Am heutigen Tag, dem 19. Februar 2026, versammelten sich rund 30 Menschen auf dem Lindenplatz im Oberbergischen Kreis, um mit einer Mahnwache an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau zu gedenken. Die Veranstaltung wurde von dem Verein „Oberberg ist bunt, nicht braun“ organisiert, der seit der schrecklichen Tat im Jahr 2020 unermüdlich gegen Rassismus und Faschismus kämpft. Gerhard Jenders, der Vorsitzende des Vereins, hielt eine bewegende Rede, in der er die Bedeutung des Erinnerns an die Opfer betonte und insbesondere auf die gesellschaftliche Stimmung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund einging.

Am 19. Februar 2020 erschoss ein 43-jähriger Rassist in Hanau neun Menschen mit Migrationshintergrund, bevor er seine Mutter und sich selbst tötete. Unter den Opfern war auch Ibrahim Akkuş, der am 10. Januar 2026 an den Spätfolgen seiner Verletzungen starb. Jenders wies zudem auf einen Mordfall aus dem Jahr 2016 in Waldbröl hin, der aus ähnlichen Motiven geschah. Die Veranstaltung wurde von den Anwesenden mit einer Trauerminute für die Opfer begleitet. Aziz Kocyigit von der DIDF und Gulezar Özmen vom Alevitischen Kulturzentrum Oberberg hielten ebenfalls Reden, wobei Özmen die Namen der Opfer nannte und die ausstehende lückenlose Aufklärung für die Angehörigen anmahnte.

Gesellschaftliche Verantwortung und Aufklärung

Die Mahnwache stellte nicht nur einen Akt des Gedenkens dar, sondern auch einen klaren Appell an die Gesellschaft. Jenders kritisierte die AfD und forderte ein Verbotsverfahren gegen die Partei. Er appellierte an alle, Verantwortung gegen Rassismus und Faschismus zu übernehmen. Diese Forderung wird vor dem Hintergrund alarmierender Statistiken immer dringlicher: Ende 2024 gab es in Deutschland 50.250 Personen mit rechtsextremistischem Potenzial, eine Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. Insbesondere die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten stieg auf 15.300 Personen.

Ein weiterer Aspekt der Mahnwache war die unzureichende Aufklärung der Geschehnisse rund um den Anschlag in Hanau. Trotz der brutalen Tat und der damit verbundenen Trauer gibt es bis heute kein Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen. Angehörige wie Armin und Dijana Kurtović, die ihren Sohn Hamza verloren haben, kritisieren das fehlende Interesse der Behörden an einer umfassenden Aufklärung. Sie mussten selbst Anzeige erstatten, da die Staatsanwaltschaft Hanau nie von sich aus ermittelte. Diese Missstände wurden auch vom Wiesbadener Untersuchungsausschuss bestätigt.

Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem

Der rassistische Anschlag in Hanau ist ein Beispiel für die tief verwurzelten Probleme in der Gesellschaft. Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland, die ethnischen oder religiösen Minderheiten angehören, erleben regelmäßig rassistische Diskriminierung. Der Anstieg rechtsextremistischer Straftaten in den letzten Jahren zeigt, dass der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung noch lange nicht gewonnen ist. 2024 wurden 37.835 rechtsextremistische Straftaten registriert, ein Anstieg um 47,4% im Vergleich zum Vorjahr.

Der Verein „Oberberg ist bunt, nicht braun“ und viele andere Organisationen setzen sich unermüdlich für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Die Mahnwache in Oberberg ist Teil dieser wichtigen Arbeit, die nicht nur dem Gedenken an die Opfer dient, sondern auch ein Zeichen gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft setzt. Der Kampf gegen Rechtsextremismus bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die alle angeht.