Im Herzen Niedersachsens braut sich ein Sturm zusammen, und gleich mehrere Kommunen stehen auf der Barrikade gegen die Zensus-Daten des Landesamts für Statistik. Wie NDR berichtet, haben 62 Gemeinden Klage eingereicht, angefeuert von der Sorge, dass beim Zensus 2022 teils wesentlich weniger Einwohner erfasst wurden als in den offiziellen Melderegistern gelistet. Diese Abweichungen könnten gravierende Folgen für die politische Planung und die damit verbundenen finanziellen Mittel haben, insbesondere für den Bau von Schulen und Kindertagesstätten.

Ein prominentes Beispiel ist die Stadt Norderney im Landkreis Aurich. Während das Melderegister hier 6.138 Einwohner verzeichnet, kommt der Zensus lediglich auf 5.367 Bewohner – das sind etwa 13% weniger. Bürgermeister Frank Ulrichs schlägt Alarm und warnt vor drohenden finanziellen Einbußen, die aus der falschen Einwohnerzahl resultieren könnten. Die Methodik des Zensus wird von der Stadtverwaltung sowohl als fragwürdig als auch als mangelhaft kritisiert. Vor allem die hohe Stichprobenquote und fehlende Qualitätskontrollen stehen im Fokus der Kritik.

Wie viel Gewicht die Zahlen haben

Die Zensus-Daten sind für viele Kommunen von großer Bedeutung, denn sie beeinflussen nicht nur die Verteilung von Finanzmitteln, sondern auch die Gestaltung des lokalen Lebens. Wie das Statistik Niedersachsen klarstellt, gibt die ermittelte Bevölkerung Auskunft über Geburten, Sterbefälle sowie Zu- und Fortzüge, die von den kommunalen Standesämtern gemeldet werden. Diese Daten sind der Schlüssel zur Fortschreibung der Bevölkerung, die sich an der Basis des Zensus 2011 orientiert und nun auf die Datenbasis des Zensus 2022 umgestellt wird.

Am 15. Mai 2022 lebten in Niedersachsen sogar 2,1% oder 171.104 Personen weniger als ursprünglich erwartet. Um daher diese Ungenauigkeiten zu beheben, ist eine regelmäßige Neujustierung durch Zensus notwendig. Zahlreiche Gemeinden im Land, darunter auch Norderney und Juist, erleben jedoch gerade die Realität eines Zensus, der einige Einwohner nicht erfasst hat, wie die zugehörigen Kritikpunkte verdeutlichen.

Ein Blick auf die Zahlen

Trotz der Beschwerden bleibt das Landesamt für Statistik dabei, dass die Methodik des Zensus 2022 wissenschaftlich geprüft ist. Und der Blick auf die Daten zeigt, dass 754 Kommunen in Niedersachsen niedrigere Zensuszahlen haben, während 177 höhere und in 10 Gemeinden kein Unterschied festgestellt wurde. Insbesondere in Ferienregionen gibt es oft signifikante Lücken zwischen den Zensus- und den Meldedaten.

  • Norderney: Melderegister 6.138, Zensus 5.367 (-13%)
  • Juist: 27% der Einwohner sollen nicht mehr dort leben.
  • Spiekeroog: Minus von 25% bei rund 800 Einwohnern.
  • Hannover: Abweichung von 5%, was zu weniger Fördermitteln führt.

Die potenziellen finanziellen Rückzahlungen für Niedersachsen belaufen sich auf Millionenhöhe. Das könnte für zahlreiche Gemeinden eine echte Finanzfalle darstellen. Kaltmieten sind an den Küsten und auf den Ostfriesischen Inseln hoch im Kurs, während sie im Süden des Bundeslandes deutlich niedriger sind.

Um die als kontrovers eingeschätzten Zahlen zu verstehen, sind umfassende Daten und Analysen unerlässlich. Laut Destatis stehen dafür regionalisierte Tabellen und verschiedene Datensätze zur Verfügung, die nicht nur Bevölkerungszahlen, sondern auch demografische Informationen, Haushaltausprägungen sowie die Nutzung von Wohnungen thematisieren. Damit können sich Kommunen und Interessierte ein genaues Bild der Situation machen.

Wie sich diese aktuelle Lage weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Eines steht jedoch fest: Der Zensus und die Fragen rund um die erfassten Zahlen werden noch einige Wellen schlagen.