In Marsberg stehen die Bürger gegen die Windkraft auf. Rund 250 bis 300 Menschen gingen auf die Straße, um ihrem Unmut über die geplanten Windenergieanlagen südwestlich von Giershagen Ausdruck zu verleihen. Die Bürgerinitiative „Windkraft – wo sie hinpasst 2.0“ übergab dem Stadtrat eine beeindruckende Liste mit 1.541 Unterschriften, die gegen die Windkraftprojekte protestiert. Diese Zahl zeigt deutlich, dass viele Einheimische mit den geplanten Vorhaben alles andere als einverstanden sind.
Die geplanten Windenergieanlagen sollen in einer Anzahl von bis zu sieben Einheiten errichtet werden. Die Firma Wepa hat eigens eine Gesellschaft gegründet, um diesen Windpark zu realisieren, der der Energieversorgung ihres Werks dienen soll. Doch die Anwohner befürchten, dass die Höhe der Windräder, mit einer Gesamthöhe von 249,5 Metern, das kleine Dorf „erschlägt“. Kritische Stimmen äußern Bedenken bezüglich möglicher Lärmemissionen, Schattenwurf sowie Erderschütterungen und warnen vor einem Wertverlust ihrer Immobilien.
Die Genehmigung im Fokus
Wie die Windpark Giershagen GmbH & Co. KG in ihrem Antrag vom 11. Dezember 2024 betont, handelt es sich um die Errichtung von sechs modernen Windenergieanlagen des Typs ENERCON E-175 EP5 E1. Mit einer Nabenhöhe von 162 Metern und einem Rotordurchmesser von 175 Metern sind die geplanten Anlagen darauf ausgelegt, eine Nennleistung von 6.000 kW pro Einheit zu erreichen.
Die Genehmigungsbehörde ist der Hochsauerlandkreis, und der Antrag wird gemäß § 4 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes bearbeitet. Trotz der rechtlichen Grundlage für die Genehmigung zeigen sich die Bürger skeptisch, ob die Maßnahmen tatsächlich den versprochenen Schutz bieten können. Die Planer haben jedoch beteuert, alle Normwerte einzuhalten und gegebenenfalls zusätzliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Ein Blick in die Zukunft
Mit Spannung verfolgt die Bürgerinitiative die Entwicklungen nach den Wahlen. Frank-Peter Folcz, das älteste Mitglied des Stadtrates, nahm die Unterschriften entgegen, doch das Thema wurde in der Sitzung nicht weiter behandelt. Die Bürger hoffen auf ein Umdenken der neuen Ratsmitglieder, da sich die Änderung des Flächennutzungsplans für das Vorhaben bereits in einem fortgeschrittenen Verfahren befindet.
Die Problematik um Windkraftanlagen ist symbolisch für einen landesweiten Konflikt, der nicht nur in Marsberg, sondern auch in anderen Regionen wie dem Wildenburger Land in Rheinland-Pfalz zu spüren ist. Dort befürchten Naturschützer die Industrialisierung von empfindlichen Landschaften und kritisieren geplante Windkraftprojekte sogar in ausgewiesenen Schutzgebieten. Die Bundesregierung und die EU sind bestrebt, die Genehmigungen für Windkraftprojekte zu beschleunigen, um die Ziele erneuerbarer Energien zu erreichen. Doch die Gefahr, dass es zu weiteren Konflikten und Verzögerungen kommt, bleibt hoch.
In Marsberg sind die Wogen offensichtlich hoch. Die Bürger stehen auf einer Seite, und die Windkraftprojekte auf der anderen. Ob der Wind sich bald drehen wird und neue Lösungen gefunden werden, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Die Debatte um Windkraft wird uns noch lange begleiten.