In den letzten Jahren hat die Problematik rund um Plagiate und Fälschungen in der Europäischen Union an Bedeutung gewonnen. So wurden allein im Jahr 2024 an den EU-Außengrenzen und im Binnenmarkt über 112 Millionen gefälschte Produkte beschlagnahmt. Der geschätzte Wert dieser Fälschungen beläuft sich auf etwa 3,8 Milliarden Euro. Die Folgen sind gravierend: Originalhersteller, die viel Geld und kreative Energie in die Entwicklung ihrer Produkte stecken, leiden unter den Nachahmungen genauso wie die Konsumenten selbst, die oft minderwertige Qualität zu spüren bekommen. So berichtet der WDR ausführlich über gefährliche Fälschungen wie ein Flaschen-Set für Neugeborene, das angeblich von Philips stammt, jedoch nur in einer minderwertigen Nachahmung aus China erhältlich ist.

Doch die Problematik beschränkt sich nicht nur auf Babyprodukte. Auch technische Geräte sind betroffen. Laut Ulrich Demuth von der Firma WIKA, einem führenden Hersteller von Druckmessgeräten mit 12.000 Mitarbeitenden in Bayern, verursachen Plagiate nicht nur Millionenverluste, sondern auch einen erheblichen Imageschaden. Die EU schätzt, dass Herstellern in den Bereichen Bekleidung, Kosmetik und Spielzeug jährlich bis zu 16 Milliarden Euro entgeht. Plagiate stammen häufig aus China und werden über Plattformen wie Temu oder Shein auf den Markt gebracht. Dies stellt vor allem eine Herausforderung für Unternehmen dar, die ihre Markenrechte weltweit verteidigen müssen.

Die Gefahren von Plagiaten

Die Risiken, die von Fälschungen ausgehen, sind vielfältig. Studien durchführen, wie das VDE Institut aus Offenbach, zeigen alarmierende Ergebnisse: Über 80% der getesteten elektrischen Geräte entsprechen nicht den EU-Sicherheitsstandards und können gefährliche Inhaltsstoffe oder unsichere Bauweisen enthalten. Besonders besorgniserregend sind die gefälschten Medikamente, vor allem aus Indien, die über den Luftweg nach Deutschland transportiert werden. Der Zoll am Frankfurter Flughafen sichert jährlich gefälschte Arzneimittel im sechsstelligen Bereich. Diese Zahlen stimmen nachdenklich: Welches Vertrauen haben wir noch in unsere Konsumgüter, wenn die Unterscheidung zwischen Original und Fälschung für Verbraucher nahezu unmöglich ist?

Die Dimension des Problems wird klar, wenn man bedenkt, dass der Negativpreis „Plagiarius“ seit 1977 für die dreistesten Fälschungen verliehen wird. Das dazugehörige Museum in Solingen zeigt über 350 Preisträger im direkten Vergleich zwischen Original und Plagiat. Diese Initiative soll ein Bewusstsein für die schädlichen Auswirkungen von Plagiaten schaffen.

Rechtliche Konsequenzen und Schutz von Kreativen

Plagiate stellen nicht nur eine Bedrohung für die wirtschaftliche Lage von Unternehmen dar, sondern auch einen juristischen Fall. Das Urheberrecht in Deutschland schützt Kreative vor der unrechtmäßigen Aneignung ihrer Leistungen, ob in Literatur, Kunst oder Musik. Die unbefugte Nutzung kann rechtliche Folgen nach sich ziehen. Rechteinhaber können Unterlassungsforderungen oder Schadensersatzansprüche durchsetzen, was für viele Unternehmen eine notwendige Maßnahme geworden ist, um sich gegen die Flut an Fälschungen zu wehren. Technologische Lösungen zur Plagiatserkennung, wie etwa Turnitin oder Copyscape, helfen, Urheberrechtsverletzungen zu identifizieren – doch sind sie nicht immer fehlerfrei.

Um mittel- und langfristig gegen diese Problematik anzugehen, plant die EU-Kommission einen Aktionsplan zur Stärkung der Kontrollen. Der Digital Security Act soll Plattformbetreiber verpflichten, gegen Fake-Anbieter vorzugehen. Diese politischen Maßnahmen sind dringend notwendig, denn ohne einen stringenten rechtlichen Rahmen sind die Chancen, die kreativen Leistungen weiterhin zu schützen, gering.

In dieser komplexen Gemengelage aus wirtschaftlichem Druck, rechtlichem Schutz und den Gefahren durch minderwertige Produkte bedarf es eines bewussten Verhaltens der Verbraucher, die sich über die Qualität und Herkunft ihrer Käufe informieren müssen. Nur so kann man gegen die Flut an Plagiaten und Fälschungen gewappnet sein.