Das politische und gesellschaftliche Klima in Mexiko ist angesichts einer neuen Welle der Gewalt angespannt. Diese Gewalteskalation wurde durch den Tod des berüchtigten Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, ausgelöst. Die mexikanische Armee setzte am Sonntag eine militärische Operation in Tapalpa, Jalisco, in Gang, die in einem schockierenden Massaker endete. Nach Angaben von Antenne Münster sind bei den anschließenden Kämpfen zwischen Militär und Mitgliedern des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen.

El Mencho war nicht nur ein gefürchteter Drogenboss, sondern auch ein ehemaliger Polizist. Sein Kartell, das eines der mächtigsten kriminellen Netzwerke in Mexiko ist, wurde 2010 als bewaffneter Arm des Sinaloa-Kartells gegründet und hat zwischen 15.000 und 20.000 Mitglieder. Die brutalen Taktiken des CJNG sind berüchtigt; seine Kämpfer haben sogar Militärhubschrauber abgeschossen. Experten befürchten nun, dass ein Machtkampf um die Nachfolge von El Mencho in der Organisation anstehen könnte. Die Deutsche Welle berichtet von den hauptverantwortlichen Kämpfen und blockierten Straßen in Jalisco, wo mutmaßliche Bandenmitglieder mit brennenden Fahrzeugen über 20 Straßen blockierten.

Reaktionen und Auswirkungen

Die Reaktionen auf die Gewalt sind vielfältig. In mehreren Bundesstaaten, darunter Michoacán und Guanajuato, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen Geschäfte und Banken angegriffen wurden. CNN Español berichtet, dass Fahrzeuge in Brand gesetzt wurden und auch die Zivilbevölkerung direkt betroffen ist. In Guadalajara blieben die Straßen leer, Geschäfte und Tankstellen schlossen. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum rief zur Besonnenheit auf und forderte die Bürger auf, informiert zu bleiben.

Die Gewalt wirft auch ein dunkles Licht auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft, die in diesem Sommer in Mexiko, den USA und Kanada stattfinden wird. In Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey sollen 13 WM-Spiele ausgetragen werden. Aber während einige Freundschaftsspiele, wie das zwischen Mexiko und Island, weiterhin stattfinden sollen, wurden bereits einige Spiele aufgrund der Sicherheitslage abgesagt. Sicherheitsexperten stellen in Berichten fest, dass die FIFA zwar wenig wahrscheinlich die Ausrichtung der WM-Partien entziehen wird, jedoch schärfere Sicherheitsmaßnahmen zu erwarten sind.

Internationale Reaktionen und Sicherheitswarnungen

Die internationale Gemeinschaft reagiert ebenfalls auf die Situation. Der US-Außenminister Christopher Landau lobte die Operation zur Festnahme von El Mencho, während gleichzeitig ein Reisewarnung vom US-Außenministerium für die Bundesstaaten Jalisco, Tamaulipas und Michoacán ausgegeben wurde. Die kanadische Regierung forderte ihre Staatsangehörigen auf, unauffällig zu bleiben und den Anweisungen der Behörden zu folgen.

Die Tötung von El Mencho wird als schwerer Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle angesehen, jedoch bleibt abzuwarten, wie die Sicherheitslage sich weiter entwickeln wird. Die mexikanischen Sicherheitskräfte haben bei der Festnahme diverse Waffen, darunter Raketenwerfer, sichergestellt. Ein anhaltendes Gefühl der Unsicherheit wird die mexikanische Bevölkerung und die anreisenden Touristen begleitet.