In Morsbach-Lichtenberg ist es bald wieder möglich, vor Ort einzukaufen. Nach dem jahrelangen Fehlen eines Lebensmittelgeschäfts, der letzte Tante-Emma-Laden schloss vor einigen Jahren, wird die Bremer Kette „Tante Enso“ einen Mini-Supermarkt eröffnen. Über 700 Bürgerinnen und Bürger haben sich als Teilhaber beteiligt, um die Einkaufsmöglichkeiten in ihrer ländlichen Region zu verbessern. Der Supermarkt wird regionale Produkte und günstige Eigenmarken anbieten, jedoch mit weniger Auswahl als in einem herkömmlichen Supermarkt. Am Stichtag zur Teilhaberschaft wurden sogar 724 Teilhaber gezählt, das erforderliche Minimum von 600 wurde somit überschritten. Timo Neuber von der Dorfgemeinschaft hat das Projekt aktiv unterstützt und während der Karnevalszeit für die Idee geworben.

Der geplante Standort für den Supermarkt ist das Brocke-Areal, das jedoch noch saniert und umgebaut werden muss, bevor die Türen öffnen können. Geplant ist, dass der Mini-Supermarkt rund um die Uhr geöffnet ist; volljährige Kunden können online eine Schlüsselkarte beantragen, um außerhalb der regulären Öffnungszeiten einkaufen zu können. An bestimmten Tagen wird zudem Personal vor Ort sein, um den Markt auch ohne Karte zugänglich zu machen. Dieses Konzept könnte nicht nur in Lichtenberg, sondern auch in anderen ländlichen Gebieten als Modell dienen und zeigt, wie Bürger Verantwortung übernehmen und ihr Lebensumfeld aktiv mitgestalten.

Herausforderungen und Lösungen

Die Herausforderungen für ländliche Regionen sind vielfältig. Zwei Drittel der Landbevölkerung kann oft nicht fußläufig einkaufen, was die Notwendigkeit solcher Projekte verdeutlicht. Kleinere Läden haben es schwer, wirtschaftlich betrieben zu werden, was unter anderem auf Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und im Einkaufsverhalten zurückzuführen ist. Lokale Unternehmen haben ihre Mitarbeiter über das Projekt informiert, um die Idee zu fördern und somit den Markt für schnelle Einkäufe zu nutzen.

Das Vorhaben in Lichtenberg wird nicht nur von den Bürgern unterstützt, sondern auch von Initiativen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die sich mit der Maßnahme „LandVersorgt – Neue Wege zur Nahversorgung in ländlichen Räumen“ befassen. Ziel dieser Initiative ist die Verbesserung der Nahversorgung in ländlichen Gebieten zur Sicherung von Teilhabe und Daseinsvorsorge. Viele ländliche Regionen kämpfen damit, den Bedarf vor Ort zu decken. Die „Tante Enso“-Läden zeichnen sich durch geringe Personalkosten aus, da Personal nur 3-5 Stunden pro Tag vor Ort sein muss, was für die Rentabilität des Modells wichtig ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Eröffnung des Mini-Supermarkts in Lichtenberg wird als ein Schritt in die richtige Richtung betrachtet, um den Einzelhandel in der Region wiederzubeleben. Die Vorbereitungen für den neuen Markt laufen bereits, und es besteht die Hoffnung, dass diese Maßnahme auch anderen ländlichen Gebieten als Vorbild dienen kann. Wirtschaftsminister Sven Schulze plant zudem Verhandlungen zur Änderung des Ladenschlussgesetzes, um den Zugang zu diesen Märkten weiter zu erleichtern. Sicherheitsaspekte, wie die Installation von Überwachungskameras in den Läden, werden ebenfalls berücksichtigt, um ein sicheres Einkaufserlebnis zu gewährleisten.

Die Bürger von Lichtenberg zeigen, wie gemeinschaftliches Engagement und innovative Konzepte zur Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Regionen beitragen können. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Ansatz entwickelt und ob er als Modell für ähnliche Projekte in anderen Teilen Deutschlands fungieren kann.

Für weitere Informationen und Details zu diesem spannenden Projekt können Sie die vollständigen Berichte auf den Websites des WDR und Mein Berlin nachlesen. Auch die Initiativen des BMEL bieten wertvolle Einblicke in die Entwicklung nachhaltiger Nahversorgungskonzepte.