Ein tragischer Vorfall hat sich in Bochum ereignet, der die Stadt und die Polizei erschüttert. Während eines Polizeieinsatzes wurde ein zwölfjähriges gehörloses Mädchen von einem Schuss in den Bauch getroffen. Der Einsatz fand am 17. November statt und führte zu lebensgefährlichen Verletzungen des Mädchens, das mittlerweile zwei Operationen durchlaufen hat. Zum aktuellen Zeitpunkt ist ihr Zustand als kritisch, aber stabil, einzustufen, wie WDR berichtet.

Warum kam es zu diesem schockierenden Vorfall? Der Einsatz wurde ausgelöst, weil das gehörlose Mädchen in seiner Wohngruppe in Münster als vermisst gemeldet wurde. Bekannte Betreuer machten sich ernsthafte Sorgen, da das Mädchen ihre lebenswichtigen Medikamente nicht eingenommen hatte. Die Polizei suchte zudem auch am Wohnort der Mutter, die das Sorgerecht für ihre Tochter verloren hatte. Die Situation eskalierte, als die Beamten an die Tür der Wohnung klopften und auf die Öffnung warteten.

Der Einsatz der Polizei

Nachdem die gehörlose Mutter endlich die Tür öffnete, folgten weitere dramatische Ereignisse. Die Polizisten sahen im Hintergrund das Mädchen und ihren Bruder. Der Mutter wurden Handschellen angelegt, während das Mädchen mit zwei großen Küchenmessern aus der Küche stürmte und die Beamten angriff. Ein Polizist reagierte, indem er einen Taser einsetzte, während ein anderer auf das Mädchen schoss. Dieser Schuss geschah in der Annahme, dass ein Messerangriff eine drohende Gefahr darstellt, was den Schusswaffeneinsatz gemäß dem Handlungskonzept der NRW-Polizei rechtfertigen könnte, wie aus LZ hervorgeht.

Die Kommunikation mit der gehörlosen Mutter und ihrer Tochter bleibt ein ungelöstes Rätsel, da bei dem Einsatz kein Gebärdendolmetscher anwesend war und die Polizei angibt, dass man auch ohne ihn mit Gehörlosen kommunizieren kann. Innenminister Herbert Reul (CDU) hat auch bestätigt, dass für den Einsatz, der um 1 Uhr nachts in Bochum stattfand, eigentlich kein Grund für eine drohende Gefahr bestand, was die Nutzung der Bodycams behindert hätte. Diese sind zwar Teil der Ausrüstung der Polizei in Nordrhein-Westfalen, müssen jedoch aktiv von den Beamten eingeschaltet werden, was bedeutet, dass keine Aufnahmen des Vorfalls existieren, wie Die Zeit berichtet.

Öffentliche Reaktionen

Der Vorfall hat nicht nur die betroffenen Familien erschüttert, sondern auch die Gemüter vieler Bürgerinnen und Bürger aufgewühlt. Die Polizei Bochum sah sich seitdem mit einer Flut an Hasskommentaren in sozialen Netzwerken konfrontiert, darunter auch bedrohliche und strafrechtlich relevante Äußerungen. Die Essener Mordkommission übernimmt jetzt die Ermittlungen und die betroffenen Beamten wurden freigestellt.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass dieser Vorfall Fragen aufwirft, die weit über die unmittelbaren Ereignisse hinausreichen. Die Umstände, die zu diesem Einsatz führten, die angewandten Methoden sowie die Kommunikation zwischen Polizei und den betroffenen Personen müssen dringend aufgearbeitet werden. Für das Mädchen und ihre Angehörigen wird alles darangesetzt, die Situation bestmöglich zu bewältigen, während die öffentliche Debatte über police intervention und Kommunikation mit Gehörlosen weitergeht.