Die Asiatische Hornisse, eine invasive Art, die sich seit etwa zwei Jahrzehnten in Europa ausbreitet, sorgt zunehmend für Besorgnis unter Wissenschaftlern und Imkern. Ursprünglich aus Südostasien stammend, wurde sie vermutlich durch internationalen Warenverkehr nach Frankreich eingeschleppt. Diese Hornisse hat nicht nur Auswirkungen auf heimische Insektenpopulationen, sondern kann auch die Bestäuber, insbesondere die Honigbienen, erheblich schwächen. Der Kreis Kleve hat nun reagiert und ein digitales Meldeportal für Nester der Asiatischen Hornisse eingerichtet. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass im Jahr 2025 im Kreis Kleve 264 Nester gemeldet wurden, von denen 170 erfolgreich beseitigt werden konnten. Ein Großteil der Meldungen betraf dabei Nester in schwer zugänglichen Gebieten, was die Bekämpfung der Ausbreitung zusätzlich erschwert. Die Webseite für Meldungen ist www.kreis-kleve.de/hornissen-melder und ermöglicht es den Bürgern, Sichtungen adressenscharf anzugeben.

Die Untere Naturschutzbehörde koordiniert die Bekämpfungsmaßnahmen und bündelt die Sichtungen für ein landesweites Monitoring. Grundstückseigentümer sind für die Beseitigung der Nester verantwortlich, während Meldungen im öffentlichen Raum an die jeweiligen Städte und Gemeinden weitergegeben werden. Frühzeitige Entdeckung und Meldung von Primärnestern ist entscheidend, da diese im Frühjahr von überwinterten Königinnen gegründet werden und sich oft an geschützten Orten befinden. Die frühzeitige Meldung erleichtert die Entfernung der Nester, bevor große Sekundärnester entstehen, die bis zu einem Meter Durchmesser erreichen können.

Neue Meldeplattformen und deren Bedeutung

In Baden-Württemberg wurde am 10. Mai 2023 eine ähnliche Meldeplattform für die Asiatische Hornisse gestartet, die von der LUBW Landesanstalt für Umwelt im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft ins Leben gerufen wurde. Diese Plattform hat das Ziel, Wissen über die Verbreitung der Asiatischen Hornisse zu erlangen und deren Ausbreitung einzudämmen. Meldungen können über die Webseite der LUBW und die App „Meine Umwelt“ erfolgen. Um Falschmeldungen zu vermeiden, bietet die Webseite Informationen zur Erkennung der Asiatischen Hornisse und zur Unterscheidung von heimischen Hornissen an. Bei jeder Meldung müssen der genaue Standort und ein Belegfoto angegeben werden.

Die Asiatische Hornisse stellt eine potenzielle Bedrohung für heimische Insektenpopulationen dar und benötigt proteinhaltige Beute, zu der oft auch Honigbienen gehören. Wissenschaftler der Universität Exeter haben in einer aktuellen Studie festgestellt, dass die Ernährung der Asiatischen Hornisse über 1.400 verschiedene Insektenarten umfasst. Diese Forschung zeigt, dass Vespa velutina eine flexible Jagdstrategie verfolgt und sich nicht auf eine bestimmte Beute spezialisiert. In städtischen Gebieten dominieren Fliegen und Wespen, während in ländlichen Regionen verstärkt Honigbienen gejagt werden. Dies könnte erhebliche Konsequenzen für das ökologische Gleichgewicht haben, da Bestäuber eine zentrale Rolle im Ökosystem spielen.

Die Herausforderung der Bekämpfung

Die Zunahme der Hornissenpopulation wird aufgrund nicht entfernter Nester und einer hohen Dunkelziffer unentdeckter Nester erwartet. Die Jagdstrategie der Hornisse kann Honigbienenkolonien erheblich schwächen und das ökologische Gleichgewicht destabilisieren. Das Fehlen langfristiger Daten zur Interaktion zwischen Vespa velutina und heimischen Insektenpopulationen stellt eine Herausforderung für das Verständnis der langfristigen Auswirkungen dar. Experten betonen die Notwendigkeit weiterer Forschungen, um die Hypothese zu überprüfen, dass das breite Beutespektrum der Hornisse möglicherweise abmildernde Effekte auf einzelne Insektenpopulationen hat.

Die Asiatische Hornisse unterliegt der EU-Verordnung 1143/2014 zur Prävention und zum Management invasiver Arten und wird als Art der „Früherkennung“ eingestuft. Die rechtzeitige Meldung und Bekämpfung ist daher nicht nur für Imker von großer Bedeutung, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität und das ökologische Gleichgewicht in unseren Regionen. Die Bürger sind aufgerufen, aktiv zu werden und Sichtungen zu melden, um die Ausbreitung dieser invasiven Art einzudämmen. Weitere Informationen zur Biologie und Problematik der Asiatischen Hornisse sind auf den entsprechenden Webseiten verfügbar, darunter auch die Seite der LUBW sowie die Seite zu den Asiatischen Hornissen.