Heute ist der 19.02.2026. In Essen wird derzeit intensiv über die mögliche Ausrichtung der Olympischen Spiele diskutiert. Die Ratsgruppe Volt & Die PARTEI hat den Olymp-E-Mat ins Leben gerufen, um den Bürgerinnen und Bürgern eine transparente Entscheidungsgrundlage zu bieten. Ziel ist es, die Beschäftigungseffekte der Olympischen Spiele zu untersuchen und zu klären, ob diese tatsächlich zu dauerhaft neuen Arbeitsplätzen in der Region führen oder ob es sich lediglich um temporäre Beschäftigungen handelt.

Die Debatte wird angestoßen durch die Behauptung, dass Olympische Spiele langfristige Arbeitsplätze schaffen. Doch internationale Studien zeigen, dass Großereignisse wie die Olympischen Spiele vor allem temporäre Arbeitsplätze generieren, insbesondere in den Vorbereitungs- und Durchführungsphasen. Ein Beispiel hierfür ist London 2012, wo zwar zehntausende neue Jobs entstanden, diese jedoch größtenteils befristet waren. Eine offizielle Meta-Evaluation der britischen Regierung hat keinen klar nachweisbaren, dauerhaften Beschäftigungszuwachs festgestellt. Auch die Olympischen Spiele in Rio 2016 bestätigten, dass die Beschäftigungseffekte vor allem investitions- und projektgebunden sind und nach Abschluss der Spiele wieder zurückgehen.

Ökonomische Effekte und langfristige Perspektiven

Für Essen ist es von entscheidender Bedeutung, die versprochenen Effekte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Ein klarer Unterschied muss zwischen befristeter Projektbeschäftigung und dauerhaften Arbeitsmarkteffekten gemacht werden. Der Olymp-E-Mat wird in den kommenden Tagen weitere geprüfte Fakten zu Kosten, Finanzierung, Infrastruktur sowie sozialen und ökologischen Auswirkungen veröffentlichen. Die Ratsgruppe ist nicht gegen die Olympischen Spiele an sich, fordert jedoch eine klare Benennung von Nutzen, Risiken und finanziellen Verpflichtungen, um eine sachliche Entscheidung im Interesse der Essener Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen.

Deutsche Städte und Regionen zeigen großes Interesse an der Ausrichtung der Olympischen Spiele, erhoffen sich wirtschaftliche Impulse. Sportökonom Timo Zimmermann von der ISM beschreibt den wirtschaftlichen Impuls als überschaubar. Regionale Effekte zeigen einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf in der Ausrichterregion um 3-4% im Jahr des Events und im Jahr davor. Die Bewerbung für die Olympischen Spiele wird von Städten wie Berlin, München, Rhein-Ruhr und Hamburg vorangetrieben. Besonderes Augenmerk liegt auf den langfristigen Vorteilen wie Infrastrukturmodernisierung, Imagegewinn, Tourismusförderung und sportlicher Entwicklung.

Hohe Investitionen und die Rolle des IOC

Die Organisation der Olympischen Spiele erfordert hohe Investitionen. S&P Global schätzt die Gesamtkosten der Spiele in Mailand und Cortina auf knapp 6 Milliarden Euro, während die Kosten für die Sommerspiele in Paris laut französischem Rechnungshof bei 6,6 Milliarden Euro liegen – mehr als die Hälfte davon fließt in die Infrastruktur. Trotz dieser hohen Ausgaben zeigt der französische Rechnungshof, dass die Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt überschaubar sind. Der größte wirtschaftliche Profiteur der Spiele bleibt jedoch das Internationale Olympische Komitee (IOC), das Einnahmen aus medialer und werberechtlicher Vermarktung erhält und 40% an die Ausrichter zurückgibt.

Die Entscheidung über die Olympia-Kandidatur wird im Herbst vom Deutschen Olympischen Sportbund getroffen. In der Diskussion um die Olympia-Ausrichtung sollte auch der Fokus auf die sozialen, ökologischen, psychologischen und kulturellen Effekte gelegt werden, die schwer in Zahlen zu fassen sind. Die langfristige Perspektive umfasst nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch den Nutzen für Gesundheit und Nachhaltigkeit, was die Debatte um die Olympischen Spiele in Essen weiter anheizen dürfte.