Im Rhein-Erft-Kreis stehen die öffentlichen Verkehrsmittel vor einer Herausforderung: Ein Warnstreik, initiiert von der Gewerkschaft ver.di, wird die Fahrten der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (REVG) von Freitag, dem 6. März, 3 Uhr bis Samstag, dem 7. März, 3 Uhr einschränken. Die Gewerkschaft hat auch die Kölner Verkehrsbetriebe und die Stadtwerke Bonn zum Streik aufgerufen. Hintergrund ist das Ergebnis der zweitägigen Tarifverhandlungen am 3. März, die ohne ein Angebot der Arbeitgeberseite beendet wurden. Dies führt dazu, dass der öffentliche Nahverkehr im Rhein-Erft-Kreis während des Streiks stark beeinträchtigt sein wird.

Während der Streikphase werden nur die Busfahrten aufrechterhalten, die regulär von Subunternehmen erbracht werden. Besonders betont wird, dass der Schul- und Busverkehr Priorität hat, und Schnellbusse werden nicht fahren. Die Deutsche Bahn sowie die S-Bahnen, Regional-Express (RE) und Regionalbahn (RB) sind hingegen nicht vom Streik betroffen und fahren regulär. Die REVG informiert über die stattfindenden Fahrten während des Streiks, allerdings gilt die Mobilitätsgarantie an diesen Tagen nicht. Bereits am 27. und 28. Februar kam es zu weiteren Streiks im öffentlichen Nahverkehr, die den Rhein-Erft-Kreis beeinflussten. Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel auf ksta.de.

Hintergründe des Streiks

Der Streik wird von den Mitgliedern von ver.di getragen, die für mehr Geld, Respekt und Anerkennung ihrer Arbeit kämpfen. Der Arbeitsdruck in den von ver.di organisierten Branchen ist dauerhaft hoch. Dies wird besonders durch die Rekordmengen an Paketen und den enormen Umsatz im Online-Handel sowie die hohe Belastung in Krankenhäusern und Gesundheitsämtern verdeutlicht. Im Jahr 2022 sanken die Reallöhne um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was zum Teil auf die Inflation zurückzuführen ist, die laut dem statistischen Bundesamt bei 7,9 Prozent lag. Prognosen deuten zwar auf ein leichtes Abflachen der Inflation hin, jedoch bleibt sie auf hohem Niveau. Zudem sanken die Löhne 2023 real um 1,7 Prozent, trotz einer durchschnittlichen Erhöhung von 5,6 Prozent.

Die Hans-Böckler-Stiftung weist darauf hin, dass die soziale Spaltung durch die Inflation verschärft wurde, insbesondere bei Familien mit niedrigem Einkommen. Arbeitgeber nehmen ihrer Verantwortung nicht wahr und rechnen die Inflation klein, während der Staat von den Preissteigerungen durch hohe Steuereinnahmen profitiert. Unternehmen wie die Deutsche Post AG verzeichnen Rekordgewinne, was die Forderung nach höheren Löhnen umso dringlicher erscheinen lässt. Die Gewerkschaft hat das Ziel, die Arbeit in diesen Branchen attraktiver zu machen und die Zukunft der Arbeitsplätze zu sichern. Weitere Details zu den aktuellen Streiks finden Sie auf verdi.de.

Gewerkschaften im Wandel

Die Rolle der Gewerkschaften in Deutschland steht ebenfalls auf dem Prüfstand. Die Mitgliedschaft in Gewerkschaften sinkt kontinuierlich – von über 40 Prozent in den 1980er Jahren auf nur noch 12 Prozent heute. Dieses Phänomen geht einher mit einer Zunahme von Streikrunden, die früher nur wenige Stunden dauerten, heute aber teils mehrere Tage in Anspruch nehmen. Gleichzeitig ist der Zuspruch in der Bevölkerung für Gewerkschaften während Streik-Hochzeiten rückläufig. Eine Studie des IW Köln zeigt, dass 29 Prozent der Befragten nie über eine Gewerkschaftsmitgliedschaft nachgedacht haben und viele der Befragten die Gewerkschaften als wenig aktiv empfinden oder mit deren Politik unzufrieden sind.

Dennoch haben Gewerkschaften in der Vergangenheit wichtige Arbeitsrechte erkämpft, wie beispielsweise Krankengeld, Urlaubstage und Mindestlohn. Beschäftigte mit Tarifvertrag verdienen im Durchschnitt 11 Prozent mehr und arbeiten 54 Minuten weniger pro Woche als ohne Tarifvertrag. Die Gewerkschaften stehen vor der Herausforderung, neue Mitglieder zu gewinnen und sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Betriebsratswahlen im März 2024 könnten eine Chance sein, um den Einfluss der Gewerkschaften zu stärken. Mehr dazu können Sie auf swr.de nachlesen.