Die traditionsreiche Parfümeriekette Pieper, die 1931 in Bochum als Seifengeschäft gegründet wurde, steht vor einer großen Herausforderung: Das Unternehmen hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Wie lokalkompass.de berichtet, hat das Amtsgericht der Insolvenz bereits zugestimmt. Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb weiterhin aufrechtzuerhalten und das Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln.
Die Anzeichen für die Herausforderungen waren bereits da. Im vergangenen Geschäftsjahr 2021/22 erwirtschaftete Pieper einen Umsatz von 113,7 Millionen Euro. Für das Jahr 2023/24 wird eine Prognose von 123,1 Millionen Euro erwartet, die sich jedoch je nach Sanierungskurs ändern könnte. Auch wenn die Löhne und Gehälter der rund 900 Mitarbeitenden zunächst durch das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert sind, bleibt abzuwarten, ob es zu Stellenstreichungen oder Filialschließungen kommen wird. WDR berichtet, dass Pieper in über 140 Filialen, vorwiegend im Ruhrgebiet, vertreten ist und mehr als 1.000 Menschen beschäftigt.
Sanierung in Eigenverwaltung
Die Besonderheit der Insolvenz in Eigenverwaltung ist, dass das verantwortliche Management, in diesem Fall Geschäftsführer Oliver Pieper, weiterhin die Kontrolle über das Unternehmen behält. Dieser Schritt soll dem Unternehmen helfen, sich in der aktuellen Krisensituation zu stabilisieren und neu auszurichten. Pieper betont, dass diese Art der Sanierung die Möglichkeit biete, unter vollem operativen Einfluss künftige Strategien zu entwickeln, was für die Belegschaft Hoffnung macht.
Mit der laufenden Eigenverwaltung soll es Petrischalen für den Geschäftsalltag geben: Die Kundinnen und Kunden können weiterhin wie gewohnt im stationären Handel sowie im Online-Shop einkaufen. Dies wird als essentiell angesehen, um den Betrieb während der Krise aufrechtzuerhalten.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Insolvenzen von etablierten Unternehmen sind kein Einzelfall. Laut IWH treten häufig im Jahr vor einer Insolvenz signifikante Beschäftigungsreduktionen auf. Galten die vergangenen Jahre als stabil, zeigen aktuelle Daten, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, sich im Wettbewerb zu behaupten. Die Pieper Parfümerien scheinen nun in dieser herausfordernden Lage gefangen zu sein, auch wenn die Hoffnung auf eine Wende durch die Eigenverwaltung besteht.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Ob es Pieper gelingt, sich erfolgreich zu stabilisieren und ob die angestrebten Ziele erreicht werden können, bleibt abzuwarten. Die Mitarbeitenden sowie die Kundschaft drücken die Daumen für einen erfolgreichen Sanierungsprozess. Denn eines ist sicher: Die Duftwelt lebt von Tradition und Vertrauen, und das möchte Pieper auch in Zukunft sicherstellen.