Eine spannende Entwicklung in Wilhelmshaven: Der AWO-Ortsverein hat vor kurzem vorgeschlagen, eine Straße nach der bedeutenden Frauenrechtlerin und Sozialreformerin Marie Juchacz zu benennen. Diese Initiative erwuchs aus einer Vereinsversammlung, in der sich auch die Zukunft des Ortsvereins beschäftigte. Norbert Legrand wurde einstimmig als Vorsitzender bestätigt, während Dieter Gehrken und Doris Tjarks mit einem informativen Vortrag über die Ursprünge der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die beeindruckende Lebensgeschichte von Juchacz in den Mittelpunkt der Diskussion rückten.

Marie Juchacz, geborene Gohlke, wurde am 15. März 1879 in Landsberg an der Warthe geboren und verstarb am 28. Januar 1956 in Düsseldorf. Sie war nicht nur ein wichtiges Mitglied der SPD, sondern auch eine Vorreiterin für die Rechte der Frauen. Als erste Frau hielt sie am 19. Februar 1919 eine Rede im Deutschen Reichstag – ein historischer Moment, der den Grundstein für ihren Ruf als Pionierin der Frauenbewegung legte. Die AWO wurde am 13. Dezember 1919 gegründet, und die Aktivitäten in Wilhelmshaven begannen bereits im Ersten Weltkrieg mit Initiativen wie Suppenküchen und Nähstuben, die jenen in Not halfen.

Soziale Herausforderungen und das Erbe von Juchacz

Die AWO bietet heute in Wilhelmshaven verschiedene soziale Einrichtungen an, darunter Kindergärten, ein Frauen- und Kinderschutzhaus sowie ambulant betreutes Wohnen. Besonders hervorzuheben sind die vier Familienzentren, die kreative und gesundheitsfördernde Angebote bereitstellen und die Familien von der Geburt bis zum Schuleintritt unterstützen. Juchacz selbst setzte sich zeitlebens für soziale Gerechtigkeit und Unterstützung von bedürftigen Familien ein – nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Wally Starzonek eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der sozialen Notlagen in der Region.

Marie Juchacz ist eine von vielen bemerkenswerten Frauen, die in Wilhelmshaven gewürdigt werden. Neben ihr sind Persönlichkeiten wie Pauline Ahlsdorff und Hedi Flitz zu nennen, die ebenso für ihr persönliches Engagement zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse in der Stadt bekannt sind. Straßennamen wie der „Mutter Euken Weg“ und der „Adele-Tiesler-Weg“ zeugen von dieser Tradition, indem sie die Leistungen von Frauen ehren, die sich für ihre Mitmenschen eingesetzt haben.

Juchaczs Vermächtnis und internationale Würdigung

Über die Stadtgrenzen hinaus wird Marie Juchacz heute als eine bedeutende Frauenrechtlerin verehrt. Schon 1969 wurde sie mit einer Briefmarke zum 50-jährigen Bestehen des Frauenwahlrechts gewürdigt. Verschiedene Städte, darunter auch Bonn und Berlin, haben Straßen und Plätze nach ihr benannt. In Idstein wurde kürzlich eine Kita nach ihr benannt, und 2020 fand eine Ausstellung unter dem Titel „Marie Juchacz – Die erste Frau am Rednerpult“ im Mitte Museum in Berlin statt.

Marie ist nicht nur ein Name, sondern auch ein Zeichen für Stärke und Entschlossenheit. Gerade durch das immer wiederkehrende Engagement von Frauen, die diesen Namen tragen, spiegelt sich der Gedanke der Solidarität und der sozialen Verantwortung wider. Die Bedeutung des Namens Marie zeigt sich in vielen Kulturen und in verschiedenen zeitgeschichtlichen Kontexten. Er steht für starke Persönlichkeiten, wie auch die gebürtige Landsbergerin, die als eine der ersten Frauen die Bühne der Politik eroberte.

Insgesamt steht die vorgeschlagene Straßenbenennung für eine Wertschätzung von Geschichte und sozialen Engagement – Themen, die in Wilhelmshaven einen besonderen Stellenwert haben. Die Gesellschaft bleibt gespannt, wie sich dieser Vorschlag weiterentwickeln wird und welche Akzente man in Zukunft setzen kann.