Im Sauerland tut sich einiges: Die Fachhochschule Südwestfalen hat im Jahr 2025 eine umfassende Befragung zur Lebensqualität in der Region durchgeführt. Insgesamt 1.651 Personen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) wurden interviewt, um ein Bild von den Stärken und Schwächen des Sauerlands zu erhalten. Die Ergebnisse zeigen nicht nur die positive Wahrnehmung der Region, sondern auch einige dringende Herausforderungen, die angegangen werden müssen. Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Anne Jacobi durchgeführt und erfasst sowohl die Perspektiven von Großstädtern aus Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Aachen als auch von Bewohnern des Sauerlands selbst, einschließlich der Kreise Hochsauerland, Märkischer Kreis, Olpe und Soest. Die vollständigen Ergebnisse sind in einem Artikel im Sauerland Kurier nachzulesen.
Die Befragung offenbarte, dass die Lebensqualität im Sauerland durchaus hoch eingeschätzt wird, insbesondere in den Bereichen Natur, Sicherheit, Wirtschaftskraft und Zusammenhalt. Viele Sauerländer sind in diesen Aspekten zufriedener als die Einwohner in den großen Städten NRW. Politische und wirtschaftliche Kriterien sind für beachtliche 91% der Befragten wichtig, wobei die Suche nach qualifizierten Arbeitsplätzen im Vordergrund steht. Dennoch gibt es auch Defizite: Insbesondere die Mobilität, die Angebote für junge Menschen, die Gesundheitsversorgung und die digitale Infrastruktur wurden als Schwachstellen identifiziert.
Herausforderungen und Perspektiven
Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass fast die Hälfte der Befragten unter 25 Jahren noch nie vom Sauerland gehört hat. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Region nicht genug Sichtbarkeit hat, um junge Menschen anzuziehen, was für die Zukunftsfähigkeit der Region entscheidend ist. Nur die Hälfte der Umfrageteilnehmer sieht im Sauerland ein „hohes wirtschaftliches Potenzial“, und noch weniger verbinden die Region mit innovativen Unternehmen. Laut Prof. Dr. Jacobi könnte das daran liegen, dass viele ansässige B2B-Unternehmen weniger sichtbar sind. Die Sauerland Initiativ empfiehlt daher gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilitätsangebote und zur Schaffung von Freizeit- und Begegnungsräumen für junge Menschen, um die Attraktivität des Sauerlands zu steigern.
Die positiven Aspekte der Studie werden ergänzt durch hohe Zustimmungswerte für Freizeitmöglichkeiten und die Familienfreundlichkeit im Sauerland. 91 Prozent der befragten Einheimischen bescheinigen der Region eine hohe Lebensqualität, was sich auch in der positiven Bewertung der Arbeit der Verwaltungen und des Sicherheitsgefühls widerspiegelt. Dennoch bleibt die Schwäche im öffentlichen Nahverkehr und der medizinischen Versorgung ein wichtiges Thema, das angegangen werden muss.
Lebensqualität im Kontext
Die Lebensqualität ist nicht nur ein lokales, sondern auch ein nationales Anliegen. Der Regierungsbericht zur Lebensqualität in Deutschland, der am 26. Oktober 2016 verabschiedet wurde, beleuchtet ähnliche Themen und fordert Chancengleichheit, Zusammenhalt und die Schließung der Einkommens- und Bildungsschere. Der Bericht misst Lebensqualität anhand von zwölf Dimensionen, die von wirtschaftlichem Erfolg bis hin zu sozialem Zusammenhalt reichen. Eine dynamische Wirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle für hohe Lebensqualität, was sich auch in den Ergebnissen der Sauerländer Studie widerspiegelt.
Die Erkenntnisse der Befragung im Sauerland sind somit nicht nur für die Region selbst von Bedeutung, sondern auch für die Diskussion über Lebensqualität in Deutschland insgesamt. Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Förderung von Unternehmensgründungen könnten entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu sichern und die identifizierten Engpässe zu beheben. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Investitionsdynamik zu verbessern und die Innovationskraft der Unternehmen zu unterstützen, was auch dem Sauerland zugutekommen könnte. Weitere Informationen hierzu sind im Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums zu finden.





