In der Wesermarsch gibt es einen besorgniserregenden Trend: Zunehmende Schulabsentismusfälle bei Grundschulkindern machen den örtlichen Behörden Sorgen. Hauke Grzibek, ein Vertreter des Kreisjugendamtes, spricht von einer „schulischen Unlust“, die die Betroffenen betrifft. Um diesem Problem nachhaltig entgegenzuwirken, wurde das Präventionsprojekt „WeserMarschMallows“ ins Leben gerufen, das seit dem 1. April 2024 aktiv seine Schwingen ausbreitet.

Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule (KVHS) entwickelt wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, Eltern umfassend zu beraten. Denn vielen wird bewusst, dass Eltern oftmals maßgeblich für das Schulschwänzen ihrer Kinder verantwortlich sind. Doch der Ansatz geht darüber hinaus: Auch die aktive Mitarbeit der Kinder selbst ist gefragt, um eine Verhaltensänderung zu erreichen. Neben Sprechstunden in den Grundschulen werden auch individuelle Beratungen angeboten, um den Problemen der Schüler auf den Grund zu gehen und Fragen der Lehrkräfte zu klären.

Ein Blick auf die Zahlen

Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Nach drei Quartalen in diesem Jahr verzeichnete das Schulamt bereits 39 Schulversäumnismeldungen aus Grundschulen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 waren es 43 Meldungen. Die Dunkelziffer ist allerdings um ein Vielfaches höher, da offizielle Meldungen meist nur nach umfangreichen pädagogischen Bemühungen an das Schulamt erfolgen. Wie nwzonline.de berichtet, zeigt sich, dass die Gründe für den Absentismus oft in Loyalitätskonflikten bei alleinerziehenden Eltern, Defiziten in der Alltagsbewältigung sowie mangelnder Durchsetzungskraft liegen.

Ein weiteres Highlight des Projekts ist die enge Zusammenarbeit mit Schulen. Lehrer:innen erleben häufig Schwierigkeiten, eine Verbindung zu den betroffenen Schülern herzustellen. Hier setzt auch eine neue Handreichung an, die Fachkräfte darin unterstützen soll, Strategien für einen regelmäßigen Schulbesuch zu entwickeln. Diese Informationen stammen von der Koordinierungsstelle „Schulerfolg sichern“, die sich mit der pädagogischen Praxis befasst. dkjs.de liefert wertvolle Hinweise, um effektive Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu etablieren.

Schulverweigerung als Prozess

Das Thema Schulverweigerung wird ganzheitlich betrachtet, beginnend mit Phasen der Unlust und Leistungsverweigerung. Dies zeigt auch das seit 2015 laufende Projekt „WesermarschMallows“, das sich um ältere Schüler:innen von 12 bis 18 Jahren kümmert, die dem Unterricht häufig oder über längere Zeit fernbleiben. Unterstützungsangebote reichen hier von Beratungsgesprächen bis zu praktischen Projekten, die motivierend wirken sollen. Laut weser-kurier.de konnten bei einer Begleitung von 152 Schüler:innen über längere Zeit viele Stolpersteine überwunden werden.

Das Ziel der Schulabsentismusbekämpfung ist klar: Kinder sollen zurück in die Schule finden. Hierfür sind auch praktische Ansätze gefragt, wie etwa Sozialstunden in Altenheimen oder kreative Begleitungen zu wichtigen Terminen. Besondere Erfolge wurden etwa bei einem 15-jährigen Mädchen verzeichnet, das durch künstlerische Betätigung wieder den Weg in die Schule fand.

Um das Engagement der Lehrkräfte und die Schulgemeinde weiter zu stärken, plant man im kommenden Jahr eine Intensivierung der präventiven Maßnahmen. Ein zusätzlicher halber Arbeitsplatz für das Projekt wurde zudem vom Ausschuss einstimmig befürwortet, um die Unterstützung weiter auszubauen. Die Offensivmaßnahmen sollen auch in der breiten Bevölkerung mehr Bewusstsein für die Problematik schaffen und vor allem Eltern und Kinder motivieren, sich aktiv an Lösungen zu beteiligen. Denn klar ist: Hier liegt noch viel Arbeit an, um die Schulunlust besiegen zu können.