Am 18. Februar 2026 hat die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) einen bedeutenden Schritt zur Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt angekündigt. In einem breit angelegten Screening werden die Personalakten aller Beschäftigten der Landeskirche, einschließlich der Pfarrpersonen, durch ehemalige Beamte gesichtet. Ziel dieser Maßnahme ist es, Hinweise auf nicht verjährte Fälle von sexualisierter Gewalt zu finden und eine schnelle Aufarbeitung sicherzustellen. Diese Initiative erfolgt im Rahmen der Umsetzung der Empfehlungen der ForuM-Studie, die sich mit Missbrauch innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland beschäftigt.

Das Screening der Personalakten wird nicht nur die aktuellen Akten umfassen, sondern auch die Unterlagen pensionierter Beamter überprüfen. Bei nachgewiesenem Fehlverhalten drohen arbeits- und dienstrechtliche Maßnahmen, die bis zur Kündigung reichen können. Besonders wichtig ist, dass Missbrauchsopfer an den Aufarbeitungsprozessen teilnehmen können, was eine wichtige Form der Beteiligung und Mitgestaltung darstellt. Die Dauer des gesamten Prozesses ist jedoch noch unklar, was die Unsicherheiten für Betroffene und Beteiligte betrifft.

Die ForuM-Studie und ihre Ergebnisse

Die ForuM-Studie, die Ende 2020 ins Leben gerufen wurde, ist eine unabhängige Untersuchung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland. Die Ergebnisse der Studie wurden am 25. Januar 2024 veröffentlicht und zeigen, dass mehr als 110 Beschuldigte und 251 Betroffene im Zeitraum von 1946 bis 2020 identifiziert werden konnten. Die Studie wurde von einer Vielzahl an Institutionen durchgeführt, darunter die Hochschule Hannover und die Freie Universität Berlin, und wurde von der Evangelischen Kirche mit einem Budget von ca. 3,6 Millionen Euro beauftragt.

Die EKvW hat alle angeforderten Daten umfassend und ohne Verzug geliefert, obwohl es während der Datenerhebung in einigen Landeskirchen Probleme gab, die zu einem veränderten Forschungsdesign führten. Zukünftig plant die EKvW, alle verfügbaren Personal- oder Sachakten auf mögliche Vorgänge im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt zu untersuchen. Die Ergebnisse der ForuM-Studie sollen ausgewertet werden, um notwendige Konsequenzen zu prüfen, und es werden unabhängige regionale Aufarbeitungskommissionen eingerichtet.

Prävention und gesellschaftliche Reaktionen

Um den Schutz vor sexualisierter Gewalt zu verbessern, hat die EKvW bereits ein Kirchengesetz erlassen und Schulungen für über 16.000 Personen bis Ende 2022 durchgeführt. Das Ziel dieser Maßnahmen ist die Schaffung sicherer kirchlicher Räume für alle Menschen. Die Evangelische Kirche erkennt die erschreckenden Ergebnisse der Studie an und entschuldigt sich bei den Betroffenen. Diese Schritte sind Teil eines größeren Trends, der in Deutschland seit über 15 Jahren zu beobachten ist, seit Beginn der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, die durch das Canisius-Kolleg in Berlin angestoßen wurde.

Während die Evangelische Kirche Fortschritte macht, gibt es jedoch auch Unterschiede in den Reaktionen innerhalb der katholischen Kirche. In verschiedenen Bistümern variieren die Ansätze, und während einige Bistümer wie Osnabrück Fortschritte erzielen, sind andere mit internen Konflikten und rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert. In Ländern wie Italien wird das Thema sexualisierte Gewalt durch Priester zögerlich aufgearbeitet, was kulturelle Gründe und strukturelles Schweigen betrifft. Die Herausforderungen in der Aufarbeitung von Missbrauch sind also nicht nur lokal, sondern auch international zu beobachten und erfordern ein starkes und gemeinsames Engagement aller Beteiligten.