Am Montagabend, dem 2. März 2026, kam es in Aachen zu einem massiven Stromausfall, der die Kommunalverwaltungen in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens lahmlegte. Besonders betroffen sind die Städte Bielefeld und Gütersloh sowie die umliegenden Kommunen im Kreis Gütersloh. Laut Berichten müssen zahlreiche vereinbarte Termine von Bürgern bei den Behörden ausfallen, da die digitale Erreichbarkeit stark eingeschränkt ist. Die Ursache für diese Störung liegt bei „regio IT“, dem größten kommunalen IT-Dienstleister in NRW, dessen Hauptsitz sich in Aachen befindet und der auch Niederlassungen in Gütersloh und Siegburg hat. Die Stadt Gütersloh meldete, dass sie seit den Morgenstunden per E-Mail nicht erreichbar sei und alle digitalen Dienste stark eingeschränkt sind.
In Bielefeld sind besonders die Bürgerberatungen, die Führerscheinstelle, das Fundbüro sowie das Serviceportal betroffen. Auch in Harsewinkel, wo das Klärwerk, Wasserwerk, Bauhof und die Schulen betroffen sind, sind alle Stellen mit Kundenkontakt nicht erreichbar. Die Störung hat sich so gravierend ausgewirkt, dass „regio IT“ davon ausgeht, dass heute kein produktiver Betrieb mehr möglich sein wird. Ein weiterer Blick auf die Situation zeigt, dass die Auswirkungen des Stromausfalls auch in weiteren Regionen zu spüren sind.
Umfang der Störungen
Zusätzlich zu den bereits genannten Städten sind auch viele andere Regionen betroffen, darunter Düren, die Städteregion Aachen, Erkelenz, Eschweiler, Heinsberg, Euskirchen, Teile des Bergischen Landes, sowie Wuppertal, Remscheid, Solingen, Oberhausen, Duisburg, Gelsenkirchen und der Hochsauerlandkreis. In Wuppertal gibt es Einschränkungen beim städtischen Bürgerservice, insbesondere im Serviceportal. In Duisburg fallen rund 1000 Termine beim Bürgerservice aus, während in Gelsenkirchen keine Anmeldung mit der BundID im Serviceportal möglich ist. Auch in Bonn sind die Bürger mit zeitverzögerten E-Mail-Antworten konfrontiert, während die Kfz-Zulassungs- und Führerscheinstellen im Dienstleistungszentrum nicht bearbeitet werden können.
Die Stadtverwaltung von Bad Honnef kann diverse Anwendungen nicht bereitstellen, und auch im Hochsauerlandkreis sind die Kfz-Zulassungs- und Führerscheinstellen lahmgelegt. Die Bürger werden gebeten, ihre Termine nicht wahrzunehmen, und Ersatztermine werden vorbereitet. Diese weitreichenden Störungen verdeutlichen die Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung von funktionierenden IT-Systemen und der Stromversorgung.
Relevanz von IT-Krisenmanagement
In Anbetracht solcher Vorfälle gewinnt das Thema IT-Krisenmanagement zunehmend an Bedeutung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben einen Wegweiser mit dem Titel „Kommunale IT-Krisen: Handlungsfähigkeit sichern“ erstellt. Dieser Wegweiser soll Kommunen helfen, Cyberangriffe und IT-Krisen effektiv zu bewältigen. Die Herausforderung, die Cyberangriffe für die öffentliche Verwaltung darstellen, erfordert eine wirksame Vorsorge und ein schnelles Handeln im Krisenfall.
Der Wegweiser bietet wertvolle Hinweise zur Bewältigung von Cyberangriffen auf kommunale Informationssysteme sowie zur Wiederherstellung der IT-Infrastruktur. Voraussetzungen für eine zügige Umsetzung von Akutmaßnahmen sind geschulte Mitarbeiter, vorgedachte interne Strukturen und externe Hilfen von anderen Behörden oder privaten Dienstleistern. Ein fiktives Szenario eines Ransomware-Angriffs wird als roter Faden verwendet, um die Prozesse verständlicher zu machen. Die Veröffentlichung der Handreichung in Printform ist in den nächsten Wochen über die Webseite des BBK geplant.
Die aktuelle Situation in Nordrhein-Westfalen verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich auf IT-Krisen vorzubereiten und entsprechende Maßnahmen zu implementieren. Nur so kann die Handlungsfähigkeit der Kommunen in Zeiten von Störungen und Ausfällen sichergestellt werden. Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen finden Sie in den Berichten von NW.de und WDR.de.





