Am 13. Februar 2026 fand eine aufschlussreiche Veranstaltung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Märkischer Kreis Mitte in Lüdenscheid statt. Die Diskussionen drehten sich um drängende Themen wie Tierseuchen, Wolfsrisse, bürokratische Hürden und die unbefriedigende Preisentwicklung bei Milchprodukten. Trotz dieser Sorgen brachten die Landwirte aus Lüdenscheid, Schalksmühle, Nachrodt-Wiblingwerde, Altena und Werdohl positive Nachrichten über das Erntejahr 2025 mit, das dank ausreichender Wasserverfügbarkeit und milden Wetterbedingungen zur Erntezeit erfreuliche Ergebnisse lieferte.

Ein zentrales Anliegen der Veranstaltung war die Sensibilisierung der Bevölkerung bezüglich Tierseuchen. Hierzu wurden Plakate mit Verhaltensregeln präsentiert, die insbesondere auf die afrikanische Schweinepest fokussierten. Während die Blauzungenkrankheit unter Kontrolle sei, berichteten die Landwirte von wenigen Betrieben, die von der Vogelgrippe betroffen sind. Andreas Raabe, zuständig für Wolfsmonitoring, referierte über die Herausforderungen durch Wolfsrisse und stellte Schutzmaßnahmen für Nutztiere vor. Trotz Wolfssichtungen in der Region gab es bislang keine Schäden bei den meisten Betrieben.

Bürokratische Hürden und das Mercosur-Abkommen

Während die Ernteergebnisse erfreulich waren, äußerten die Landwirte auch Klagen über bürokratische Hürden, die ihren Arbeitsalltag erschweren. Ein weiteres heiß diskutiertes Thema war das umstrittene Mercosur-Abkommen zwischen der EU und fünf südamerikanischen Staaten. Die Skepsis gegenüber diesem Freihandelsabkommen ist groß, insbesondere angesichts der Kritik an den niedrigeren Lebensmittelqualitätsstandards in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Verbraucherzentralen, wie die in Hamburg, bemängeln die dortigen Produktionsregeln, die Gentechnik und Wachstumshormone für Nutztiere erlauben. Dies könnte die Wettbewerbsbedingungen für europäische Landwirte erheblich verschlechtern.

Achim Spiller, Agrarökonomie-Professor an der Universität Göttingen, hebt hervor, dass die Bekämpfung der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes ein klimapolitisches Problem darstellt. Die Abholzung trägt nicht nur zum Klimawandel bei, sondern auch die langen Transportwege von Lebensmitteln aus Südamerika verursachen hohe CO2-Emissionen. Das Mercosur-Abkommen ist bereits unterschrieben, benötigt jedoch noch die Billigung des Europäischen Parlaments, um in Kraft zu treten. Das Abkommen könnte die Zölle auf Rindfleisch von 40-60% auf lediglich 7,5% reduzieren, was die Angst schürt, dass große südamerikanische Landwirtschaftsbetriebe kleinere europäische Betriebe verdrängen könnten.

Marktveränderungen und Umweltaspekte

Die Sorgen der deutschen Landwirte, insbesondere im Landkreis Rottal-Inn, sind nicht unbegründet. Landwirte wie Gerhard Gruber, der über 400 Rinder hält, befürchten, dass das Abkommen die Wettbewerbsbedingungen erheblich verschlechtert. Während in Argentinien Hormone bei der Mast verboten sind, haben große Betriebe wie CONECAR in Argentinien dennoch ihre Methoden optimiert, um die Tiere gesund zu halten und ausreichend Platz zu bieten. Die EU versichert zwar strenge Kontrollen, jedoch bleibt unklar, wie diese in der Praxis umgesetzt werden.

Ein weiteres kontroverses Thema sind Pestizide. Viele Chemikalien, die in Südamerika erlaubt sind, sind in der EU verboten. Studien zeigen, dass europäische Chemiekonzerne auch verbotene Mittel exportieren, was besorgniserregend ist, da das Abkommen den Einsatz von Pestiziden insbesondere bei importierten Produkten wie Soja und Zucker erhöhen könnte. Dies wirft nicht nur Fragen zur Lebensmittelsicherheit auf, sondern betrifft auch geopolitische Interessen und die Lebensstandards sowohl in Europa als auch in Südamerika.

Die Diskussionen und Sorgen rund um das Mercosur-Abkommen verdeutlichen die komplexen Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft in Deutschland steht. Die Landwirte im Märkischen Kreis werden weiterhin gefordert sein, sich mit den Veränderungen auf dem globalen Markt auseinanderzusetzen und gleichzeitig die Balance zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichem Erfolg zu finden. Für weitere Informationen zu den Entwicklungen im Landwirtschaftssektor empfehlen wir, sich die detaillierte Berichterstattung unter diesem Link anzusehen.