Rückenschmerzen und psychische Probleme bestimmen zunehmend den Alltag vieler Beschäftigter in Deutschland. Laut der KKH Kaufmännischen Krankenkasse sind sie die Hauptursachen für gesundheitsbedingtes Fehlen im Job. Die beeindruckenden Daten aus einer Analyse von etwa 672.600 KKH-Versicherten zeigen eindrucksvoll, wie ernst die Situation ist und dass dringender Handlungsbedarf besteht. So führten Rückenschmerzen im vergangenen Jahr zu durchschnittlich 142 Krankheitstagen pro 100 ganzjährig Versicherten, ein Anstieg von 118 Tagen vor fünf Jahren. Dabei ist der Trend alarmierend: Die Fallzahl für Rückenschmerzen stieg von 80 auf 120 pro 1.000 Versicherte zwischen 2019 und dem letzten Jahr.
Die KKH, die zu den großen bundesweiten Krankenkassen zählt und über 1,5 Millionen Versicherte hat, verzeichnete insgesamt rund 953.000 Fehltage, davon etwa 80.800 allein wegen Rückenschmerzen. Doch das ist nicht alles: Auch psychische Diagnosen nehmen zu. Anpassungsstörungen und akute Belastungsreaktionen sind mit 42 Prozent der häufigsten psychischen Diagnosen und verursachten 112 Fehltage je 100 Berufstätige. Im Vergleich zu 2019, als es noch 74 Fehltage waren, zeigt sich ein bemerkenswerter Anstieg von 51 Prozent.
Der Einfluss von Stress
Was sind die Auslöser dieses stetigen Anstiegs? „Stress wird oft als harmlose Begleiterscheinung oder sogar als Statussymbol wahrgenommen“, berichtet Antje Judick, Arbeitspsychologin der KKH. Doch dieser Dauerstress kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben, wie Rückenprobleme, psychische Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders auffällig ist, dass im Jahr 2024 bereits 112 Fehltage pro 100 Arbeitnehmer*innen wegen akuter Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen verzeichnet wurden, der höchste Wert in der jüngeren Vergangenheit.
Wenig überraschend liegt das Saarland mit fast 176 Fehltagen pro 100 Berufstätige an der Spitze der Fehlzeiten, während Baden-Württemberg mit gut 81 Tage die geringsten Fehlzeiten aufweist. Schleswig-Holstein verzeichnet zudem den größten Anstieg im Fünfjahresvergleich mit 71 Prozent.
Gesundheit am Arbeitsplatz: Ein gemeinsames Anliegen
Die Verantwortung für ein gesundes Arbeitsumfeld tragen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen, was unter anderem die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen umfasst, um psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu analysieren. Hierbei sind präventive Maßnahmen wie Schulungen für Führungskräfte und Angebote zur Stressbewältigung von großer Bedeutung, um eine positive Fehler- und Kommunikationskultur zu fördern und Mobbing vorzubeugen.
Für die Mitarbeiter bedeutet das, dass sie aktiv Themen wie Weiterbildung oder flexible Arbeitszeiten ansprechen können. Ein offener Umgang mit psychischen Belastungen ist dabei entscheidend, um Anzeichen frühzeitig zu erkennen und psychischen Störungen vorzubeugen.
Zusätzlich können beruflich bedingte Gesundheitsmaßnahmen auch die Resilienz der Mitarbeiter stärken. „Kurze Spaziergänge während der Pause, Aufgaben priorisieren und Grenzen setzen sind nur einige Möglichkeiten“, so Gesundheitsexperten. KKH bietet Präventionsangebote an, die dabei helfen, den Stresspegel zu reduzieren und gesunde Gewohnheiten zu fördern.
Abschließend bleibt festzuhalten: Die zunehmenden Krankheitsfälle durch Rückenschmerzen und psychische Probleme erfordern ein Umdenken in der Arbeitswelt. Es liegt an Unternehmen und Mitarbeitern, gemeinsam an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu arbeiten, um gesundheitliche Risiken zu mindern und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu fördern.