Die Evangelische Kirche in Burscheid steht vor herausfordernden Zeiten. Mit einem zurückgehenden Mitglieder- und Einnahmenstand muss die Gemeinschaft ihre Rolle in der Gesellschaft neu definieren. Wie rga.de berichtet, wurde auf der 126. Ordentlichen Synode des Kirchenkreises Leverkusen die Frage diskutiert, wie die Kirche auch in Zukunft relevant bleiben kann. Superintendent Bernd-Ekkehart Scholten betonte während der Sitzung die Notwendigkeit eines offenen Diskurses zur Stärkung gemeinsamer Werte und der menschlichen Würde.

Diese Diskussion ist besonders drängend, wenn man die jüngsten Statistiken auf den Tisch zieht. Laut evangelisch.de zeigt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) jedoch einen besorgniserregenden Rückgang: Ende 2023 gehörten 18.560.000 Menschen zu den 20 Landeskirchen, was einem Minus von 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Der Kirchenkreis Leverkusen hat bereits konkrete Schritte unternommen, um finanziellen Herausforderungen zu begegnen. Ein Defizit von über 700.000 Euro steht in den kommenden Jahren an, weshalb ein Konsolidierungsziel von 702.500 Euro für das Haushaltsjahr 2028 ausgearbeitet wurde. Dazu braucht es innovative Ideen und eine Neuausrichtung der Gemeindearbeit.

Relevante Gemeinschaft

Burscheid hat sich mittlerweile mit den Nachbarkirchen Witzhelden, Leichlingen und Bergisch Neukirchen zusammengeschlossen, um gemeinsam die Herausforderungen zu meistern. Diese pfarramtliche Verbindung wurde im Sommer gefeiert und zeigt, dass man auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten kann.

Der Rückgang der Mitglieder ist nicht nur in Burscheid spürbar. Die Evangelischen Kirchen im Rheinland haben 2023 rund 74.000 Mitglieder verloren, und die Tendenz zeigt deutlich nach unten. Diese Entwicklung wird von der amtierenden Ratsvorsitzenden der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs, als eine große Herausforderung angesehen. Diese spricht auch die gesellschaftlichen Erwartungen an die Kirche an und betont, dass es notwendig sei, die Relevanz des Glaubens zu vermitteln – besonders in Zeiten sinkender Verbundenheit zur Kirche.

Engagement über die Gemeinde hinaus

Der Kirchenkreis Leverkusen ist dennoch aktiv und feiert eine langjährige Partnerschaft mit dem Church District Lukajange in Tansania, die seit 1985 besteht. Hier unterstützt die Gemeinschaft Patenschaften für 30 Kinder in Grundschulen sowie für 20 Jugendliche in weiterführenden Schulen. Zudem gibt es ein Aufforstungsprogramm, das von Januar 2024 bis Juni 2025 31.235 Bäume gepflanzt hat. Auch Mikrokredite für Frauengruppen in Lukajange helfen, kleine Geschäftsideen zu realisieren und die wirtschaftliche Situation vor Ort zu verbessern.

Die voranschreitende Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche und Religion erfordert ein Umdenken. Der Fokus der aktuellen kirchlichen Diskussionen wird sich künftig auf existenzielle Fragen des Lebens und mögliche Antworten der Kirche konzentrieren. Wie häufig in der jüngsten Untersuchung der EKD verdeutlicht wurde, liegt es nun an den Gemeinden, Gespräche über relevante Themen zu fördern und Räume für Dialog zu schaffen.

Die Kreissynode, das oberste Leitungsgremium des Kirchenkreises, trifft sich zweimal jährlich, um solche Herausforderungen anzugehen, und die öffentlichen Tagungen laden alle ein, mitzudiskutieren. Probleme sind also nicht im stillen Kämmerlein wirksam, sondern müssen gemeinsam angepackt werden, und da liegt die Chance für die Evangelische Kirche.