Im Kreis Euskirchen steht eine wichtige Veränderung in der Schulpolitik ins Haus. Ein neues Klassenassistenzmodell soll künftig Kinder mit besonderem Förderbedarf umfassend unterstützen. Dies berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Ziel dieser Initiative ist es, die Teilhabe dieser Kinder zu verbessern und Stigmatisierungen zu vermeiden. Darüber hinaus verfolgt die Maßnahme auch das Ziel, die Kosten im Bereich Schulbegleitung zu dämpfen, wofür die Umsetzung jedoch zunächst einen zusätzlichen finanziellen Aufwands erfordert.

Ein bedeutendes Hindernis bleibt die angestrebte Haushaltseinsparung von einer Million Euro, die für nicht haltbar gehalten wird, da Eltern den Anspruch auf Integrationshilfe einklagen können. Zusätzlich plant das Land Nordrhein-Westfalen die Streichung der Inklusionspauschale, die rund 730.000 Euro ausmacht. Dies könnte die finanziellen Rahmenbedingungen für das neue Modell weiter komplizieren.

Wie funktioniert das neue Modell?

Das Klassenassistenzmodell sieht vor, dass Schulen flexibler und präventiver auf Herausforderungen reagieren können, ohne auf individuelle Betreuung zu setzen. Stattdessen wird die Unterstützung durch Klassenassistenzen organisiert, die ganzen Klassenverbänden zugutekommen. Ein Beispiel dafür ist die Matthias-Hagen-Schule in Kuchenheim, die 205 Schüler zählt. Von diesen behalten 11 Kinder die individuelle Schulbegleitung, während 25 Schüler nun von 16 Klassenassistenten betreut werden.

Dieses innovative Konzept wird nicht nur an der Matthias-Hagen-Schule, sondern auch an weiteren Schulen im Kreis Euskirchen, darunter mehrere Grundschulen in Mechernich, Kommern, Satzvey, Kall und Lückerath, implementiert. Die Trägerschaft für die Klassenassistenzen obliegt drei unterschiedlichen Organisationen, die auch für die Koordinierungsstellen verantwortlich sind.

Eltern und Lehrkräfte im Dialog

Ein zentrales Anliegen war es, die Eltern ausreichend zu informieren und ihre Bedenken hinsichtlich einer potenziellen Minderung der Unterstützung für ihre Kinder auszuräumen. Dazu wurden Informationsveranstaltungen organisiert, die eine wichtige Rolle spielten. Lehrkräfte wiederum wurden frühzeitig in diese Neuausrichtung des Unterstützungsmodells eingebunden, und die ersten Rückmeldungen aus diesem circle sind positiv. Um Sicherheit zu bieten, wurde der Personalschlüssel anfangs hoch angesetzt. Aktuell sind rund 480 laufende Schulbegleitungen im Kreis Euskirchen aktiv, mit steigender Tendenz.

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt, mit der Option auf Verlängerung. Eine umfassende Evaluation der Maßnahme ist geplant, um den Erfolg und die Akzeptanz des Modells in den Schulen zu überprüfen.

Bildung hat viele Gesichter

In einem anderen Bildungsbereich zeigt sich, wie wichtig Wandel und Anpassung sind. Bei einem Netzwerktreffen des „Schule im Aufbruch“-Projekts an der Wilhelm-Löhe-Schule in Nürnberg trafen sich über 50 Teilnehmer aus Schulen und Bildungseinrichtungen, um über die Gestaltung von Wandelkultur zu diskutieren. Der Organisationsentwickler Felix Herter betonte in seiner Keynote, dass es wichtig ist, Haltung und Struktur miteinander zu verknüpfen, um die Bildung der Zukunft aktiv zu gestalten. Themen wie „Zukunft im Klassenzimmer“ und „Hierarchiefreie Kommunikation“ standen auf der Agenda und zeigen, wie vielschichtig Bildung sein kann.

Mit der Einführung des Klassenassistenzmodells im Kreis Euskirchen und dem Austausch über Wandelkultur stehen spannende Entwicklungen bevor, die die Bildungslandschaft erheblich prägen können. Die nächsten Schritte sind nun entscheidend, um aus diesen Ideen und Konzepten fruchtbare Lösungen zu schaffen, die allen Schüler:innen zugutekommen.