schreitet planmäßig voran, mit einer Betriebsaufnahme Mitte August 2026.
Herausforderungen der Stahlindustrie
Die Herausforderungen in der Stahlindustrie sind vielfältig. Derzeit klagen deutsche und europäische Stahlhersteller über hohe Kosten und einen unfairen Wettbewerb mit asiatischen Rivalen. Asien produziert knapp drei Viertel des globalen Rohstahls, wobei China und Indien die Hauptakteure sind. Deutschland ist zwar der größte Stahlproduzent innerhalb der EU, doch die Rohstahlproduktion sank im ersten Halbjahr 2025 um knapp 12 Prozent auf 17,1 Millionen Tonnen. Dies entspricht dem Niveau der Finanzkrise 2009. Die Inlandsnachfrage, insbesondere in den wichtigen Abnehmerbranchen wie Bau, Maschinenbau und Automobilindustrie, bleibt schwach.
Die hohen Kosten der energieintensiven Produktion und die Billigkonkurrenz aus dem Ausland belasten die Branche zusätzlich. Auch die US-Zollpolitik wird als Belastungsfaktor genannt. 2024 verzeichnete die Stahlindustrie einen Umsatzrückgang von 5,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Zudem warnt die IG Metall vor einem Verlust von Zehntausenden Arbeitsplätzen ohne wettbewerbsfähige Energiepreise. Ab 2026 soll ein staatlich subventionierter Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen eingeführt werden, was für einige Betriebe eine Erleichterung darstellen könnte.
Strategische Entwicklungen
Um den Herausforderungen zu begegnen, plant Salzgitter bis 2028 jährliche Einsparungen von 500 Millionen Euro, was jedoch auch zu Personalabbau führen könnte. Auch Thyssenkrupp Steel hat bereits Kapazitätsabbau und Stellenstreichungen angekündigt, um sich den neuen Marktbedingungen anzupassen. In diesem Kontext wird die voraussichtliche Übernahme der Duisburger Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) durch den Salzgitter-Konzern als strategisch wichtig erachtet, da HKM die Vormaterialversorgung für die Mannesmann Grobblech GmbH sichert und zudem die Möglichkeit bietet, benötigtes Grobblech für den Ausbau des Rüstungsgeschäfts zu produzieren.
Die Situation bleibt angespannt, und während positive Impulse durch Handelsschutzmaßnahmen der EU erwartet werden, ist nur eine moderate Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prognostiziert. Die Stahlbranche steht somit vor einer entscheidenden Phase, in der Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft gefragt sind.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Stahlindustrie, besuchen Sie bitte die WAZ und die Tagesschau.