In Kolumbien, einem Land, das so oft mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht wird, wird der Kampf gegen Koka-Plantagen jetzt mit harten Bandagen ausgetragen. Die kolumbianische Regierung hat beschlossen, die Vernichtung von Koka-Feldern mittels Glyphosat erneut aufzunehmen, ein Vorgehen, das seit 2015 auf Eis lag. Der Rückgang der Koka-Vernichtung war in den letzten zehn Jahren deutlich spürbar, denn die Anbaufläche für die begehrte Pflanze hat sich in dieser Zeit fast verdoppelt. Aktuelle Zahlen berichten von über 250.000 Hektar Koka-Anbaufläche, was etwa 65 Prozent der weltweiten Fläche ausmacht, und Kolumbien somit zum größten Kokainproduzenten der Welt macht. Radiokoeln.de hebt hervor, dass Justizminister Andrés Idárraga ankündigte, iż das Herbizid künftig mit Drohnen versprüht werden soll.
Die Entscheidung zur Wiederaufnahme der Glyphosat-Vernichtung kommt nicht ohne Kontroversen. Das Verfassungsgericht hatte 2015 diese Methode aufgrund von Umwelt- und Gesundheitsbedenken untersagt. Dennoch bleibt die manuelle Vernichtung der Felder uneffektiv, und die kolumbianische Regierung sieht sich gezwungen, zu drastischeren Maßnahmen zu greifen. Angesichts der steigenden Kokain-Produktion wird der Druck, wirksame Lösungen zu finden, immer größer.
Neue Ansätze und Herausforderungen
Die Bundesregierung unter Präsident Gustavo Petro verfolgt jedoch auch alternative Strategien. Im Oktober 2023 hat sie das Programm „Sembrando vida, desterramos el narcotráfico“ (Wir säen Leben, vertreiben den Drogenhandel) ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Kleinbäuer*innen alternative Anbaumöglichkeiten wie Kaffee und Kakao anzubieten, um die Abhängigkeit vom Koka-Anbau zu verringern. Mit dieser Initiative wurden erstmals auch die betroffenen Gemeinden in die Verhandlungen einbezogen, um eine nachhaltige Lösung zu finden. Buenvivir beschreibt, dass das Programm ebenso die Ernährungssouveränität stärken und die Armut in ländlichen Regionen reduzieren soll.
Trotz dieser positiven Ansätze gibt es Skepsis. Kritiker*innen bezweifeln, dass die wirtschaftlichen Vorteile der Alternativen den lukrativen Koka-Anbau aufwiegen können. Zudem wird das Verhalten illegaler bewaffneter Gruppen, die häufig Druck auf die Bauern ausüben, als ernsthaftes Hindernis für die Umsetzung dieser Programme gesehen. Der Zugang zu Märkten für legale Produkte bleibt durch schlechte Infrastruktur erschwert, was die Lage für die Kleinbäuer*innen zusätzlich kompliziert.
Ein Blick auf die Sicherheitssituation
Im Kampf gegen den Drogenhandel hat die Regierung eine vollständige Neubewertung vorgenommen. Der Einsatz von Polizei und Militär gegen den Koka-Anbau wurde eingestellt, da es erhebliche Verluste unter den Sicherheitskräften gegeben hat. Innenminister Armando Benedetti erklärte, dass die USA keinen eigenen Verlust in der Bekämpfung des Drogenhandels erleiden. Diese Entwicklungen könnten durchaus zu einem Umdenken im internationalen Umgang mit dem kolumbianischen Drogenproblem führen. Laut einem Bericht von Zeit plant die US-Regierung, Kolumbien zusammen mit anderen Ländern als gescheitert im Drogenkampf einzustufen.
Die Realität ist, dass die schockierenden Zahlen aufgrund des Drogenhandels in Kolumbien weiterhin hoch sind. Die sichergestellten Drogenmengen stiegen 2025 auf 654 Tonnen, während im Jahr 2024 bereits ein Höchstwert von 884 Tonnen registriert wurde. Die Gewalt in Kolumbien bleibt hoch, was die Bemühungen um einen umfassenden Frieden behindert und umso drängender macht, dass Lösungen gefunden werden, die sowohl den Drogenhandel als auch die damit verbundenen sozialen Probleme in den Griff bekommen.