Im kommenden Jahr wird es im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) auch in Aachen und der gesamten Region Nordrhein-Westfalen teurer. Ein Blick auf die anstehenden Änderungen zeigt, dass die Ticketpreise zum Jahreswechsel 2025/2026 nicht nur in Aachen, sondern auch in vielen anderen Verbünden anziehen werden. Laut einem Bericht von t-online wird der Aachener Verkehrsverbund (AVV) am 1. Januar 2026 die Ticketpreise um durchschnittlich 1,9 Prozent erhöhen. Zuvor beschloss der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) bereits eine starkere Preiserhöhung von durchschnittlich 4,9 Prozent.
Die Gründe für die Erhöhung liegen auf der Hand: Steigende Kosten für Personal, Energie und die notwendige Transformation zu nachhaltigeren Antriebstechnologien treiben die Preise in die Höhe. Im Falle des Aachener Verkehrsverbunds stehen den Verantwortlichen weniger gravierende Anpassungen bevor, da einige Verkehrsunternehmen im Westfalentarif auf die Preiserhöhung verzichten. Hier werden nur unverzichtbare Anpassungen vorgenommen, womit Schlimmeres zunächst abgewendet scheint. Im Westfalentarif-Gebiet müssen die Fahrgäste jedoch dennoch mit gleich zwei Preiserhöhungen innerhalb kurzer Zeit rechnen, nachdem im August 2025 bereits eine Erhöhung um 5,29 Prozent stattfand.
Was bringen die neuen Preise?
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das Deutschlandticket, ein beliebtes Angebot für Vielfahrer, zum 1. Januar 2026 von 58 auf 63 Euro pro Monat steigen wird. Dies bedeutet eine signifikante Belastung für die Nutzer, die auf diesen Tarif angewiesen sind. Und das gilt nicht nur für Aachen; der gesamte Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und die meisten anderen großen Verkehrsverbünde in Deutschland passen ihre Preise an, wobei die Gründe für diese Erhöhungen nahezu identisch sind. So wird im VBB eine Preiserhöhung von cirka 6 Prozent erwartet, was die Einzelfahrt innerhalb des S-Bahn-Rings auf 4 Euro anhebt, während der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) bereits im August 2025 um zwischen 5 und 6 Prozent angepasst hat.
Spannend wird die Reform zum 1. Juni 2026: AVV und VRS setzen eine gemeinsame Tarifreform um, die die Tarifgrenze zwischen Köln und Aachen aufhebt. Die Preisstufen sollen dabei von zehn (VRS) und sechs (AVV) auf zunächst fünf reduziert werden. Zum 1. Juni 2028 ist sogar eine weitere Reduzierung auf vier Preisstufen geplant. Dies wird die Fahrgäste in der Region ansprechen, dennoch sind die anstehenden Erhöhungen ein starkes Argument, über alternative Mobilitätslösungen nachzudenken.
Ein Trend, der sich fortsetzt
Die steigenden Ticketpreise im ÖPNV sind nicht nur ein Phänomen in Aachen oder Nordrhein-Westfalen. Laut Tagesschau haben viele Verkehrsverbünde in Deutschland bereits Anpassungen vorgenommen oder planen diese zum 1. Januar 2026. So ist beispielsweise im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen eine Preiserhöhung um 5,1 Prozent in Aussicht. Viele Unternehmen kämpfen mit denselben Herausforderungen: hohe Kosten bei Personal, Energiebeschaffung und Infrastruktur. Das Deutschlandticket hat dazu geführt, dass Einnahmen aus regionalen Monatskarten teilweise weggefallen sind, was den Druck auf die Unternehmen verstärkt.
In einer Zeit, in der der öffentliche Nahverkehr gefragter denn je ist, stellt sich die Frage, ob diese Preiserhöhungen wirklich zu einer Verbesserung des Angebots führen werden. Experten fordern, dass die Finanzierung des ÖPNV langfristig gesichert werden muss, um nicht nur Preiserhöhungen, sondern auch eine Ausweitung der Angebote zu gewährleisten. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hebt hervor, dass es zur Modernisierung des ÖPNV bis 2040 jährlich zusätzliche Mittel in Höhe von 1,44 Milliarden Euro braucht. Der Ball liegt somit bei den politischen Entscheidungsträgern, die Weichen für eine zukunftssichere Mobilität zu stellen.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie Fahrgäste auf die Erhöhungen reagieren. Ob die Umstellung auf nachhaltige Antriebe und die Anpassung der Tarife tatsächlich für mehr Nutzer und eine verbesserte Infrastruktur sorgen, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch, dass sich hier was anbahnt – und nicht nur in Aachen.