Am 15. Februar 2026 feierte das Schauspielhaus Bochum die Premiere des Stücks „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“, geschrieben vom portugiesischen Autor Tiago Rodrigues. Die Inszenierung, die bereits in anderen Ländern für Diskussionen sorgte, thematisiert die Erschießung eines Faschisten anlässlich des Jahrestages der Ermordung der Landarbeiterin Catarina Eufémia im Jahr 1954. Die Handlung dreht sich um die Figur Sara, die den Politiker Romeu töten soll, während das Stück mit einem radikalen Monolog endet, in dem rechtsextreme Ansichten geäußert werden.
Die Premiere wurde jedoch von tumultartigen Szenen überschattet. Während der deutschsprachigen Erstaufführung stürmten zwei Zuschauer die Bühne und griffen den Schauspieler Ole Lagerpusch an. Laut einem Sprecher des Schauspielhauses wurde es „handgreiflich“, was in der Geschichte des Theaters bisher nicht vorgekommen war. Trotz der angespannten Situation blieb der Schauspieler unverletzt, während ein Kollege eingriff, um die Situation zu beruhigen. Das Publikum reagierte mit Buhrufen, Pfiffen und sogar verbalem Protest, wobei eine Zuschauerin eine Orange auf die Bühne warf.
Ein Stück kontroverser Debatten
Die Inszenierung, unter der Regie von Mateja Koležnik, wurde als psychologisches Kammerspiel beschrieben und zeigt ein Bühnenbild von Raimund Orfeo Voigt, das hohe Boxen mit drehbaren Wänden umfasst. Die Kostüme erinnern an eine religiöse Sekte und tragen zur verstörenden Atmosphäre bei. Dramaturgin Angela Obst appellierte an das Publikum, respektvoll mit dem Schauspieler umzugehen, da es sich um eine Theateraufführung handelt, die wichtige gesellschaftliche Fragen aufwirft. Die Dauer der Vorstellung betrug 1 Stunde und 45 Minuten, ohne Pause.
Das Stück behandelt Themen wie Selbstzweifel und die Frage, ob Gewalt ein legitimes Mittel zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie ist. Die starke Publikumsreaktion und die darauf folgenden Debatten zeigen, dass „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ mehr ist als nur ein Stück – es ist ein politisches Theater, das die Zuschauer herausfordert und provoziert. Kritiker beschreiben die Premiere als Fiasko, das in die Geschichte des Bochumer Theaters eingehen wird.
Fiktion und Realität im Theater
Die Diskussion über die Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität wurde durch die Ereignisse während der Aufführung weiter angeheizt. Der Monolog, den Ole Lagerpusch bis zum Ende hielt, endete mit den Worten: „Die Zukunft gehört uns.“ Diese provokanten Aussagen führen zu einer tiefen Reflexion darüber, wie Theater das Publikum beeinflussen kann und welche Verantwortung die Künstler dabei tragen. Die Verbindung von Kunst und politischer Botschaft ist ein schmaler Grat, der in dieser Inszenierung auf eindrucksvolle Weise thematisiert wird.
Die Ereignisse in Bochum werfen ein Schlaglicht auf die Relevanz von politischem Theater in der heutigen Gesellschaft und die oft leidenschaftlichen Reaktionen, die solche Werke hervorrufen können. Der Vorfall hat nicht nur für Aufregung gesorgt, sondern auch für eine notwendige Diskussion über die Grenzen der Kunst und die Rolle des Publikums in der Theaterlandschaft.
Für weitere Informationen zu den Hintergründen und der Rezeption des Stücks, besuchen Sie bitte die vollständigen Berichte auf Bild.de und nachtkritik.de.





