Die Rückführungen in Nordrhein-Westfalen (NRW) zeigen in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung, die sowohl von einem Anstieg der Rückführungszahlen als auch von einer besorgniserregenden Anzahl an Stornierungen geprägt ist. Für die Jahre 2023, 2024 und 2025 sind detaillierte Zahlen verfügbar, die interessante Einblicke in die Situation vor Ort, insbesondere in Münster, ermöglichen. Laut einem Bericht auf ms-aktuell.de wurden in Münster im Jahr 2023 insgesamt 34 Rückführungen bearbeitet, von denen 25 vollzogen und 9 storniert wurden. Im Jahr 2024 waren es 30 Vorgänge (23 vollzogen, 7 storniert). Im laufenden Jahr 2025 (bis zum 31. Oktober) stieg die Zahl der Vorgänge auf 51, wobei 30 vollzogen und 21 storniert wurden. Besonders auffällig ist, dass die Stornierungen in Münster im Jahr 2025 bereits höher sind als in den beiden Vorjahren zusammen.
Im Vergleich zu den Gesamtzahlen in NRW zeigen sich ebenfalls interessante Trends. So gab es 2023 insgesamt 2.959 vollzogene Rückführungen und 3.963 Stornierungen. 2024 stiegen die vollzogenen Rückführungen auf 3.674, während die Stornierungen auf 4.421 anstiegen. Auch in 2025 (bis Ende Oktober) waren die Zahlen von 3.496 vollzogenen Rückführungen und 4.020 Stornierungen besorgniserregend, da in allen drei Jahren die Stornierungen die vollzogenen Rückführungen überstiegen. Ein Blick auf die Münsterland-Kreise zeigt ebenfalls, dass die Stornierungszahlen in vielen Fällen die vollzogenen Rückführungen übertreffen, was auf wiederkehrende Probleme hinweist. Gründe für diese Stornierungen sind häufiges Nichterscheinen, Untertauchen, Kirchenasyl sowie rechtliche oder organisatorische Hindernisse.
Rückführungen und ihre Herausforderungen
Die Herausforderungen bei der Rückführung von Personen ohne Bleibeperspektive sind vielfältig. NRW-Fluchtministerin Josefine Paul (Grüne) erklärt, dass die Landesregierung Maßnahmen zur konsequenten Rückführung umgesetzt hat. Diese umfassen unter anderem die Stärkung der fünf zentralen Ausländerbehörden in NRW. Trotz der Bemühungen bleibt die mangelnde Rücknahmebereitschaft vieler Herkunftsländer ein erhebliches Hindernis. Ein Beispiel für die Komplexität der Situation ist die Geschichte einer 41-jährigen Georgierin, die trotz einer unbefristeten Anstellung in einem Pflegeheim in Herford gegen ihre Abschiebung kämpft. Dies verdeutlicht, dass auch gut integrierte Personen von Rückführungsmaßnahmen betroffen sind.
Im Jahr 2023 wurden insgesamt 3.663 Rückführungen und Überstellungen aus NRW registriert, was einem Rückgang von 21 % im Vergleich zu 2022 (4.440 Rückführungen) entspricht. Die fünf häufigsten Zielstaaten für Rückführungen waren Albanien, Nordmazedonien, Serbien, Georgien und Frankreich, wobei Albanien mit 419 Rückführungen an der Spitze steht. NRW macht dabei gut jede fünfte bundesweite Ausreise und Rückführung aus, was die Bedeutung der Thematik unterstreicht.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Zahlen und Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass die Rückführungen in NRW weiterhin ein komplexes und vielschichtiges Thema sind. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird, insbesondere im Hinblick auf die Stornierungszahlen, die 2025 landesweit bereits vor Jahresende einen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren zeigen. Münster liegt im Vergleich im Mittelfeld, nähert sich jedoch in den Stornierungszahlen dem allgemeinen Trend an. Dies könnte auf eine wachsende Problematik hinweisen, die nicht nur lokale, sondern auch landesweite Lösungen erfordert. Die Notwendigkeit, Integrationsprozesse für Personen mit Aufenthalts- oder Schutzstatus zu steuern und zu verbessern, bleibt eine zentrale Herausforderung für die Zukunft.






