In Euskirchen steht ein bemerkenswerter Schritt bevor: Der katholische Widerstandskämpfer Willi Graf könnte der erste Selige der Stadt werden. Dies kündigte Professor Helmut Moll an, der das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts erarbeitete und maßgeblich an Seligsprechungsverfahren beteiligt ist. Graf, der 1918 in Kuchenheim geboren wurde und seine Jugend in Saarbrücken verbrachte, hat sich während des Zweiten Weltkriegs durch seinen Widerstand gegen das NS-Regime einen Namen gemacht. So weigerte er sich bereits im Gymnasium, der Hitlerjugend beizutreten, und schloss sich stattdessen dem katholischen Schülerbund Neudeutschland an.

1943 wurde Willi Graf wegen seiner Mitgliedschaft in der Widerstandsgruppe Weiße Rose in München-Stadelheim hingerichtet. Sein unerschütterlicher Glaube und seine moralische Überzeugung prägten sein Handeln – entfernt von jeder Angst vor den Konsequenzen. Über viele Monate hinweg leistete Graf aktiven Widerstand und verweigerte es, seine Freunde zu verraten, selbst als er inhaftiert war und unter Druck gesetzt wurde. In einem bewegenden Abschiedsbrief an seine Familie erklärte er seine bewusste Entscheidung für den Widerstand, die von einer tiefen religiösen Überzeugung getragen war. Die katholische Kirche hat in der Nachkriegszeit damit begonnen, Widerstandskämpfer wie Graf zu seligzusprechen, um deren mutigen Einsatz für den Glauben zu würdigen.

Die Initiative für die Seligsprechung

Die Bemühungen um eine Seligsprechung von Willi Graf laufen seit einiger Zeit und haben ihre Wurzeln in München, wo er Medizin studierte. Das Erzbistum München und Freising hat bereits Mitarbeiter der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse eingesetzt, um das Verfahren voranzutreiben. So wurden fünf Gutachter bestellt, um zu prüfen, ob Graf aus seiner religiösen Überzeugung heraus Widerstand leistete. Diese Untersuchung beinhaltet die Prüfung schriftlicher Quellen und Zeitzeugenberichte. Moll äußerte die Hoffnung, dass das Prüfverfahren noch in diesem Jahr eröffnet wird, wobei die endgültige Entscheidung eventuell in etwa zehn Jahren getroffen werden könnte. Bei einer erfolgreichen Seligsprechung könnte Graf in den Bistümern Köln, Trier, München und Freising liturgisch verehrt werden, insbesondere am 12. Oktober, seinem Todestag.

Die Stadt Euskirchen hat sich aktiv in diesen Prozess eingebracht. Am 2. Oktober 2023 verabschiedete der Stadtrat einstimmig eine Petition zur Unterstützung der Seligsprechung. Bürgermeister Sacha Reichelt erhielt von Moll ein spezielles Dankeschön in Form eines Buches von Thomas Alber für die Unterstützung der Initiative. Dies verdeutlicht, wie stark die Stadt hinter ihrem Ehrenbürger steht, den sie am 8. Mai 2023 posthum zur Ehrenbürgerwürde erhob.

Ein Vorbild für viele

Moll betont, dass Graf ein Beispiel für junge Menschen sei, die aus ihrem Glauben heraus Widerstand leisten können. Sein Leben zeigt, wie tief verwurzelt die Überzeugungen und Werte auch in schwierigen Zeiten sein können. Aber auch wenn das Prüfverfahren auf Kurs ist, mag es noch dauern, bis alle Archive und Unterlagen umfassend ausgewertet sind. Und während Graf nicht mehr als 25 Jahre alt wurde, hinterließ er einen bleibenden Eindruck, der nicht nur in Euskirchen, sondern auch darüber hinaus spürbar ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Initiative um Willi Graf nicht nur die Erinnerung an einen mutigen jungen Mann am Leben hält, sondern auch den Glauben daran, dass die richtige Entscheidung am Ende immer honoriert wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Verfahren weiterentwickelt und welche neuen Informationen ans Licht kommen.

Für weiterführende Informationen über Willi Graf und das Seligsprechungsverfahren empfiehlt es sich, die Artikel von ksta.de oder domradio.de zu konsultieren. Darüber hinaus bietet das NS-Dokuzentrum Rheinland-Pfalz spannende Einblicke in den Widerstand aus Glaubensüberzeugung.