In Deutschland sorgt der geplante Schwung beim Anerkennungsverfahren für Ärztinnen und Ärzte aus Drittstaaten für Gesprächsstoff. Am 1. Dezember 2025 gab das Bundesgesundheitsministerium bekannt, dass es beabsichtigt, die Anerkennung der medizinischen Qualifikationen von ausländischen Ärzten zu beschleunigen. Diese Initiative wird von der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) begrüßt, jedoch wird gleichzeitig vor möglichen Qualitätsrisiken gewarnt. Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der ÄKN, hebt hervor, wie wichtig diese Ärzte für die Patientenversorgung sind und betont, dass die Sicherheit der Patientinnen und Patienten absoluten Vorrang haben muss, wie aekn.de berichtet.

Aktuell arbeiten in Niedersachsen rund 5.489 Ärztinnen und Ärzte aus Drittstaaten. Dies entspricht etwa 15,3% der insgesamt 35.888 in Niedersachsen praktizierenden Ärzte. Ein Großteil dieser Fachkräfte hat seine Qualifikation außerhalb Deutschlands erworben. Daher wird das Anerkennungsverfahren für die Gleichwertigkeit der Ausbildung dringend benötigt. Die Kammer hat eine Resolution verabschiedet, in der vor einer qualitativen Schwächung des Verfahrens gewarnt wird. Der Vorschlag, die Kenntnisprüfung als Standard zu nutzen, könnte die Prüfqualität gefährden.

Hintergrund der Anerkennung

Die Approbation von Ärzten aus Drittstaaten ist in Deutschland kein leichtes Unterfangen. Bereits 2012 trat das Anerkennungsgesetz in Kraft, das es ermöglicht, die Approbation unabhängig von der Staatsangehörigkeit zu beantragen. Allerdings gibt es Unterschiede in den Verfahren für EU-Staaten und Drittstaaten. Während Ärzte aus den EU-Staaten, EWR und der Schweiz ein vereinfachtes Verfahren haben, müssen die Ausbildungsinhalte von Drittstaaten Stück für Stück überprüft werden, wie die bundesaerztekammer.de betont.

Ein Arzt aus einem Drittstaat muss sicherstellen, dass seine Ausbildung den deutschen Standards entspricht. Dies betrifft sowohl die Dauer als auch den Inhalt der Weiterbildung. Besonders hervorzuheben sind hier die Anforderungen an die sprachlichen Fähigkeiten: Für die Approbation ist ein Nachweis über Deutschkenntnisse auf C1-Niveau erforderlich, was für viele einen zusätzlichen Hürdenlauf darstellt. Um die Prüfungen zu bestehen, in denen Bereiche wie Innere Medizin, Chirurgie und Klinische Pharmakologie abgeprüft werden, ist ein hohes Maß an Fachwissen und sprachlicher Gewandtheit gefragt.

Gute Jobchancen und lange Bearbeitungszeiten

In Deutschland zeigen die Berufschancen für ausländische Ärztinnen und Ärzte hohe Frequenz, nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden Ärztemangels. Im Jahr 2019 beantragten 6.525 ausländische Mediziner die Anerkennung ihrer Berufsqualifikation, wobei die meisten Antragsteller aus Syrien, Rumänien, Österreich und Ungarn kamen. Arbeitnehmer in diesem Bereich haben die Aussicht auf attraktive Einstiegsgehälter von rund 4.700 Euro für Assistenzärzte und etwa 6.100 Euro für Fachärzte, wie in aerztestellen.aerzteblatt.de vermerkt.

Zu beachten ist jedoch, dass die Dauer der Anerkennungsverfahren erheblich variieren kann. Während Anträge von Ärzten aus der EU innerhalb von drei Monaten bearbeitet werden müssen, kann der Prozess für Antragsteller aus Drittstaaten bis zu vier Monate in Anspruch nehmen, wenn die Gleichwertigkeitsprüfung angestoßen wird. Diese hohen zeitlichen Anforderungen sowie die drohenden Risiken einer Qualitätsminderung machen das Thema Anerkennung von Ärztinnen und Ärzten aus Drittstaaten zu einem heiß diskutierten Punkt im deutschen Gesundheitswesen.