Kostenlose Stadtführung: Fußballgeschichte und Erinnerungskultur in Bochum!
Am 18. Oktober bietet Bochum eine kostenlose Stadtführung zur Fußballgeschichte und Erinnerungskultur an, Treffpunkt Rathaus.

Kostenlose Stadtführung: Fußballgeschichte und Erinnerungskultur in Bochum!
In Bochum wird zur Erinnerung an die dunklen Kapitel der NS-Zeit eine besondere Stadtführung angeboten. Unter dem Titel „1938, nur damit es jeder weiß“ laden Bochum Marketing und das Fanprojekt Bochum am Samstag, dem 18. Oktober, zu einer kostenlosen Führung ein. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Bochumer Rathaus (Willy-Brandt-Platz). Die zweistündige Tour führt die Teilnehmer durch historische Orte, die mit der Fußballgeschichte der Region und dem Schicksal jüdischer Sportler verknüpft sind. Dabei wird die Rolle des Sports in der NS-Zeit beleuchtet – ein Thema, das in der Öffentlichkeit weiterhin relevant ist.
Die Stadtführung steht im Kontext der 10. „Fußballkulturtage NRW“ und ist für alle Interessierten zugänglich, insbesondere für Fans, die sich für die Fußballgeschichte Bochums sowie für die Erinnerungskultur einsetzen möchten. Florian Kovatsch vom Fanprojekt Bochum wird die Gruppe leiten und an mehreren Stationen, darunter der Dr.-Ruer-Platz und die Stolpersteine der Familie Gottschalk, wertvolle Einblicke geben.
Erinnerung an Erich Gottschalk
Die Tour baut auf einer früheren Initiative auf, die sich mit dem Leben des jüdischen Fußballspielers Erich Gottschalk befasst. Gottschalk, der in den 1930er Jahren fußballerisch aktiv war, spielte in seiner Jugend beim TuS Bochum, bevor er 1925 zum TuS Hakoah wechselte. 1933 wurde der Verein in Schild Bochum umbenannt, und Gottschalk führte die Mannschaft bei der letzten Deutschen Meisterschaft 1938 als Kapitän. Sein Schicksal ist eng verbunden mit der antisemitischen Verfolgung, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten einsetzte.
Im Rahmen der Stadtführung wird das Bewusstsein für die Diskriminierung von Juden im Sport geschärft. Nach der Einführung von Gesetzen wie dem Arierparagraphen, der am 7. April 1933 erlassen wurde, war die Teilnahme von Juden im deutschen Sport stark eingeschränkt. In vielen Vereinen wurden jüdische Mitglieder ausgeschlossen. Die Olympischen Spiele 1936 wurden von den Nationalsozialisten als Propagandainstrument genutzt, um eine vermeintliche nationale Stärke zu demonstrieren, während gleichzeitig jüdischer Sport und Fußball, wie bei Gottschalk, brutal unterdrückt wurde.
Veranstaltungsdetails und Anmeldung
Die Teilnahme an der Stadtführung ist kostenlos, allerdings sind die Plätze begrenzt. Nur 20 Plätze stehen zur Verfügung, weshalb eine Anmeldung notwendig ist. Interessierte sollten ihre Daten, einschließlich Namen, gewünschter Kartenzahl und Mobilnummer, per E-Mail an buchungen(at)bochum-tourismus.de übermitteln. Die Führung endet gegen 19 Uhr am Ruhrstadion, wo im Anschluss das Spiel des VfL Bochum gegen Hertha BSC Berlin angepfiffen wird.
Ein solches Engagement ist wichtig, um historische Ereignisse sichtbar zu machen und den Zusammenhang zwischen Erinnerungskultur und Sportgeschichte erlebbar zu machen. „Dein Fußball-Wochenende in Bochum“, das Anfang 2024 ins Leben gerufen wurde, spricht dabei ein breites Publikum an. Ob Heim- oder Gästefans, junge Erwachsene oder Familien – alle sind eingeladen, mehr über die Vergangenheit zu erfahren und aktiv an der Gestaltung der Erinnerungskultur teilzunehmen.
Für weitere Informationen zu kulturellen Veranstaltungen rund um die Heimspiele des VfL Bochum können Interessierte die Website des Bochum Tourismus besuchen: www.bochum-tourismus.de/fussball-wochenende.
Diese Initiative macht einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen und den Dialog über Themen wie die Rolle des Sports im Nationalsozialismus offen zu führen. Nur so kann das Andenken an Opfer wie Erich Gottschalk lebendig gehalten werden.