Am 8. November um 16 Uhr lädt das Stadtmuseum Münster zu einer öffentlichen Führung durch die Ausstellung „Themenraum Kolonialismus“ ein. Diese Veranstaltung wirft einen kritischen Blick auf die Geschichte und die weitreichenden Auswirkungen des deutschen Kolonialismus in Münster von 1884 bis 1918. In dieser Zeit profitierten zahlreiche Menschen in Münster von der Ausbeutung und Unterdrückung in den deutschen Kolonien, die sich in Afrika, dem pazifischen Raum und China befanden. Auch heute noch sind die Spuren des kolonialen Blicks in der Stadt sichtbar, wie das Stadtmuseum betont. Presse-Service berichtet, dass diese Ausstellung das Ergebnis einer Kooperation von 15 Kultur- und Bildungseinrichtungen ist, unter der Leitung des Stadtmuseums, des Historischen Seminars und des Instituts für Didaktik der Geschichte der Universität Münster.
Geplant ist ein überschauliches Angebot: Die Teilnahmegebühr beträgt für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, und der Treffpunkt ist im Museumsfoyer. Neben der Führung lockt das Stadtmuseum am 9. November auch mit einem Zeichenkurs für Anfänger von 11.30 bis 14.30 Uhr. Unter der Leitung der Künstlerin Gintarė Skroblytė können Interessierte ihre kreativen Fähigkeiten entdecken. Es gibt nur 10 Plätze, die vorher telefonisch oder per E-Mail reserviert werden müssen, und die Kursgebühr von 17 Euro beinhaltet auch die Materialkosten.
Koloniale Spuren in Münster
Die Geschichte der deutschen Kolonien erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte, von 1871 bis 1918, und hat auch heute noch Einfluss auf Münster. Bereits im 19. Jahrhundert prägten koloniale Spuren das Stadtbild, da die Münsteraner Produkte aus den Kolonien konsumierten und an Völkerschauen sowie Kolonialausstellungen teilnahmen. Ein offen zur Schau gestelltes Überlegenheitsgefühl kennzeichnete damals den Umgang mit den kolonialen Völkern. Seit dem Verlust aller Kolonien nach 1919 forderten Bürger in Münster eine Rückkehr zu Kolonialbesitz, und auch unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erhielten koloniale Bestrebungen neuen Auftrieb. Diese Facetten der Geschichte werden in der genannten Ausstellung beleuchtet. Stadt Münster weist darauf hin, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dieser Thematik in Münster bislang aussteht.
Sichtlich ist das Thema der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit in Deutschland ein heikles und langwieriges Unterfangen. Während seit der Jahrtausendwende vermehrt über die grimmigen Kapitel der Kolonialgeschichte diskutiert wird, bleibt die Aufarbeitung in vielen Städten unzureichend. Im Gegensatz dazu standen lange Zeit die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs im Vordergrund der Erinnerungsarbeit. Staatsministerin Michelle Müntefering mahnte 2020 an, dass die deutsche Kolonialzeit zu häufig verharmlost wurde und die massive Gewalt und Ausbeutung, die dort an der Tagesordnung waren, nicht vergessen werden dürfen. Planet Wissen hebt hervor, dass Deutschland zuletzt 2021 den Völkermord an den Herero und Nama in Namibia anerkannt hat, was einen Schritt in Richtung Aufarbeitung darstellt.
Ein Blick in die Vergangenheit
Ein zusätzlicher Aspekt der Beschäftigung mit der Geschichte zeigt sich in der Fotografie zur „Hochschulmisere“, die ab dem 7. November im Schaufenster des Stadtmuseums zu sehen sein wird. Diese dokumentiert die Proteste von Studierenden der Erziehungswissenschaften am 8. November 1972, die bessere Ausbildungsbedingungen angesichts von Personalmangel und Raumnot forderten. Die Fotos erinnern daran, dass auch aktuelle Themen oft in einem historischen Kontext stehen.
Die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit bleibt also ein zentrales Thema in Münster und ganz Deutschland. Die kommenden Veranstaltungen im Stadtmuseum bieten nicht nur die Möglichkeit, historische Zusammenhänge zu erkennen, sondern auch eine Chance zur Reflexion über die heutigen Auswirkungen der kolonialen Geschichte.





