Im Märkischen Kreis gibt es derzeit einige besorgniserregende Entwicklungen bezüglich der Wölfe, die in der Region leben. Seit Sommer 2024 wurde der Rüde des Ebbe-Rudels, GW 3278m, nicht mehr gesichtet. Experten vermuten, dass natürliche Ursachen wie Krankheit zu seinem Verschwinden geführt haben, schließen jedoch auch eine illegale Tötung nicht aus. Die Fähe, GW 2856f, bleibt hingegen im Ebbegebirge und ist aktuell das einzige verbleibende Tier des Rudels. Die Arbeitsgruppe „Wolf und Luchs“ hat festgestellt, dass insgesamt ein bis zwei Wölfe im Märkischen Kreis leben, was die Reproduktion des Ebbe-Rudels zum jetzigen Zeitpunkt ausschließt.

Die letzten Nachweise von Wölfen in der Region wurden durch Fotofallen dokumentiert: Im Oktober 2025 wurde ein Wolf in Letmathe gesichtet, gefolgt von weiteren Nachweisen in Meinerzhagen und Herscheid bis Anfang Februar 2026. Der letzte bestätigte Nutztierriss fand am 4. November 2025 in Lüdenscheid statt. Für die Landwirte in der Umgebung bedeutet dies, dass sie weiterhin wachsam bleiben müssen. Die Landwirtschaftskammer bietet daher Beratungen zu präventiven Maßnahmen an, um Weidetiere zu schützen.

Monitoring und Schutzmaßnahmen

Die Arbeitsgruppe „Wolf und Luchs“ hat ein umfassendes Monitoring-System etabliert, das systematisch durch Fotofallen, Spurensuchen, genetische Untersuchungen und Sichtungsmeldungen erfolgt. Aktuell sind 19 Fotofallen im Kreisgebiet im Einsatz, deren Daten in ein landes- und bundesweites Monitoring einfließen. Diese Monitoring-Standards wurden ursprünglich 2009 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern entwickelt und sollen künftig überarbeitet werden, um neue Methoden der Datenerhebung und Auswertung zu integrieren. Dies gewährleistet die Vergleichbarkeit von Hinweisdaten innerhalb Deutschlands und erfüllt die EU-Vorgaben zur FFH-Berichtspflicht.

Die aktuelle Gesetzgebung sieht ein Zugriffs-, Fang- und Tötungsverbot für Wölfe gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz vor. Ein gesetzgeberisches Verfahren zur Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ist im Gange. Die Arbeitsgruppe ermutigt die Bevölkerung zur Umweltbildung und empfiehlt Waldjugendspiele sowie begleitete Spaziergänge, um das Bewusstsein für die heimische Fauna zu schärfen.

Die Rolle der Öffentlichkeit und zukünftige Entwicklungen

Die Arbeitsgruppe hat das Ziel, die Interessen von Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen und der Öffentlichkeit zu vereinen. Hinweise auf Luchse werden erbeten, da das Risiko für Weidetierrisse durch diese Tiere als gering eingeschätzt wird. Dennoch sollten Menschen bei Spaziergängen mit unbeaufsichtigten Hunden vorsichtig sein und diese anleinen, um Missverständnisse mit Wölfen zu vermeiden.

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) fasst Daten zum Wolfsvorkommen in Deutschland zusammen und berät Behörden. Der aktuelle Statusbericht 2024/25 bietet einen Überblick über die Anzahl und räumliche Lage der Wolfsterritorien sowie deren Reproduktionsstatus. Dies ist besonders wichtig für die zukünftige Planung von Schutzmaßnahmen und das Monitoring der Wölfe in Deutschland.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Situation der Wölfe im Märkischen Kreis eine dynamische ist, die sowohl Herausforderungen als auch Chancen für den Naturschutz und die Landwirtschaft mit sich bringt. Die Zusammenarbeit aller Akteure ist entscheidend, um einen harmonischen Umgang mit diesen faszinierenden Tieren zu finden.