In der Welt des Theaters gibt es Momente, die nicht nur die Bühne, sondern auch die Gesellschaft selbst in Aufruhr versetzen. Ein solches Ereignis fand am 15. Februar 2026 im Schauspielhaus Bochum statt: Die deutschsprachige Erstaufführung von „Catarina oder: Von der Schönheit, Faschisten zu töten“, einem Werk des portugiesischen Dramatikers Tiago Rodrigues, inszeniert von Mateja Koležnik. Die Geschichte dreht sich um eine portugiesische Familie, die sich am 19. Mai versammelt, um einen Faschisten zu töten – als Gedenken an Catarina Eufémia, die 1954 erschossen wurde.
Die Premiere war alles andere als gewöhnlich. Während der Aufführung kam es zu heftigen Publikumsreaktionen, darunter Pfiffe, Buhrufe und sogar einen versuchten Bühnensturm. Eine Frau warf eine Orange auf den Schauspieler Ole Lagerpusch, der einen langen Monolog eines rechtsextremen Politikers vortrug. Dramaturgin Angela Obst musste eingreifen und das Publikum daran erinnern, dass es sich um eine Theateraufführung handelt und dass die Schauspieler nicht angegriffen werden sollten. Diese Vorfälle verdeutlichen die brisante Thematik des Stücks, die sich um Selbstzweifel und die Familientradition der Gewalt dreht.
Thematische Tiefe und Inszenierung
Das Stück beleuchtet die inneren Konflikte einer Familie, die mit der Tradition der Erschießung eines Faschisten am Jahrestag von Eufémias Tod konfrontiert ist. Besonders die jüngere Generation hinterfragt diese brutale Familientradition und diskutiert, ob Gewalt ein adäquates Mittel zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie ist. Diese kritische Auseinandersetzung wird durch die Inszenierung von Koležnik verstärkt, die als optisch distanziert beschrieben wird. Das Bühnenbild, ein Kubus mit Lamellenfenstern, gestaltet von Raimund Orfeo Voigt, sowie die von Ana Savić Gecan entworfenen Kostüme, die an eine religiöse Sekte erinnern, tragen zur surrealen Atmosphäre des Stücks bei.
Die Premiere hat nicht nur für Aufregung gesorgt, sondern wird auch als bedeutendes Ereignis in der Bochumer Theatergeschichte angesehen. Kritiken heben die starke psychologische Tiefe der Inszenierung hervor und berichten von der emotionalen Reaktion des Publikums. Das Stück hat eine Dauer von 1 Stunde und 45 Minuten ohne Pause, und die Reaktionen auf die Inszenierung zeigen, wie stark Theater in der heutigen Gesellschaft polarisiert.
Politisches Theater im Kontext
Das Aufeinandertreffen von Kunst und Politik ist nicht neu, doch die aktuelle Debatte über die Rolle des Theaters wird durch solche Inszenierungen neu entfacht. Theater wird zunehmend als ein Raum wahrgenommen, der nicht nur kulturelles Erbe bewahren, sondern auch als Plattform für gesellschaftliche Reflexion und Diskussion fungieren sollte. Intendantinnen wie Shermin Langhoff vom Maxim Gorki Theater betonen die politische Verantwortung des Theaters, insbesondere in Zeiten, in denen Extremismus und soziale Ungleichheit an der Tagesordnung stehen. Theaterprojekte, die gesellschaftliche Probleme thematisieren, sind daher nicht nur notwendig, um Relevanz zu zeigen, sondern auch um marginalisierte Stimmen einzubeziehen.
In diesem Sinne ist „Catarina oder: Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ mehr als nur ein Stück; es ist ein Spiegel der Gesellschaft, der den Zuschauern die Möglichkeit bietet, über ihre eigenen Überzeugungen und die aktuellen politischen Strömungen nachzudenken. Weitere Aufführungen sind für den 1. März und 20. März 2026 geplant, und die Karten sind bereits unter schauspielhausbochum.de oder telefonisch unter 0234/33335555 erhältlich. Die Reaktionen auf die Inszenierung zeigen, dass das Theater weiterhin ein Ort für Auseinandersetzung und Diskussion ist.
Für Interessierte ist es empfehlenswert, sich mit dem Thema vertraut zu machen, denn wie auch in anderen Teilen Deutschlands, wo Theater als politisches Werkzeug genutzt wird, bleibt auch Bochum nicht von den gesellschaftlichen Herausforderungen unberührt. In einer Zeit, in der Kunst und Konflikte untrennbar miteinander verbunden sind, bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussionen rund um die Aufführung von „Catarina“ weiterentwickeln werden.