Die Zollpolitik der USA sorgt für Aufregung und Unsicherheit unter den Exporteuren, insbesondere in der EU. Die US-Regierung hat Untersuchungen zu den Zollpraktiken von Präsident Donald Trump eingeleitet, um festzustellen, ob strukturelle Überkapazitäten in Fertigungssektoren der EU und anderer Länder Nachteile für die US-Wirtschaft verursachen. Betroffen sind neben der EU auch Länder wie die Schweiz, Norwegen, China, Japan, Mexiko, Taiwan, Indien und weitere asiatische Staaten. Diese Untersuchung stützt sich auf einen Passus des Handelsgesetzes von 1974, der in der Vergangenheit bereits genutzt wurde, um Strafzölle gegen China zu verhängen. Interessanterweise hat der oberste Gerichtshof der USA Trump im Februar untersagt, Zölle per Erlass zu verhängen. Dies geschah, nachdem Trump seit Januar 2025 am US-Parlament vorbei Importgebühren auf Einfuhren verhängt hatte. Nach diesem Urteil kündigte Trump an, alternative Instrumente zur Durchsetzung seiner Zollpolitik nutzen zu wollen, und neue temporäre Zölle wurden in Aussicht gestellt. Öffentliche Anhörungen zur Prüfung sind für Mai geplant, und die Regierungen der betroffenen Länder sollen konsultiert werden. Konkrete Fertigungssektoren, die überprüft werden, wurden allerdings nicht genannt. Besonders auffällig ist der große Handelsüberschuss Deutschlands, der durch Exporte der Autoindustrie, Maschinenbau, pharmazeutischen Branche und Chemieindustrie bedingt ist. Für weitere Informationen zu den Hintergründen können Sie den Artikel hier lesen.
Neue Zollmaßnahmen und deren Auswirkungen
Die Zollpolitik Trumps hat sich zu einem zentralen Punkt seiner wirtschaftspolitischen Agenda im Wahlkampf 2024 entwickelt. Ab heute gilt ein neuer globaler Zoll von 15 Prozent auf Importe in die USA, der zunächst für 150 Tage in Kraft tritt. Danach entscheidet der US-Kongress über die Fortführung dieser Maßnahme. Swen Säckl, Geschäftsführer der Zollagentur ZKS Gera GmbH, berichtet von großer Unsicherheit bei den Unternehmen, die in die USA exportieren. Die EU fordert zudem Klarheit über die neuen Zollmaßnahmen und hat einen im Juli 2025 vereinbarten Zoll-Deal vorerst auf Eis gelegt. Politische Entscheidungen in den USA sind oft unberechenbar, was zusätzliche Kosten für Unternehmen verursacht. Es ist bemerkenswert, dass die Exporte in die USA im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent zurückgegangen sind, während sie im Dezember leicht angestiegen sind. Die Unsicherheit in den Handelsbeziehungen hat somit direkte Auswirkungen auf die Exportstrategien europäischer Unternehmen.
Deutschland bleibt jedoch eine der größten Handelsnationen weltweit, direkt hinter den USA und China. Die Dokumentation und das „Dokumentenhandling“ sind entscheidend für den internationalen Warenverkehr, und ZKS Gera wickelt die Export- und Importverzollung für etwa 100 Kunden ab. Säckl betont die Bedeutung eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Händlern und Dienstleistern. Drei Viertel der deutschen Unternehmen in den USA sehen die Zollpolitik als den wichtigsten Negativfaktor für ihr Geschäft. Ein weiterer Aspekt, der die Handelsbeziehungen belastet, ist der Dollarkurs, der im Vergleich zum Euro innerhalb eines Jahres mehr als zehn Prozent an Wert verloren hat, was die Exporte aus Europa erschwert.
Zukunftsausblick und bilaterale Handelsbeziehungen
Die politische Einigung zwischen Ursula von der Leyen und Donald J. Trump am 27. Juli 2025 über Zölle und Handel könnte einen Lichtblick darstellen. Ziel dieser Einigung ist es, den Marktzugang zu verbessern und Stabilität für Bürger und Unternehmen in der EU und den USA zu schaffen. Das Abkommen sichert den EU-Ausfuhren einen kontinuierlichen Zugang zum US-Markt und schützt Arbeitsplätze. Die Regulierungshoheit der EU bleibt unberührt, und sensible Bereiche wie Rindfleisch und Geflügel sind geschützt. Der bilaterale Handel hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und erreichte 2024 etwa 1,7 Billionen Euro, was ein tägliches Handelsvolumen von über 4,2 Milliarden Euro bedeutet.
Ab dem 1. August wird eine einheitliche Zoll-Obergrenze von 15 Prozent für die Mehrheit der EU-Ausfuhren gelten. Zudem werden US-Zölle auf EU-Flugzeuge, Chemikalien, Generika und natürliche Ressourcen auf das Niveau vor Januar zurückgesetzt. Diese Zollsenkungen könnten EU-Importeuren jährlich rund 5 Milliarden Euro sparen. Die EU plant auch, in den nächsten drei Jahren US-amerikanische Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden USD zu beschaffen und KI-Chips im Wert von 40 Milliarden Euro zu erwerben. Die politische Einigung ist zwar nicht rechtsverbindlich, jedoch sind weitere Verhandlungen zur Umsetzung geplant. Für eine detaillierte Übersicht über die Zoll- und Handelseinigung von EU und USA können Sie hier nachlesen.



