Gedenken in Nordenham: Mahnwachen zur Erinnerung an die Pogromnacht

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Mahnwachen in Nordenham am 9. November erinnern an die Pogromnacht 1938 und die Schicksale deportierter Juden.

Mahnwachen in Nordenham am 9. November erinnern an die Pogromnacht 1938 und die Schicksale deportierter Juden.
Mahnwachen in Nordenham am 9. November erinnern an die Pogromnacht 1938 und die Schicksale deportierter Juden.

Gedenken in Nordenham: Mahnwachen zur Erinnerung an die Pogromnacht

Der 9. November 1938 bleibt ein dunkles Kapitel in der deutschen Geschichte, als die Kristallnacht den Beginn einer unvorstellbaren Verfolgung der jüdischen Bevölkerung markierte. In Nordenham sind die Erinne-rungszeichen besonders eindrücklich, nicht zuletzt durch die verlegten Stolpersteine, die an die Schicksale der dort ansässigen Juden erinnern. Anlässlich des bevorstehenden Jahrestages der Pogromnacht organisiert das Aktionsbündnis „Nordenham bleibt bunt“ zusammen mit dem DGB-Wesermarsch Mahnwachen, die an mehreren Standorten in Nordenham stattfinden werden.

Die Mahnwachen sind für den 9. November, dem Gedenktag, angesetzt. Um 17 Uhr wird am Salzendeich 19 in Einswarden gestartet. Weitere Stationen sind um 17.30 Uhr an der Walther-Rathenau-Straße 208 sowie um 17.45 Uhr an mehreren Orten, darunter Hafenstraße 13, Wilhelmstraße 16 und Friedrich-Ebert-Straße (LzO-Seiteneingang und 14). Um 18 Uhr beginnt die zentrale Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz. Hier werden bekannte Redner wie Dr. Wolfgang Knüll, Bürgermeister Nils Siemen und Lars Christiansen von der Autopflege Nordenham, sowie Vertreter der Nordenhamer Ökumene zu Wort kommen. Musikalische Begleitung wird ebenfalls für die Veranstaltung geplant.

Erinnerung durch Stolpersteine

Die Stolpersteine in Nordenham sind mehr als nur Gedenktafeln; sie erzählen die tragischen Geschichten der deportierten Juden. So beispielsweise von Paul und Frederike Stoppelmann, die beide 1942 in Auschwitz ermordet wurden. Auch Robert Löwy, der 1936 in die USA flüchtete, ist zu erwähnen. Zu den weiteren Schicksalen gehören Walter Friedmann, der ebenfalls deportiert und ermordet wurde, sowie Emanuel Pinto, der in Sobibor umkam. Diese Steine sind ein Zeichen gegen das Vergessen.

Dr. Wolfgang Knüll hat sich bereits seit Jahren für die Verlegung der Stolpersteine in Nordenham eingesetzt und hat dadurch einen bedeutenden Beitrag zur Erinnerungsarbeit geleistet. Lars Christiansen übernimmt vor den Mahnwachen die Reinigung dieser Gedenksteine, um sicherzustellen, dass die Erinnerung an die Opfer stets präsent bleibt.

Historischer Kontext

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt die Lebensgeschichten vieler Juden in Nordenham. So betrieb David Jacobsohn, geboren am 28. November 1881, ein Textilwarengeschäft in Einswarden. 1937 musste er aufgrund des Judenboykotts sein Geschäft verkaufen und zog nach Bremen, bevor er Ende 1938 mit seiner Familie nach Kolumbien flüchtete. Auch die Jacobsohns erlebten eine der vielen Tragödien dieser Zeit.

Die Geschichten von Migliedern der Familie Stoppelmann, den Löwys und vielen anderen machen deutlich, wie wichtig es ist, die Erinnerung an diese Gräueltaten wach zu halten. Die Mahnwachen am 9. November dienen nicht nur der Trauer, sondern auch der Mahnung, dass solch ein Unrecht nie wieder geschehen darf. Das Aktionsbündnis setzt mit der Veranstaltung ein starkes Zeichen gegen das Vergessen und bekräftigt damit die Verantwortung, die jeder Einzelne von uns trägt.

Die Bedeutung dieser Langzeitgedächtnisse mag nicht allen zugänglich sein, doch der Einsatz der Organisatoren und das Engagement der Bürger:innen zeigen, dass in Nordenham ein gutes Gespür dafür da ist, alte Wunden nicht nur zu heilen, sondern auch um ein Bewusstsein für die Geschichte zu schaffen. Kultivieren wir die Erinnerung, damit wir die Lehren aus der Vergangenheit nicht aus den Augen verlieren. Gemeinsam können wir Einfluss auf die Zukunft nehmen.