Im Landkreis Verden gibt es spannende Neuigkeiten aus der Welt der Natur: Erstmals könnte eine europäische Wildkatze gesichtet worden sein. Wie n-tv.de berichtet, wurde das Tier Ende Oktober in eine Lebendfalle eines Jägers gefangen, fotografiert und anschließend wieder frei gelassen. Ein Sprecher des Landkreises sowie die Wildkatzenexpertin Andrea Krug vom BUND bekräftigen, dass die Merkmale des Tieres eindeutig auf eine Wildkatze hindeuten. Der markante, breite, buschige Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und dem charakteristischen stumpfen Ende ist hier das wichtigste Erkennungsmerkmal.

Um einen sicheren Nachweis der Art zu erbringen, soll nun eine genetische Untersuchung erfolgen. Der BUND plant, ab Januar im Sichtungsgebiet Holzlatten mit Baldrian zu besprühen. Dies soll die Wildkatzen anlocken und dabei helfen, DNA-Proben zu sammeln. In Niedersachsen leben derzeit schätzungsweise 800 Wildkatzen, vornehmlich in Südniedersachsen, wo sich die Population stabilisiert hat und seit der Einführung von Schutzmaßnahmen wieder erfreulich wächst.

Wildkatzen und ihre Lebensräume

Wildkatzen sind scheue Tiere, die Begegnungen mit Menschen meiden. Ursprünglich waren sie in ganz Europa verbreitet, doch heute finden sie sich nur noch in bestimmten Regionen wie Spanien, Portugal, Schottland, Italien, dem Balkan, Ostfrankreich und Deutschland. Wie kreiszeitung.de anmerkt, stellen die Zerschneidung ihrer Lebensräume sowie die Zersiedelung der Landschaft die größten Bedrohungen für die Wildkatzen dar. Sie benötigen ruhige, intakte Wälder mit Altholzbestand, um ihre Jungen großzuziehen.

In Niedersachsen gilt die Wildkatze seit 2020 auf der Roten Liste als gefährdet (Kategorie 3). Überraschenderweise gibt es in Deutschland insgesamt schätzungsweise etwa 5.000 bis 7.000 Wildkatzen, mit einer stabilen Population in Niedersachsen. Die höchste Dichte der Wildkatzen in diesem Bundesland findet sich im Süden, besonders im Landkreis Hildesheim und dem Solling.

Schutzmaßnahmen und Vernetzung

Die positive Entwicklung der Wildkatzenpopulation ist jedoch nicht selbstverständlich. Schutzmaßnahmen und die Vernetzung von Lebensräumen sind unerlässlich, um diesen Trend aufrechtzuerhalten. nlwkn.niedersachsen.de hebt hervor, dass die Wildkatze zwar wieder mehr Sichtungen in Niedersachsen verzeichnet, dennoch bleibt sie als stark gefährdet eingestuft. Um die Wanderbewegungen der Tiere zu fördern und ihre genetische Vielfalt zu sichern, wurden bereits ab 2012 spezielle Wanderkorridore eingerichtet.

Ein besonderes Highlight ist das Projekt „Wildkatzensprung“, das mit 3,8 Millionen Euro vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wurde. Damit werden Waldverbindungen geschaffen, die für die Wildkatzen von entscheidender Bedeutung sind. Wer sich für die Wildkatzen in Niedersachsen interessiert, findet in den zahlreichen Fachtagungen und Veröffentlichungen zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung und zum Naturschutz.

Mit etwas Glück werden wir in der Zukunft also noch mehr dieser außergewöhnlichen Tiere zu Gesicht bekommen, während die Schutzmaßnahmen weiterhin intensiv verfolgt werden. Das Überleben der Wildkatze könnte von der Schaffung geeigneter Lebensräume und vernetzter Korridore abhängen – da liegt wirklich was an!