Mülheim: Ausbildungsplätze in Gefahr – Nur 67 Bewerber für 100 Stellen!
Mülheim an der Ruhr steht vor Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt: 100 unbesetzte Stellen und nur 67 Bewerber.

Mülheim: Ausbildungsplätze in Gefahr – Nur 67 Bewerber für 100 Stellen!
In Mülheim an der Ruhr macht sich derzeit ein drückendes Problem breit: Während händeringend 100 Ausbildungsplätze auf potenzielle Azubis warten, haben sich nur 67 junge Menschen beworben. Diese alarmierende Situation wirft Fragen auf und beleuchtet die Herausforderungen, mit denen Unternehmen und Ausbildungsbetriebe zu kämpfen haben. Laut der WAZ berichtet die Wirtschaft über Sorgen bezüglich des Fachkräftemangels und der steigenden Energiekosten. Die letzten Jahre scheinen hier ihre Spuren hinterlassen zu haben.
Um die Dimension des Problems besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück. Vor fünf Jahren waren es noch 145 Bewerber, die sich auf 100 Ausbildungsplätze bewarben. Im Vergleich zu den Nachbarstädten Essen, Oberhausen und Duisburg sieht die Lage in Mülheim jedoch noch vergleichsweise gut aus. Bis Ende September 2023 waren etwa 10% der insgesamt 1054 Ausbildungsstellen unbesetzt, was einen Rückgang von 11 unbesetzten Stellen im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.
Die Zahlen sprechen Bände
Die Agentur für Arbeit Mülheim hat im Ausbildungsjahr 1.038 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, was einen Rückgang um 10 Stellen im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Hinzu kommen 16 außerbetriebliche Stellen, die die Gesamtzahl auf 1.054 erhöhen. Interessanterweise gab es die meisten freien Plätze im Beruf des Verkäufers, gefolgt von Kaufmann/-frau im Einzelhandel und medizinischen Fachangestellten. Auf der anderen Seite könnten technische Ausbildungen anscheinend nicht mehr so begeistern, denn hier ist ein Rückgang um 15% zu verzeichnen.
Insgesamt haben sich bis Ende September 904 junge Leute bei der Berufsberatung gemeldet, was einem Rückgang von 80 Personen entspricht. Von diesen galten 67 als unversorgt, das sind 14 weniger als im Vorjahr. Die Bilanz der Agentur hat einem klaren Handlungsbedarf überdeutlich gemacht. Laut Jürgen Koch, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, ist es entscheidend, dass Praktika zur Erfahrung von Berufsfeldern gefördert werden. Dieser Ratschlag wird von Oliver Vrabec, dem Leiter des Jobcenters, bestätigt, der von über 200 Jugendlichen berichtet, die eine Ausbildung aufnehmen konnten.
Die Rolle der Schulen und Betriebe
Die Schulen in Mülheim, vor allem die Berufskollegs, setzen auf praxisnahe Ausbildung und digitale Lernmethoden. Das Berufskolleg Kluse und das Berufskolleg Stadtmitte haben sich darauf spezialisiert, Medienausstattungen zu erweitern und mit renommierten Institutionen wie dem Max-Planck-Institut zu kooperieren. Auch das Berufskolleg Lehnerstraße hat seine Lehre reformiert, setzt auf digitale Methoden und beteiligt sich an gesellschaftlichen und Nachhaltigkeitsprojekten.
Die Ausbildungsbetriebe selbst stehen unter Druck. Die Industrie- und Handelskammer hat festgestellt, dass obwohl es 551 neue Ausbildungsverträge in Mülheim gibt (ein Plus von 1% im Vergleich zum Vorjahr), die meisten Unternehmen über den Rückgang der Bewerber klagen, anstatt selbst aktiv zu werden. Dies sieht auch der DGB kritisch, der anfmerkt, dass nur 20% der Betriebe überhaupt ausbilden. Die Diskrepanz zwischen den ungesicherten Jugendlichen und den unbesetzten Ausbildungsplätzen verdeutlicht ein schreiendes Missverhältnis.
Um jungen Menschen einen Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen, ist es unerlässlich, Anreize und Möglichkeiten zu schaffen. Bis Februar 2024 besteht für Jugendliche die Chance, in die Berufsausbildung zu starten. Der Dialog zwischen Betrieben und Schulabsolventen muss intensiviert werden; schließlich liegt der Schlüssel zur Lösung dieses Problems in der Zusammenarbeit.
Für weitere Informationen zur Berufsberatung und möglichen Praktika können Interessierte auf diese Seite zugreifen.