Ein echter Schock für die Region: Die Oettinger-Brauerei in Braunschweig wird zum Jahresende 2025 ihre Pforten schließen. Die Entscheidung, die schon lange in der Luft lag, wurde nun offiziell mit einem Sozialplan für 140 Mitarbeiter angekündigt. Diese wechseln ab Januar 2026 in eine Transfergesellschaft und erhalten Ausgleichszahlungen. Herbert Hohmann, Betriebsleiter der Brauerei, sprach von einem „schleichenden Prozess“, der die Schließung vorausahnen ließ. Die Gründe: sinkende Bierabsätze und veraltete Technik, wie NDR berichtet.

Doch worin liegen die Hintergründe dieser schmerzlichen Wende? Der Bier-Absatz in Deutschland befindet sich seit mehreren Jahren im Rückgang und hat im ersten Halbjahr 2025 sogar die Marke von vier Milliarden Litern unterschritten – ein Minus von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hauptgründe sind die demografische Entwicklung und die massive Zurückhaltung der Verbraucher beim Konsum, so ZDF.

Sozialplan und Mitarbeiterwechsel

Die von der Schließung betroffenen Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigungsschreiben zu Weihnachten erhalten, was von Gewerkschaftern als „kaltherziges Ende“ für den Traditionsbetrieb kritisiert wird. Alexander Nimptsch, ein Gewerkschafter, äußerte sein Unverständnis über dieart plötzliche Entscheidungen in der festlichen Zeit. Es bleibt abzuwarten, wie die 140 Mitarbeiter die Veränderungen verkraften werden – nur etwa zehn Personen bleiben in Braunschweig, um Teile der Logistik und Materialwirtschaft zu betreuen.[source_2]

Die Bierproduktion der Oettinger-Brauerei wird künftig an die Standorte Oettingen und Mönchengladbach verlagert. Zuvor war ursprünglich eine Schließung für das Frühjahr 2026 angedacht, doch diese wurde nun auf Ende 2025 vorgezogen. Damit reiht sich die Oettinger-Brauerei in eine lange Liste von Betrieben ein, die unter dem Druck der sinkenden Konsumlaune in Deutschland leiden.

Marktentwicklung und Konsumverhalten

Was bedeutet das für die gesamte Branche? Der Rückgang des Bierabsatzes in Deutschland stellt die Brauer vor wachsende Herausforderungen. Rund 1.500 Brauereien stehen momentan unter starkem Kostendruck durch steigende Preise für Rohstoffe, Energie und Logistik. Die Gastronomie kämpft ums Überleben, viele Betriebe haben sich seit der Pandemie nicht erholt. Der Export in die EU und in Drittländer hat ebenfalls gelitten, und während der Absatz von Biermischungen zugenommen hat, bleibt das Interesse an „klassischem“ Bier aus.

Die gesellschaftlichen Veränderungen sind nicht zu übersehen: Alkoholfreie Biere erleben einen Boom – die Produktion hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Dies zeigt, dass sich die Vorlieben der Verbraucher ändern und die Brauereien sich anpassen müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Für die Oettinger-Brauerei steht also eine neue Ära an, die vor allem von der Neuausrichtung der Produktion in andere Standorte geprägt sein wird. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation entwickeln wird und ob sich die Branche wieder stabilisieren kann.