In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses in Bösensell wurde eine hitzige Debatte über die zukünftige Entwicklung der Gemeinde entfacht. Benedikt Schulze Zumkley von der CDU äußerte seine Besorgnis über eine „Fehlentwicklung“ in der Region, da die Gewerbeflächen rasant wachsen, während neue Wohnbebauungen in der näheren Zukunft nicht in Sicht sind. Schulze Zumkley zeigte Verständnis für die Notwendigkeit der Gewerbesteuer, warnte jedoch, dass ohne eine angemessene weitere Bebauung die Infrastruktur in Gefahr sei. Seine Bedenken wurden durch die Präsentation von Dr. Axel Hengstermann, dem neu gewählten Vorsitzenden des Bezirksausschusses, untermauert. Hengstermann berichtete von einer 3%igen Steigerung der Wohn- und Siedlungsfläche seit 2020, die einzig auf das Baugebiet Espelbusch zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu stieg die Gewerbefläche um beeindruckende 42% im gleichen Zeitraum. Hengstermann äußerte, dass er diese Entwicklung den Bürgern nicht mehr vermitteln könne (Quelle).
Die Herausforderungen, vor denen Bösensell steht, spiegeln sich in einem größeren Kontext wider, der die Notwendigkeit einer nachhaltigen Flächennutzung betont. Im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist das Ziel formuliert, die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr bis 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Gewerbegebiete spielen hierbei eine entscheidende Rolle, da sie Potenzial für die Integration von Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit bieten. Besonders in Zeiten des Klimawandels und zunehmender Extremwetterereignisse sind innovative Ansätze gefragt, um die Herausforderungen zu bewältigen. In diesem Zusammenhang werden Veranstaltungen wie das „AGIT Forum“, das am 10. August in Aachen stattfindet, immer wichtiger. Hier wird über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte zukünftiger Gewerbegebiete diskutiert (Quelle).
Nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten
Die Diskussion um die Entwicklung von Gewerbegebieten ist nicht nur lokal, sondern auch national von Bedeutung. Eine Publikation des BBSR dokumentiert die Methodik, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen des ExWoSt-Forschungsfeldes zur nachhaltigen Weiterentwicklung von Gewerbegebieten. In einem Zeitraum von drei Jahren wurden zahlreiche städtebauliche Modellvorhaben realisiert, um die Verbindung zwischen städtebaulichen Verbesserungen für urbane Produktionsstandorte und nachhaltiger Stadtentwicklung zu untersuchen. Diese Modellprojekte erprobten Konzepte und Maßnahmen, die auch für Gemeinden wie Bösensell von Interesse sein könnten. Die Ergebnisse zeigen den Bedarf an Stadterneuerung in konventionellen Gewerbegebieten und skizzieren aktuelle Herausforderungen sowie Entwicklungspotenziale urbaner Produktionsstandorte (Quelle).
Insgesamt wird klar, dass die Zukunft von Bösensell und ähnlichen Gemeinden von der Balance zwischen Gewerbe- und Wohnflächen abhängt. Während die Gewerbeflächen weiter wachsen, muss die Frage der Wohnbebauung dringend angegangen werden. Dies ist nicht nur für die lokale Bevölkerung von Bedeutung, sondern auch für die nachhaltige Entwicklung der Region insgesamt.