Heute ist der 14.02.2026, und wir werfen einen Blick auf ein drängendes Thema, das sowohl Konsumenten als auch Hersteller in der EU betrifft: die Flut an Plagiaten. Im Jahr 2024 wurden an den EU-Außengrenzen und im EU-Binnenmarkt über 112 Millionen gefälschte Artikel beschlagnahmt, mit einem geschätzten Wert von etwa 3,8 Milliarden Euro. Diese Fälschungen schaden nicht nur den Originalherstellern, die viel Geld und kreative Energie in die Produktentwicklung investieren, sondern auch den Verbrauchern. Denn Billig-Kopien oft nicht den EU-Sicherheitsstandards entsprechen, was zu gefährlichen Situationen führen kann.

Ein besonders alarmierendes Beispiel ist ein Flaschen-Set für Neugeborene, das von Philips (AVENT) stammt. In gefälschter Form, unter dem Namen AVEAT, wird es aus China angeboten. Hier sind die Qualität des Kunststoffs und die Hygiene bei der Herstellung der Fälschung mehr als fraglich. Philips hat bereits gerichtlich gegen die Fälscher vorgegangen. Auch die Niederrheinische Formenfabrik Janssen aus Krefeld musste erleben, wie ihre Gebäckformer-Maschine von einem türkischen Hersteller nachgebaut wurde. Bei einer Vorführung auf einer Fachmesse konnte das Plagiat nicht überzeugen, da es nicht nur teurer als das Original war, sondern auch nicht funktionierte. Solche Vorfälle zeigen die Dringlichkeit, Fälschungen in den Griff zu bekommen.

Die wirtschaftlichen Folgen von Plagiaten

Plagiate verursachen nicht nur einen enormen finanziellen Schaden, sondern gefährden auch Arbeitsplätze. Laut Ulrich Demuth, Leiter der Abteilung Patent und Marken bei WIKA, einem Unternehmen in Klingenberg, Bayern, das Druckmessgeräte herstellt und 12.000 Beschäftigte hat, führen Plagiate zu Millionenverlusten und einem Imageschaden. Das europäische Amt für geistiges Eigentum (EUIPO) schätzt, dass in Europa Herstellern in den Branchen Bekleidung, Kosmetik und Spielzeug jährlich 16 Milliarden Euro Umsatz entgeht. WIKA hat bereits Maßnahmen ergriffen, um gegen Anbieter von Plagiaten vorzugehen, da der Großteil dieser Fälschungen aus China stammt und über Internetplattformen verkauft wird.

Allerdings gibt es auch gesetzliche Bestimmungen, die den Kampf gegen Fälschungen unterstützen sollen. Der Digital Security Act verpflichtet Betreiber von Plattformen, gegen Fake-Anbieter vorzugehen, doch hier besteht noch Nachbesserungsbedarf. Plattformen wie Temu und Shein fluten den europäischen Markt mit Billigprodukten, die oft nicht den Sicherheitsstandards entsprechen. Das VDE Institut in Offenbach hat festgestellt, dass über 80% der getesteten elektrischen Geräte nicht den EU-Standards entsprechen. Diese Billigprodukte können gefährliche Inhaltsstoffe, scharfe Kanten und Kleinteile enthalten, die insbesondere für Kinder eine Gefahr darstellen.

Öffentliche Aufmerksamkeit für Fälschungen

Um auf die Problematik von Plagiaten aufmerksam zu machen, wird der Negativpreis „Plagiarius“ seit 1977 an dreiste Nachahmerprodukte verliehen. Im Plagiarius-Museum in Solingen sind die dreistesten Produktfälschungen ausgestellt, wo Besucher die Möglichkeit haben, Originale und Plagiate im direkten Vergleich zu sehen. Mittlerweile können über 350 Preisträger des Plagiarius im Museum besichtigt werden. Dies geschieht, um die Öffentlichkeit für die Schädlichkeit von Fälschungen zu sensibilisieren und den Wert von Originalprodukten zu betonen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Fälschung von Medikamenten, die häufig aus Indien stammt und über den Luftweg nach Deutschland gelangt. Der Zoll am Frankfurter Flughafen sichert jährlich gefälschte Medikamente im sechsstelligen Bereich. Verbraucher haben oft Schwierigkeiten, Originale von Fälschungen zu unterscheiden, was die Gefahrenlage zusätzlich verstärkt.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das Urheberrecht in Deutschland schützt Kreative vor unrechtmäßiger Übernahme ihrer Leistungen. Plagiate werden als nicht autorisierte Aneignung und Verbreitung fremden geistigen Eigentums definiert. Die Unterscheidung zwischen erlaubter Inspiration und Plagiat ist dabei oft komplex. Originalität und Schöpfungshöhe sind entscheidend für die Bewertung der Legitimität eines Werkes. Die Rechteinhaber können durch Unterlassungsforderungen, Schadenersatzansprüche und die Zerstörung nachgemachter Werke rechtliche Schritte einleiten, was in gravierenden Fällen sogar zu Bußgeldern und Freiheitsstrafen führen kann.

Technologien zur Plagiatserkennung, wie etwa Turnitin und Copyscape, nutzen Algorithmen zur Identifikation von Plagiaten. Die Wirksamkeit dieser Werkzeuge hängt jedoch von der Qualität der Datenbanken und der Erkennung umformulierter Passagen ab. Oft ist eine manuelle Überprüfung notwendig, um alle Arten von Textähnlichkeiten zu identifizieren.

Der Schutz des geistigen Eigentums fördert nicht nur die kulturelle Vielfalt, sondern auch die kreativen Leistungen der Gesellschaft. In Zeiten, in denen Fälschungen und Nachahmungen an der Tagesordnung sind, ist es essenziell, die Differenzierung zwischen Inspiration und Plagiat zu verstehen und zu fördern. Nur so kann ein fairer und kreativer Ausdruck in der Gesellschaft gewährleistet werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Quellen: WDR, ZDF und Kanzlei Herfurtner.