Am vergangenen Rosenmontag, dem 15. Februar 2026, sorgten die Pferde im Kölner Rosenmontagszug für Aufregung. Ein Video zeigt Pferde der Blauen Funken, die gestresst wirken. Typische Stressverhaltensweisen wie Kopf- und Halsbewegungen sowie hektisches Auf- und Abbewegen waren deutlich zu erkennen. Peter Höffken, Tierrechtsexperte von Peta, bezeichnete diese Verhaltensweisen als klare Anzeichen von Stress. Auch Reporter von t-online konnten beobachten, wie Betreuer versuchten, die Tiere zu beruhigen. So berichtete Höffken von weiteren Stresszeichen wie Hufscharren, die bei den Pferden auftraten, als sie von dem Lärm und der Menschenmenge umgeben waren. Peta plant, das Videomaterial auszuwerten und möglicherweise Anzeigen beim Kölner Veterinäramt zu stellen.
Ein Vorfall am Rudolfplatz, bei dem ein Pferd in ein Absperrgitter trat, führte zu einer leichten Verletzung des Tieres. Glücklicherweise wurde es umgehend von einem Sachverständigen versorgt und blieb ruhig, während es vorsorglich aus dem Zug genommen wurde. Einige andere Tiere mussten ebenfalls vorzeitig aus dem Zug genommen werden, da sie unruhig waren.
Stressreaktionen bei Pferden
Das Phänomen des Stressverhaltens bei Pferden ist nicht neu und kann wissenschaftlich untersucht werden. Stressparameter lassen sich im Speichel oder durch die Herzfrequenz der Tiere messen. Verhaltensforschung hat gezeigt, dass Stressreaktionen insbesondere während Karnevalsumzügen häufig beobachtet werden. Zu den bekannten Stressreaktionen zählen Schwitzen, das Zusammenkneifen der Lippen, und das Kauen auf Geschirr. Auch die Nüstern weiten sich unter Anspannung, und bei starker Anspannung ändert sich die Form des Pferdekopfes. Die Häufigkeit dieser Verhaltensweisen während des Umzugs ist entscheidend für die Bewertung des Stressniveaus der Tiere. Willa Bohnet unterstreicht, dass Pferde sich wohler fühlen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich aus stressigen Situationen zurückzuziehen.
Die meisten Pferde im Rosenmontagszug sind gut erzogen und wissen, dass Flucht nicht erwünscht ist. Doch die Anwesenheit von vielen Menschen und der damit verbundene Lärm können einen erheblichen Stressfaktor darstellen. Kritiker der Nutzung von Pferden in Karnevalsumzügen verweisen auf diese Stresssituationen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen können.
Regelungen und Kontrollen
Um die Sicherheit und das Wohl der Tiere zu gewährleisten, werden am Rosenmontag in der Kölner Südstadt die Pferde von Tierärztinnen und Tierärzten vor dem Zug überprüft. Diese Kontrollen umfassen den Pflegezustand, den allgemeinen Gesundheitszustand sowie das Fell und die Augen der Tiere. Zudem werden stichprobenartige Blutproben entnommen, um unerlaubte Medikamente zu identifizieren. Die Ergebnisse dieser Proben stehen nach zwei Wochen fest und bei Nachweis verbotener Substanzen wird ein Verfahren nach dem Tierschutzgesetz eingeleitet.
Alle 15 Pferde des Reiterkorps der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft von 1882 dürfen am Rosenmontagszug teilnehmen. Die Teilnahme basiert auf den „Leitlinien zum Umgang mit Pferden beim Einsatz in Karnevalsumzügen“ des Landes Nordrhein-Westfalen, die sicherstellen, dass die Tiere an Lärm und Menschenmengen gewöhnt sind und ausreichend betreut werden. Sicherheit und Tierwohl haben für Veranstalter und Reiter oberste Priorität, auch wenn der Einsatz von Pferden in der Öffentlichkeit immer wieder in der Kritik steht.
Die Debatte um den Einsatz von Pferden in Karnevalsumzügen wird auch in Zukunft fortgeführt. In einigen Städten, wie Bonn, wurde der Einsatz von Pferden bereits eingestellt, während in Köln das Thema politisch diskutiert wird, jedoch bislang keine Mehrheit für ein Verbot gefunden wurde. In der Auseinandersetzung zwischen Brauchtum und Tierschutz bleibt noch viel zu klären.