Die traditionsreiche Uhrmacherfamilie Keiser in Wolfsburg steht vor einem schmerzhaften Abschied. Nach mehr als 80 Jahren schließt das Geschäft, das 1951 von Hasso Keiser gegründet wurde. Am 25. November 2025 wurde bekannt, dass die Schließung im Frühjahr 2026 erfolgen wird, was für die Familie eine emotionale Belastung darstellt, insbesondere für Brunhilde Keiser, die mit 87 Jahren auf eine bewegte Geschichte zurückblickt. Ihr Sohn Velten beschreibt, wie schwer der Abschied für die gesamte Familie ist.
Uhren Keiser, einst bekannt für seine Uhrenreparaturen und den Verkauf von Uhren, hat in den letzten Jahren und besonders seit dem Rückgang der Kundenzahlen um 50 Prozent, schwere Zeiten durchlebt. Die Filiale in Wolfsburg, die einzige verbliebene der Familie, sah sich mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, darunter die Auswirkungen der VW-Krise und der Verlust der Attraktivität der Porschestraße. Zuvor hatte die Familie bereits Geschäfte in Braunschweig, Hannover und Hildesheim schließen müssen. Der Sohn zeigt sich besorgt über die Zukunft: „Wir müssen neue Wege finden, um nach dem Arbeitsleben weiterzumachen.“
Eine bewegte Geschichte
Die Wurzeln von Uhren Keiser reichen tief in die Geschichte der Nachkriegszeit zurück. Brunhilde erzählt mit Stolz von der unternehmerischen Vision ihres Mannes Hasso Keiser, der es nach dem Zweiten Weltkrieg wagte, ein Geschäft in der Uhrenstadt Wolfsburg zu eröffnen. Zeiten waren hart, und die Beschaffung von Uhren stellte eine Herausforderung dar, weshalb Hasso nach Pforzheim reiste, um halbfertige Uhrwerke zu besorgen. Nach viel Mühe und dem Tausch gegen Zucker und Zigaretten gelang es ihm, fertigzustellen, was einst nur eine Idee war.
Im Jahr 1951 eröffnete er das Geschäft im Schachtweg und erweiterte im Verlauf die Produktpalette um Trauringe und Schmuck. Damit schuf er nicht nur einen Ort, an dem Zeit gemessen werden konnte, sondern auch Erinnerungen und Emotionen. Die Geschichte der Familie spiegelt sich also nicht nur in den Uhren, sondern auch in den zahlreichen Bertörungen und Anlässen wider, die hier ihren Ursprung fanden.
Die Herausforderungen der Branche
Die Schwierigkeiten, die Uhren Keiser erlebte, sind kein Einzelfall. Die gesamte Branche ist von Krisen betroffen. Wie in der NZZ beschrieben, hat die Schweizer Uhrenindustrie, eine der wichtigsten Uhrenproduzenten weltweit, eine lange Geschichte von Krisen zu erdulden. Von der Quarzkrise in den 1970er Jahren über die Finanzkrisen bis hin zu den jüngsten Herausforderungen durch die Pandemie zeigt sich, dass auch alteingesessene Unternehmen nicht immer gewappnet sind.
Der Rückgang der Kunden in Wolfsburg ist symptomatisch für eine Branche, die sich wandelt. Die Auftritte von Booten und die Konkurrenz durch Online-Anbieter stellen traditionelle Geschäfte vor massive Herausforderungen. Wie viele gelungenen Comebacks der Branche bleibt die Frage offen, ob auch Uhren Keiser davon betroffen ist.
Die Schließung des Geschäfts in Wolfsburg ist mehr als nur das Ende eines Unternehmens; sie ist der Abschluss eines Kapitels in der Geschichte der Uhrenindustrie der Region. Die Keisers blicken nun nach vorne und suchen nach neuen Möglichkeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und gleichzeitig die Familientradition im Gedächtnis zu bewahren.
Besuchen Sie die offizielle Seite von Uhren Keiser für weitere Informationen über das Unternehmen und seine bewegte Geschichte.