In Aachen wird ein neues Wohnheim für Auszubildende entwickelt, das auf die Bedürfnisse junger Menschen zugeschnitten ist. Dennis Mathy, ein Auszubildender im zweiten Lehrjahr, hat bereits eine Musterwohnung in dem Neubau besichtigt, der sich direkt gegenüber vom Aachener Hauptbahnhof befindet. Obwohl die Wohnung noch nicht ganz fertiggestellt ist, erfüllt sie bereits alle Ansprüche von Mathy. Er pendelt aus Übach-Palenberg nach Aachen, was aufgrund von Zugausfällen und fehlenden Ersatzbussen oft eine Herausforderung darstellt. Viele andere Auszubildende haben ähnliche Probleme, da sie aus der benachbarten Städteregion sowie aus Düren und Mönchengladbach nach Aachen reisen.
In Aachen gibt es zwar spezielle Wohnheime für Studenten, jedoch nicht für Auszubildende. Um dieses Wohnproblem anzugehen, haben die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ein Ausbildungswerk gegründet. Der DGB vermutet, dass hohe Wohnkosten viele potenzielle Bewerber von Ausbildungsplätzen in Aachen abhalten. Das geplante Azubi-Wohnheim wird 112 Wohnplätze bieten, wobei die monatliche Miete 375 Euro inklusive Strom und Nebenkosten beträgt. Die Musterwohnung hat eine Größe von 23 Quadratmetern und besteht aus einem Wohn- und Schlafraum, einem Bad mit Dusche sowie einer Küchenzeile. Im Erdgeschoss des Wohnheims wird ein großer Gemeinschaftsraum eingerichtet, der den Austausch unter den Auszubildenden fördern soll.
Einzug und Bedingungen
Die Voraussetzungen für den Einzug in das neue Wohnheim sind klar: Interessierte müssen einen Ausbildungsvertrag in Aachen vorweisen und schuldenfrei sein. Die Bewerbungsfrist endet Ende Februar, und Auszubildende werden bei der Vergabe der Wohnplätze bevorzugt. Zudem wird es auch Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein sowie teurere Wohnungen für den freien Markt geben. Angesichts des hohen Bedarfs plant der Anbieter Gewoge, weitere Azubi-Wohnheime zu errichten. Die ersten Mieter sollen bereits im April einziehen.
Unterstützungsangebote für Auszubildende
Das Wohnen in einem solchen Heim bietet nicht nur Unterkunft, sondern auch zahlreiche unterstützende Dienstleistungen. Die Einrichtungen helfen bei der Gestaltung eines individuellen Zuhauses und fördern die persönliche Entwicklung der Auszubildenden. Dazu gehört die Unterstützung bei der Freizeitgestaltung sowie die Begleitung beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Auch die Kontaktpflege zu Familie, Schule und Ausbildungsbetrieb wird gefördert. Außerdem erhalten die Bewohner Tipps für den sicheren Umgang mit Geld und werden bei administrativen Angelegenheiten mit Behörden unterstützt. Hilfsangebote wie Beratung, Therapie und ärztliche Unterstützung stehen ebenfalls zur Verfügung, um die jungen Menschen bestmöglich auf ihrem Weg ins Berufsleben zu begleiten. Diese umfassenden Angebote sind Teil der Philosophie, Auszubildenden ein selbstständiges Leben zu ermöglichen und ihre persönlichen Fähigkeiten zu fördern.
Rechtliche Grundlagen und Finanzierung
Die rechtlichen Grundlagen für solche Wohnangebote sind im §13 (3) SGB VIII der Kinder- und Jugendhilfe verankert. Die Finanzierungsmöglichkeiten für Wohnheimplätze sind vielfältig: Auszubildende im dualen System können Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen, während Berufsfachschülerinnen Zuschüsse nach dem Berufsausbildungsförderungsgesetz (BaföG) erhalten können. Weitere Unterstützungsmöglichkeiten bestehen über die Sozialgesetzbücher II, III und VIII. Für Blockschülerinnen gibt es in einigen Bundesländern zusätzliche Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung sowie sozialpädagogische Begleitung. Der Verband der Kolpinghäuser e.V. bietet umfangreiche Beratung zu diesen Finanzierungsmöglichkeiten an.
Für viele junge Menschen, die während ihrer Ausbildung nicht zu Hause wohnen können, stellen solche Wohnheime eine wichtige Stütze dar. Sie sind in der Regel offen für alle, unabhängig von Nationalität und Religion, und bieten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch eine Gemeinschaft, die den Übergang ins Berufsleben erleichtert. Weitere Informationen zu den Wohnmöglichkeiten und Unterstützungsangeboten finden Sie auf den entsprechenden Webseiten des [DGB](WDR) und [Kolping](Kolping Azubi Wohnen).
Diese neuen Wohnmöglichkeiten in Aachen sind ein vielversprechender Schritt zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Auszubildende und könnten dazu beitragen, den Fachkräftemangel in der Region zu lindern.