In der neuesten Folge des GA-Geschichtspodcasts „Hinter Bonner Türen“ wird ein spannendes Thema behandelt, das viele von uns anspricht: „Essen wie früher in Bonn“. Die Expertin Hildegund Schloßmacher, die seit 40 Jahren in Bonn lebt und aus einer Düsseldorfer Gastronomenfamilie stammt, hat sich intensiv mit der kulinarischen Vergangenheit der Stadt auseinandergesetzt. Als gelernte Sozialarbeiterin sammelt sie nicht nur Rezepte, sondern hat auch 2017 ein Kochbuch mit historischen Gerichten aus Bonn veröffentlicht, das mittlerweile vergriffen ist. In ihrem Buch hat sie mit „vielen alten Damen“ gesprochen und das Stadtarchiv Bonn durchforstet, um kulinarische Schätze zu heben.
Im Podcast erzählt Schloßmacher faszinierende Geschichten hinter den Rezepten. Eine Anekdote handelt von einer Senfverkäuferin und Dienstmädchen, die über Lachs klagten. In der Folge wird auch das traditionelle Kesselkuchen-Essen thematisiert, ein Gericht, das in der Region rund 40 verschiedene Namen hat. Schloßmacher betont, dass es keine einheitliche Bönnsche Küche gibt, sondern dass regionale Variationen den kulinarischen Reichtum der Stadt prägen. Ein Beispiel hierfür ist das Kesselkuchen-Rezept, das aus Kartoffeln, Zwiebeln, Eiern und Speck besteht und traditionell um St. Martin zubereitet wird. Diese rheinische Spezialität galt früher als „Arme-Leute-Essen“, da Gans zu teuer war.
Die Vielfalt der rheinischen Küche
Die rheinische Küche ist eine der facettenreichsten Regionalküchen Deutschlands. Sie umfasst die Gebiete des Mittel- und Niederrheins, insbesondere Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Dabei gibt es zahlreiche regionale Sonderentwicklungen, die sich in den Küchen der Städte Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen widerspiegeln. Typische Gerichte wie Rheinischer Sauerbraten und Himmel un Ääd sind nicht nur in Bonn, sondern auch in der gesamten Region beliebt. Diese Küche ist geprägt von einfachen und deftigen Speisen, die auf regionalen landwirtschaftlichen Erzeugnissen basieren.
Im Podcast geht Schloßmacher auch auf die kulinarischen Einflüsse in Bonn ein, die von Rotwein aus der Ahr bis hin zu Gerichten mit Äpfeln und Kartoffeln reichen. Ein weiteres Highlight ist die Erwähnung des Traditionslokals „Hähnchen“, das heute nicht mehr existiert. Dieses Lokal war um 1900 ein beliebter Treffpunkt für Studenten, Professoren und Geschäftsleute und bekannt für sein erschwingliches Gulasch. Postkarten an das Lokal wurden einfach „An das Hähnchen“ adressiert, was die Beliebtheit und den Bekanntheitsgrad des Lokals verdeutlicht.
Historische Einflüsse und Traditionen
Schloßmacher thematisiert im Podcast auch die traurigen Kapitel der Bonner Geschichte, wie beispielsweise die Graupensuppe aus der Kriegsküche. In Gedenken an die Kaffeerösterei Zuntz, die in der NS-Zeit verdrängt wurde, hat sie eine Kaffee-Dessertcreme kreiert. Diese Anekdoten und Rezepte bringen historischen Kontext in die Diskussion um die rheinische Küche.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die rheinische Küche, insbesondere die Bonner kulinarische Tradition, eine reiche Geschichte und Vielfalt aufweist. Die neue Podcast-Folge ist auf gängigen Streaming-Plattformen und über ga.de verfügbar. Die Auseinandersetzung mit diesen Traditionen ist nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine Bereicherung für das kulinarische Erbe der Stadt Bonn.