Heute, am 19. Februar 2026, versammelten sich rund 30 Menschen auf dem Lindenplatz in Köln, um an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau zu gedenken. Diese Mahnwache wurde von dem Verein „Oberberg ist bunt, nicht braun“ organisiert, der seit dem Anschlag im Jahr 2020 jährlich an die schrecklichen Ereignisse erinnert. Damals erschoss ein 43-jähriger Rassist neun Menschen mit Migrationshintergrund, bevor er seine Mutter und sich selbst das Leben nahm. Vor einem Monat starb Ibrahim Akkuş, ein Überlebender des Anschlags, an den Spätfolgen seiner Verletzungen, was erneut die Dringlichkeit zur Erinnerung und Aufklärung unterstreicht.
Gerhard Jenders, Vorsitzender von „Oberberg ist bunt“, hielt eine bewegende Rede, in der er die gesellschaftliche Verantwortung gegen Rassismus und Faschismus betonte. „Seit 1990 wurden fast 200 Menschen von rechtsextremen Tätern ermordet“, erinnerte Jenders an die düstere Realität. Zudem wies er auf einen Mordfall aus dem Jahr 2016 in Waldbröl hin, der ähnliche Motive aufwies. Auch kritisierte er die wachsende gesellschaftliche Stimmung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund und setzte sich entschlossen für ein Verbotsverfahren gegen die AfD ein.
Der Druck ist vorhanden
Gerade die AfD sieht sich mit einem stark ansteigenden Personenpotenzial konfrontiert; Ende des Jahres 2024 wuchs die Zahl der Menschen in rechtsextremen Strukturen auf über 50.000. Die rechtsextremistischen Straftaten nehmen ebenfalls alarmierend zu. Im Jahr 2024 wurde ein Anstieg um fast 48% auf mehr als 37.800 registrierte Taten festgestellt. Vor allem Propagandadelikte sowie Körperverletzungsdelikte unterstreichen die zunehmende Gewaltbereitschaft innerhalb dieser Szene. Diese Entwicklungen sind nicht nur in den Statistiken des Verfassungsschutzes dokumentiert, sondern reflektieren auch das gesamtgesellschaftliche Klima, in dem rechtsextremistische Agitation Platz findet.
Aziz Kocyigit von der DIDF sowie Gulezar Özmen vom Alevitischen Kulturzentrum Oberberg erinnerten ebenfalls an die Namen der Opfer und forderten eine lückenlose Aufklärung. Özmen sprach die Belastungen der Angehörigen an, die bis heute keinen klaren und juristisch nachverfolgbaren Abschluss erfahren haben. „Die Aufklärung bleibt aus, während wir hier stehen und um unsere Liebsten trauern“, betonte sie unter dem Eindruck der Trauerminute, die die Teilnehmer der Mahnwache einlegten.
Ein Schatten über Hanau
Am Jahrestag des Anschlags in Hanau selbst äußerte Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus bislang nicht die gewünschten Erfolge gebracht hat. Kritisch wiesen Angehörige der Opfer wie die Kurtovićs auf die mangelnde Aufklärung und das lässt des Interesses der Behörden hin. Die Schließung eines Notausgangs in der Arena-Bar, die vom Täter genutzt wurde, bleibt ein weiteres ungelöstes Puzzlestück in dieser Tragödie. Der Wiesbadener Untersuchungsausschuss hat zudem technische Mängel des Notrufsystems bestätigt. Solche Missstände fordern einen deutlichen Fortschritt in den Ermittlungsmethoden und in der Verantwortungsübernahme der betreffenden Institutionen.
Der rassistische Anschlag hat nicht nur die betroffenen Familien, sondern die gesamte Gesellschaft nachhaltig geprägt. Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland, die ethnischen oder religiösen Minderheiten angehören, erleben regelmäßig Diskriminierung. Diese Realität muss in die gesellschaftliche Diskussion integriert werden, um wirksame Veränderungen herbeizuführen.
Wie lange wird es noch dauern, bis die Stimmen der Betroffenen Gehör finden? Solange die Erinnerung wach bleibt, könnte die Antwort ‘nicht mehr lange’ sein.
Für weitere Informationen zu den Entwicklungen rund um Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland seien auf die Berichterstattung auf Oberberg Aktuell, ZDF Heute und die Analyse des Verfassungsschutzes verwiesen.