In Wolfsburg stehen die Uhren still: Nach 80 erfolgreichen Jahren wird der Traditionsbetrieb Uhren Keiser im Frühjahr 2026 schließen. Der Betrieb, der 1951 eröffnet wurde und sich seit 1958 in der Porschestraße befindet, hat mit einem dramatischen Rückgang der Kundenzahl um 50 Prozent zu kämpfen. „Das belastet meine Mutter sehr“, erzählt Velten Keiser über die emotionalen Herausforderungen, die seine 87-jährige Mutter, Brunhilde Keiser, durch die Schließung bewältigen muss. Der letzte Standort der Familie in Wolfsburg wird damit das Aus für ein Erbe bedeuten, das auch in Braunschweig, Hannover und Hildesheim bereits verschwand.

Als Grund für die Entscheidung wird unter anderem die VW-Krise genannt. In den letzten Monaten hat die Automobilbranche erheblichen Druck erlebt, und die Auswirkungen sind auch in der Einzelhandelslandschaft zu spüren. Wie Deutschlandfunk berichtet, befindet sich der Volkswagen-Konzern derzeit in einer tiefen Krise, was zu Unsicherheit über die Arbeitsplatzsituation und potenziellen Werksschließungen führt. Volkswagens erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Benner, äußert sich besorgt über die wirtschaftlichen Perspektiven und betont die Bedeutung stabiler Arbeitsplätze. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen stehen im Raum, wobei die Fabrikstandorte zunehmend unter Druck geraten.

Rückläufige Verkaufszahlen und steigender Druck

Der Abwärtstrend in der Pkw-Nachfrage hat auch die Wolfsburger Uhrengeschäfte hart getroffen. Auch die Porschestraße verliert an Attraktivität, während der Volkswagen-Konzern nicht nur mit internen Umstrukturierungen, sondern auch mit externem Wettbewerbsdruck zu kämpfen hat. Laut Tagesschau stehen mindestens drei VW-Werke auf der Kippe, was die Lage erheblich verschärft. Trotz eines Rekordumsatzes von rund 332,3 Milliarden Euro im Jahr 2023 hat der Konzern gegen den Abwärtstrend anzukämpfen, während Experten Kostensenkungen fordern, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

Die Infrastruktur für die Automobilproduktion wird sich verändern, vor allem da die Nachfrage nach E-Mobilität weiter zunimmt. Doch die Transformation bei Volkswagen kommt nur schleppend voran. Um konkurrenzfähig zu bleiben, wird auch eine breite Diskussion über Einsparungen in den oberen Führungsebenen und bei den Dividenden angestoßen. Bundeskanzler Olaf Scholz hebt die Dringlichkeit hervor, Arbeitsplätze zu erhalten und zu sichern.

Zukunft ohne Uhren Keiser

Die Hintergründe für die Schließung von Uhren Keiser sind somit mehrdimensional. Die Kundenfrequenz und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Einzelhandel sind entscheidend und spiegeln die Unsicherheiten wider, die auch in der Automobilindustrie vorherrschen. Nun plant die Familie Keiser, neue Wege nach dem Arbeitsleben zu beschreiten, während sich die Industrie um eine Lösung für die Herausforderungen bemüht, die der Strukturwandel mit sich bringt.

In dieser unsicheren Zeit kämpft nicht nur die Familie Keiser um ihre Zukunft, sondern auch die Volkswagen-Mitarbeiter stehen vor großen Herausforderungen. Die Folgen dieser Entwicklungen werden sowohl die Arbeitnehmer als auch die Einzelhändler in Wolfsburg und darüber hinaus tiefgreifend betreffen.